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Der Palast der Unsterblichkeit

29. Szene – Das Hören der Glöckchen

Kapitel 29

29. Aufzug: Die Glocken im Wind

(Hinter der Bühne ruft die komische Rolle:) „Soldaten, beeilt euch! Geht voraus und macht euch bereit!“ (Hinter der Bühne ertönt Gongschlag, dann Antwort.) (Komische Rolle:) „Eure Majestät, besteigt bitte das Pferd.“ (Die männliche Hauptrolle besteigt ein Pferd, die komische Rolle folgt, sie treten auf.)

(Doppelton-Nahe-Melodie: Wuling-Blume)

„Auf tausend Meilen Reise, wie viel Wehmut auf dem Weg! Ich blicke auf Wolken und Berge, die sich übereinander türmen, gleich meinem wirren Kummer, der sich mischt. Grenzenlos fallen die Blätter, der Herbstwind rauscht; am weiten Himmel ein einsamer Wildgansschrei, der mein Morgenweh noch mehrt. Seit ich Maweipo verließ, habe ich viel Bitternis erduldet. Neulich sandte ich einen Boten mit dem kaiserlichen Siegel und der Urkunde, um dem Kronprinzen die Herrschaft zu übergeben. Nun reisen wir seit einem Monat und nähern uns bald Shuzhong. Erfreulicherweise entfernen sich die Rebellen allmählich, so dass wir langsamer vorankommen können. Doch bei jedem Vogelruf, jedem fallenden Blütenblatt, jedem grünen Wasser, jedem blauen Berg – alles mehrt meine Trauer. Was soll ich tun?“ (Komische Rolle:) „Eure Majestät, die Strapazen der Reise sind groß. Bitte zerstreut Euch und grämt Euch nicht allzu sehr.“ (Männliche Hauptrolle:) „Ach, Gao Lishi! Mit der kaiserlichen Gemahlin saß ich am selben Tisch, ging ich Schulter an Schulter. Heute, auf der hastigen Flucht nach Westen, endete sie auf solch eine Weise – wie könnte ich das jemals vergessen!“ (Er vergießt Tränen:) „Wenn ich an die traurigen Dinge denke, strömen die Tränen wie ein Guss. Ich blicke zurück auf den Fuß des Maweipo und fühle unermesslichen Groll in meiner Brust.“ (Nachdenklich:) „Dort vorne ist die Bohlenstraße. Bitte, Eure Majestät, haltet die Zügel fest und reitet langsam.“ (Männliche Hauptrolle:) „Die Fahnen flattern im Wind, der sich an die untergehende Sonne schmiegt; ihr Schatten schwankt. Wie könnte das einsame Pferd auf dem steinigen Pfad innehalten, wie innehalten! Nur dunkle Wolken, trübes Wetter, der Himmel wird finster. Die klagenden Affen brechen einem das Herz, der Kuckuck schreit Blut – es ist zum Fürchten. Wahrlich, es ist zum Sterben traurig, ach! Wahrlich, es ist zum Sterben bitter, ach! Wie öde ist es! Unter dem Emei-Berg gehen selten Menschen; kalter Regen, schräger Wind schlagen mir ins Gesicht.“

(Komische Rolle:) „Der Regen kommt! Eure Majestät, besteigt bitte für eine Weile den Jian‘ge-Pass, um Schutz zu suchen.“ (Männliche Hauptrolle steigt ab und betritt den Pass, setzt sich.) (Komische Rolle, zur Hinterbühne:) „Soldaten, haltet vorläufig an. Wir ziehen weiter, wenn der Regen aufhört.“ (Hinter der Bühne antwortet.) (Männliche Hauptrolle:) „Einsam steige ich hinauf, mein Herz wird noch trauriger; die Berge und Wasser von Shu erfüllen mich mit unendlichem Groll. Ich weiß nicht, woher der Wind den Regen treibt – jeder Tropfen, jeder Ton zerreißt mir die Eingeweide.“ (Hinter der Bühne ertönt Glockengeläut.) (Männliche Hauptrolle:) „Hörst du dort das unaufhörliche Geräusch? Es stört mich sehr. Gao Lishi, sieh nach, was das ist.“ (Komische Rolle:) „Es ist der Regen im Wald, vermischt mit den Glöckchen unter der Dachtraufe, die der Wind zum Klingen bringt.“ (Männliche Hauptrolle:) „Ach, dieses Glockenläuten ist aber stimmungstötend!“

(Vorherige Melodie)

„Tröpfchenweise, leise und fein – ein Schauer der Trauer erfasst heimlich mein Herz. In der Ferne, über Berge und Bäume hinweg, vermischt mit Wind und Regen, bald hoch, bald leise ertönt es. Ein Tropfen, ein Ton, und noch ein Tropfen, ein Ton – vermischt mit dem Blut und den Tränen des Kummervollen, brechen sie gemeinsam hervor. Angesichts dieser herzzerreißenden Szene erinnere ich mich an das verlassene Grab. Die weißen Pappeln rauschen traurig, der Regen strömt kreuz und quer; in diesem Augenblick ist die einsame Seele dort kalt und verlassen. Das kalte Licht der Irrlichter, die feuchten Glühwürmchen im Gras. Ich bereue nur, dass ich in der Hast dich verraten habe, dich verraten habe! Ich, allein in der Menschenwelt, will wahrhaftig nicht mehr leben. Ich sage dir, meine Schöne: Bald werden wir einander in der Unterwelt Gesellschaft leisten. Ein lauter Schrei in der leeren Bergwelt – die Glocken antworten im Echo. Die hohe, steile Passstraße gleicht meinem gewundenen Kummer – wie sollte der Groll sich je legen!“

(Komische Rolle:) „Eure Majestät, gebt Euch für eine Weile der Sorge nicht hin. Der Regen hat aufgehört. Bitte steigt herab und besteigt wieder das Pferd.“ (Männliche Hauptrolle steigt herab und besteigt das Pferd. Komische Rolle, zur Hinterbühne:) „Soldaten, macht Euch auf den Weg!“ (Alle antworten.) (Komische Rolle folgt der männlichen Hauptrolle.) (Männliche Hauptrolle:)

(Epilog)

„Der weite Weg vor mir, die Sorge nimmt kein Ende; die Seele zu rufen und das Land zu verlassen – beides bedrückt mich.“ (Chor:) „Unabsehbar, nach dem Regen die unzähligen grünen Gipfel der schroffen Berge.“

(Männliche Hauptrolle:)

„Der Jian‘ge-Pass verbindet die Berge, tausend Meilen Herbstfarben –“ (Luo Binwang)

„Der von der Heimat Getrennte fühlt hier umso mehr den Schmerz.“ (Luo Ye)

(Männliche Hauptrolle:)

„Vergeblich müht sich die kaiserliche Karosse durch Schlamm und Regen –“ (Qin Taoyu)

„Ein Lied ‘Regen an den Glöckchen’ lässt Tränen in Strömen fließen.“ (Du Mu)