
Die Investitur der Götter
Die Ernennung der Götter (Fengshen Yanyi) ist das repräsentativste Werk der Ming-zeitlichen Geister- und Dämonenromane. Als Autor wird gemeinhin Xu Zhonglin genannt (einer anderen Überlieferung nach Lu Xixing); das Werk entstand in der Longqing- und Wanli-Ära der Ming-Dynastie. Der Roman umfasst hundert Kapitel und schildert als Haupthandlung den Feldzug König Wus gegen den Tyrannen Zhou sowie die Ernennung der Götter durch Jiang Ziya. Dabei verschmelzen die Erzählung von König Wu, der Zhou bezwingt, daoistische Vorstellungen von der Götterernennung und volkstümliche Legenden zu einer gewaltigen, das Göttliche, Menschliche und Dämonische vereinenden Erzählwelt.
Der Roman berichtet, wie der grausame und zügellose König Zhou von Shang, verführt von der Unheilsbringerin Daji, das Reich ins Verderben stürzt. König Wu von Zhou erhebt sich zum Kampf; die drei Schulen – die Schule der Erleuchtung (Chan), die Schule der Unterweisung (Jie) und die menschliche Schule – liefern sich magische Gefechte. Schließlich hält Jiang Ziya die Tafel der Götterernennung und ernennt 365 rechtmäßige Götter. Berühmte Szenen wie Nezhas Aufruhr im Meer, der Zauberkampf des Yang Jian, die drei Schwestern des Xuanhuang-Berges, die das Gelbe-Fluss-Arrangement aufstellen, die Zehn-Verderbnis-Arrangements, das Zehntausend-Immortalen-Arrangement – all dies zeugt von einer überwältigenden Fantasie und ist zu einer wichtigen Quelle des chinesischen Mythos geworden.
In der Literaturgeschichte wird Die Ernennung der Götter oft mit der Reise nach Westen (Xiyouji) in einem Atemzug genannt. Es hat die volkstümliche Glaubenswelt, die Opern- und die Erzähltradition nachhaltig beeinflusst. Viele Figuren des Romans – Nezha, Yang Jian, Leizhenzi, Shen Gongbao und andere – sind zu immer wieder neu gestalteten Motiven der späteren Kunst und Literatur geworden. Die Erzählung von der Götterernennung hat zudem das daoistische Pantheon und die Gestaltung volkstümlicher Tempel tief geprägt.
Als klassischer Geister- und Dämonenroman vereint Die Ernennung der Götter Geschichtserzählung und religiöse Imagination in einem Schmelztiegel. Wer dieses Buch liest, kann in die einzigartige chinesische Welt der Geister und Dämonen eintauchen und den literarischen Ausdruck der Ahnen für Gerechtigkeit, Himmelsbestimmung und übernatürliche Kräfte erfahren.
