37. Szene: Schreckliche Veränderung
37. Akt: Erschütternde Veränderung
(Versen aus der Tang-Zeit sammelnd) (Der Alte tritt auf.) „Der Wind bewegt nicht den herabhängenden Faden, Yong Tao; singend hinter der Frühlingsstadt, verspätet aus dem Gras, Zhu Qingyu. Schließlich ist das ganze Leben nur ein Traum, Yuan Zhen; in der Nacht bestattete Regen und Wind die Xi Shi, Han Wo.“ Ich, Chen Zuiliang. Nur aus Dankbarkeit gegenüber dem Präfekten Du, dass er mich die Grabstätte des Fräuleins betreuen ließ. Gestern verabredete ich mich mit dem Scholar Liu, um das Grab zu besuchen. So werde ich mich denn dorthin begeben. (Geht.) „Das Zen-Tor ist nicht verschlossen, Wolken weilen stets; im Hofgang ohne Führer wächst das Gras tief.“ Ich will klopfen. (Ruft.) Ach, sonst waren die Türen mehrfach verriegelt, heute sind sie alle geöffnet. Ich will erst der Heiligenbilder harren. (Betrachtet die Bodhisattva-Figuren.) Hm, kalt und öde, kein Räucherwerk, keine Lampe. Ach, wo ist die Gedenktafel für Fräulein Du geblieben? Ich will die alte Nonne fragen. (Ruft dreimal.) Sie ist in die Welt zurückgekehrt. Ich will den Bruder Liu rufen und ihn fragen. (Ruft.) Freund Liu! (Ruft erneut.) Scholar Liu! Es erfolgt gar keine Antwort. (Sieht sich um.) Ha, der Scholar Liu ist fort. Er heilte die Krankheit, kam nicht, um sich zu verneigen, und ging, ohne sich zu verabschieden. Kein Anstand, kein Anstand! Ich will im Westraum nachsehen. (Schreit auf.) Ach, auch die Nonne ist weggezogen. Die Glocke, der Kochtopf, die Matte auf dem Bett – nichts ist mehr da. Seltsam! (Denkt nach.) Richtig. Die junge Nonne hatte neulich etwas zu sagen, gestern hörte ich wieder ihre Stimme. Sicher steckt da eine heimliche Affäre mit Liu Mengmei dahinter. In einer Nacht sind sie fort. Kein Anstand, kein Anstand! Soll es gehen, wie es will. Ich will in den hinteren Garten gehen und das Grab des Fräuleins besuchen. (Geht.)
Lazy Eyebrows Painted
Der Garten ist tief, der Pfad schmal, altes Moos bedeckt ihn. Jene Lauben und Pavillons im Mond- und Windlicht sind lange ungeöffnet. Einst wurde hier die goldene Haarnadel begraben. (Blickt.) Ach, das alte Grab war hoch, nun ist es eingeebnet. Wieso sehe ich kein Grab mehr? Haben es vielleicht Füchse und Hasen ausgehöhlt, dass es eingestürzt ist? Der Taihu-Stein – nur die linke Seite ist etwas verschoben; der Pflaumenbaum steht noch. (Erschrickt.) Ach, das Grab des Fräuleins ist geplündert worden!
Morgen zum Himmel
(Laut weinend.) Fräulein! O Himmel! Was ist das für ein herzloser, unseliger Bursche, der Gräber öffnet? Wieviel Gold und Juwelen wurden mit ihr begraben, dass er sie mit offenen Augen raubt! Fräulein, wenn du schon früh eine Familie gehabt hättest, wäre man zurückgekehrt, um dich zu holen. Aber weil dir der Jade-Spiegelständer nicht beschieden war, der ins Untere Reich leuchtet – wie einsam bist du! Ich fürchtete, Schlangen drängen in die Knochen, Bäume durchwüchsen das Gerippe, aber nicht diesen Frevel. Ich verstehe: Liu Mengmei ist ein Mann aus Lingnan, gewohnt, Gräber zu plündern. Er hat den Sarg in die Nähe gebracht, eine Ecke als Kennzeichen abgeschnitten, um Lösegeld zu fordern. Der Dieb denkt sich: Wenn der alte Herr Du davon erfährt, wird er sicher kommen und auslösen. Der Sarg muss in der Nähe vergraben sein. Ich will suchen. (Erblickt etwas.) Ach, ist das nicht das rotlackierte Brett im Gras? Und hier die großen Rostnägel? Aufgemacht. Himmel, wo sind die Gebeine des Fräuleins geblieben? (Blickt.) Im Teich dort schwimmt ein Stück Sarg. Richtig, die Leiche des Fräuleins ist in den Teich geworfen worden. Grausamer Dieb!
Allumfassende Gnade
Ich frage den Himmel: Warum hast du sie in den Trümmern des Kunming-Teichs zerschlagen, nichts übrig gelassen? Und war doch nicht schuldig, die Kette der Guanyin-Knochen abzutragen – warum hast du ihren Geist und Leib wie Mond und Wasser in den Abgrund geworfen? Die roten Gewänder weinen heimlich um die Lotoswangen, wie in finsterer Nacht wieder ins Meer der Sünden gestoßen. Ich will das Wasser des Teichs ablaufen lassen und ihre Gebeine herausholen. Doch ich fürchte, die Wellen zermalmen den zerbrochenen Jade, dass man ihn nicht mehr auseinanderhalten kann. Besser, man hätte sie gleich im Wasser bestattet, ohne Argwohn. Der verbrecherische Blick dieses Diebes ist von Grund auf bösartig – wo ist da das Mitleid mit der Schönen? Er tötet aus Habgier! Der Meister sprach: „Wenn Tiger und Nashörner aus dem Käfig brechen und die Schildkrötenschale und der Jade im Kasten zerstört werden, kann der Hüter sich seiner Verantwortung nicht entziehen.“ Ich werde jetzt zuerst der Präfektur von Nan’an Meldung machen, sie sollen ihn fahnden, und dann in Eile nach Huaiyang reisen, um den alten Herrn Du zu benachrichtigen.
Nachspiel
Die alte Kupplerin Shi hat in ihrer Spelunke wohl Gold und Perlen gesehen. Liu Mengmei – er hat sich aufgeführt wie einer, der die alten Bambustafeln aus dem Grab von Ji ausgräbt. Fräulein, was meinst du, warum er als Einbrecher an die goldene Mauer und silberne Wand geht?
„Die Hügelgräber werden ausgegraben an der öffentlichen Straße, Han Yu. Im Frühlingsgras, weit und breit, ist auch kein Grab mehr, Bai Juyi. Dass ich dich schuldlos ins Unglück stürzte, ist meine Schuld, Han Yu. Der wild Schlafende und maßlos Trinkende ist der Übeltäter.“ Mönch Zilan
