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Die Päonienlaube

4. Akt: Klage über die Gelehrsamkeit

Kapitel 4

4. Akt: Die Klage des veralteten Gelehrten

Doppelter Trinklied

(Ein alter, armseliger Gelehrter tritt auf.)

Im Lampenschein beiß’ ich mich durchs Studium, mit kümmerlicher Miene halt’ ich durch.

Die Prüfungsverbote sind schwer zu ertragen – so vergeud’ ich meine Zeit!

Schade, dass ich mein Herz an die Bücher gehängt habe.

Der Husten, mein altes Leiden, plagt mich in den letzten Jahren immer mehr.

„Weil der Husten mich quält, trink’ ich seltener aus dem Becher;

weil die Schüler geringe Gebühren zahlen, raucht mein Küchenherd kaum.

Doch wer weiß – der Himmel wohnt nicht unter den Menschen;

der herabhängende Frühlingskummer lässt den Greis wie einen Kranich ergrauen.“

Ich, Chen Zuiliang, mit dem Ehrennamen Bocui, bin Student der konfuzianischen Schule der Präfektur Nan’an. Meine Vorfahren waren Ärzte. Schon in jungen Jahren begann ich, die konfuzianischen Lehren zu studieren. Mit zwölf Jahren bestand ich die Aufnahmeprüfung für die Schule, erzielte hervorragende Noten und wurde in den Rang eines Stipendiaten aufgenommen. Fünfzehnmal trat ich zu den Provinzprüfungen an. Unglücklicherweise wurde ich vom früheren Schulvorsteher bei der Beurteilung in die unterste Kategorie eingestuft und verlor mein staatliches Getreidegehalt. Dazu kam, dass ich zwei Jahre lang keine Lehrtätigkeit fand, sodass ich an Kleidung und Nahrung Mangel litt. Die jungen Leute nennen mich daher nur noch „Chen, der ohne Nahrung dasteht“. Da ich mich auch in Medizin, Wahrsagerei und Fengshui auskenne, haben sie meinen Ehrennamen Bocui in „Hundertfacher Mischmasch“ umgewandelt. Nächstes Jahr werde ich sechzig – ich mache mir keine Hoffnungen mehr. Ich habe noch eine Apotheke von meinem Großvater geerbt, die ich immer noch betreibe. „Vom Gelehrten zum Arzt, vom frischen Gemüse zum eingelegten Kohl“ – das ist alles nebensächlich. Gestern hörte ich, dass der hiesige Präfekt Du eine Tochter hat und einen Lehrer sucht. Viele eifrige Geschäftemacher streiten sich darum. Was wollen sie damit erreichen? Erstens: in der Nachbarschaft gut dastehen; zweitens: Beziehungen knüpfen; drittens: aufs Glück spekulieren; viertens: sich mit den Hausverwaltern und Türhütern anfreunden, um Akten zu fälschen; fünftens: sich anderswo zu rühmen, um Aufstiegschancen zu erhalten; sechstens: sich von den Untergebenen fürchten lassen; siebtens: zu Hause die Leute betrügen. Wegen dieser sieben Dinge rennen sie alle kopflos hinterher. Sie wissen nicht, wie schwer es ist, in ein Amt zu gelangen! Zudem ist es umso schwieriger, eine Schülerin zu unterrichten: zu nachsichtig geht nicht, zu streng auch nicht. Wenn das Ansehen leidet, kann man weder weinen noch lachen. Für einen alten Mann wie mich kommt das nicht in Frage.

„Wahrlich: Bücher verdecken die altersschwachen Augen,

es schadet nicht, wenn keine Arznei die müßige Sorge vertreibt.“

(Ein Türhüter der Präfekturschule tritt auf, als Schurke gekleidet.)

„Die weltlichen Gelehrten sind bis zum Ende arm,

die Türhüter der Schule werden mit den Jahren schlau.“

(Sie treffen sich.)

Türhüter: Meister Chen, ich bringe eine freudige Nachricht!

Gelehrter: Welche Freude?

Türhüter: Der Herr Präfekt Du sucht einen Lehrer für seine Tochter. Der Schulvorsteher hat über zehn Namen vorgeschlagen, doch keiner wurde angenommen. Man wünscht einen erfahrenen Mann. Ich habe beim Schulvorsteher für dich gesprochen, und hier ist die Einladungskarte des Herrn Präfekten.

Gelehrter: „Das Unglück des Menschen liegt darin, dass er gern der Lehrer anderer sein möchte.“

Türhüter: Mensch, das Essen ist für dich bestimmt!

Gelehrter: Dann lass uns gehen. (Sie gehen.)

Lied des Höhlengötterchens

Gelehrter: Mein Kopftuch ist geflickt, meine Stiefel sind zerrissen.

Türhüter: Du sitzt in deiner Studierstube, der Rocksaum ist dir hinten abhandengekommen.

Beide: Mit Tuschewasser spül’ ich mir den Mund, um beim Amt zu essen; der Zahnstocher riecht nach gelbem Kohl.

Vorherige Strophe

Türhüter: Ich als Türhüter such’ mir ein Geschäft, du als Meister wirst nicht ruhen?

Gelehrter: Willst du ein Dankgeschenk? Wer weiß, ob ich bleibe oder nicht.

Beide: Einerlei, ob Drachenbootfest oder Doppel-Neunter-Fest, sobald der Herr ausreitet, zerren wir an seinem Ärmel.

Türhüter: Ich sehe das Tor des Amtssitzes.

Türhüter: Die weltliche Pracht und Freude währt kurz. (Li Shangyin)

Gelehrter: Wer kümmert sich um einen Bart, der weiß wie Silber ist? (Cao Tang)

Türhüter: Der vornehme Präfekt erlaubt, dass man müßig bei ihm sitzt. (Zhu Qingyu)

Beide: Dann gibt es unzählige Menschen, die auf Glück hoffen. (Han Yu)