49. Akt: Am Huai-Fluss rasten
49. Aufenthalt: Am Huai-Fluss gestrandet
Drei Freuden auf der Wolke (Liu Mengmei, einen Bündel auf dem Rücken, einen Regenschirm in der Hand, tritt auf)
Selbst wo ein Weg ist, kann ich nicht einkehren – so unerträglich ist diese Zeit der Wirren! Wie ein welkes Blatt ziehe ich einsam und ärmlich dahin und weiß, dass der Herbst gekommen ist. Um meiner geliebten Gattin willen sehne ich mich nach ihrem Vater und reiste nach Yangzhou, um Nachricht zu erfragen. Doch wer hätte gedacht, dass er in Huaiyang eingeschlossen ist? So eile ich nun dorthin, um Hilfe zu bringen.
(Gedichtverse aus der Tang-Zeit zusammengestellt)
„Wie könnte ich einen Weg finden, die Verwandten zu besuchen? (Li Bai)“
„Trübes Wasser und Schlamm besudeln den reinen Staub der Straße. (Han Yu)“
„Ich hasse es, dass ich als Gelehrter in so harte Zeiten geraten bin. (Lu Lun)“
„Ich beklage nur, dass ich müßig bin, weil meine Familie arm ist. (Wei Zhuang)“
Ich, Liu Mengmei, bin ein armer Gelehrter der diesseitigen Welt. Durch die Gunst des Fräulein Du, die mich im Jenseits leidenschaftlich liebte, wurde ich ihr Gemahl und folgte ihr zur kaiserlichen Prüfung. Erfreulicherweise habe ich meine Arbeit in der Palasthalle abgegeben, doch die Bekanntgabe der Ergebnisse wurde durch die Grenzkriegsberichte verzögert. Deshalb, meine Dame, hörte ich, dass ihr Vater in Huaiyang in dringender militärischer Not sei, und bat mich, auf dem Weg nach seinem Wohlergehen zu forschen. Ich selbst trage ein Bild von ihr bei mir, um ehrerbietig die frohe Kunde ihrer Wiederbelebung zu melden. Doch wie dem auch sei – die Reise ist arm und mühselig, und all mein Reisegeld stammt aus Grabbeigaben. Darunter sind kleine Kostbarkeiten und Spielereien, die man in der Eile nicht versetzen oder verkaufen kann. Einige geformte Gold- und Silberstücke haben nur wenig von ihrer Erdhaftigkeit eingebüßt. Zudem erkennt mein gelehrtenhaftes Auge nicht die Striche auf der Waage. Unterwegs wurde ich nicht oft betrogen, doch die täglichen Ausgaben zehren am Vorrat. Als ich die Gegend von Yangzhou erreichte, war mein Schwiegervater gerade nach Huaicheng verlegt worden. Die Rebellen versperrten den Weg, so dass ich nicht weiterkonnte. Erfreulicherweise lösten sie sich allmählich auf, und so zog ich langsam einige Tagesreisen weiter.
Goldbrokat-Windung
Schon längst hätte ich mich, trunken nach Yangzhou träumend, auf die Suche nach Du Mu machen sollen – drei Leben lang in der Blumen-Mond-Kammer wohnend, wer hätte gedacht, dass er jenseits des Huai-Flusses ist? Wo könnte ich mit zehntausend Münzen im Wind auf einem Kranich durch die Lüfte reiten? So muss ich bei Fischern und Holzfällern um Obdach und Nahrung bitten, zwischen verwelktem Lotus und kahlen Weiden, und füge so dem Herbstbild der fünf Seen eine weitere Note hinzu. Wie viel Herbstweh lockt mich da! Meine Verdienste und mein Amt sind noch nicht vollendet, und kalt lässt man meine liebende Gattin im Frauengemach. Wie könnte ich den Blick zurück wagen? Bedenke ich es – zehn Teile Kummer verteilen sich auf Jiangnan und Jiangbei.
Den ganzen Weg entlang erfreute mich der Anblick der hoch zum Himmel ragenden Stadt Huaicheng, zu ihren Füßen das klare, weite Wasser des Huai. Auf dem Stadtturm weht noch die eine Zhang und sechs Chi breite Fahne des Militärkommandos. Bläser und Schläger ertönen – wohl wird es Abend und die Tore schließen sich. Ich will fürs Erste in einer kleinen Herberge einkehren.
(Der Wirt tritt auf)
„Viel mit Wasser gestreckter Fusel aus den Flüssen und Seen, wenig Profit von den wind- und mondumspielten Kupfermünzen.“
Wünscht der Herr Gelehrte ein Nachtlager?
(Liu Mengmei betritt die Herberge)
(Wirt) Möchtet Ihr Früchtewein oder etwas zum Wein?
(Liu Mengmei) Ich trinke von Natur aus keinen Wein.
(Wirt) Brennholz und Reis werdet Ihr doch brauchen?
(Liu Mengmei) Erst essen, dann abrechnen.
(Wirt) Erst abrechnen, dann essen.
(Liu Mengmei) Hier sind fünf Qian Feinsilber.
(Wirt) Dieses Silber hat einen hohen Feingehalt, ist aber kleinteilig. Lasst mich es wiegen. (Wiegt das Silber, schreit erschrocken auf) Das Silber läuft weg! (Such)
(Liu Mengmei) Was gibt es da so zu erschrecken?
(Wirt) Herr Gelehrter, das Silber ist in einen Erdspalt gefallen und fortgelaufen. Seht nur diese zerbröckelten Kügelchen.
(Liu Mengmei) Hier sind noch ein paar Stücke.
(Wirt nimmt das Silber entgegen, es läuft wieder weg – dreimal so)
Ach, Herr Gelehrte, Ihr verwendet wohl Quecksilber?
(Liu Mengmei) Wie sollte das Quecksilber sein? (Abgewandt) Richtig – als das Fräulein bestattet wurde, hatte sie Quecksilber im Mund. Der Drache schluckt Erde und wird zur Perle, um in den Himmel aufzusteigen; der Geist schluckt Quecksilber und wird zum Elixier, um aus der Welt zu treten – so ist das Gesetz. Dies hier verwandelt sich bei Wind. Ursprünglich, als das Fräulein starb, starb auch das Quecksilber; nun, da das Fräulein wiederbelebt ist, ist auch das Quecksilber wiederbelebt. Nur schade, dass die Welt solche wundersamen Dinge nicht versteht. (Wieder zugewandt) Nun gut. Herr Wirt, Ihr habt mein ganzes Feinsilber verschwinden lassen, und nun habe ich keinen einzigen Penny mehr. Dieses Buch ist meine tägliche Lektüre – es mag als Bezahlung für einen Krug Wein dienen.
(Wirt) Das Buch ist zerlesen.
(Liu Mengmei) Ich gebe Euch noch einen Pinsel dazu.
(Wirt) Die Pinselspitze ist zerfranst.
(Liu Mengmei) Hier verkehren viele Reisende – habt Ihr nie gehört: „Zehntausend Bände lesen, bis sie zerfallen“?
(Wirt) Nie gehört.
(Liu Mengmei) Oder: „Vom Träumen tausend Blüten aus dem Pinsel spucken“?
(Wirt) Nie gehört.
Schwarzer Seidengewand-Robe (Liu Mengmei lacht)
Lächerlich, ein leeres Geschwätz – zerfleddert zehntausend Bände Dichtkunst, tausend Blüten aus dem Pinsel. Ich habe unrecht – dies ist wahrlich kein Tauschobjekt für Wein.
(Wirt lacht)
„Die Unsterblichen hinterlassen Jadepaletten, die hohen Minister lösen ihre Zobelkappen.“
(Liu Mengmei) Ihr sprecht von Zobelkappen und Jadepaletten – woher sollten die kommen? Eines Tages, wenn ich sie dem Kaiserhaus verkaufe, sind Zobelkappe und Jadepalette, das Buch – unbezahlbar. Ihr wisst noch nicht: Selbst eine tausend Goldstücke wertvolle Tochter heiratet ihn dennoch. Ist er erst ein hoher Minister, so huldigt man ihm dennoch.
(Wirt) Was soll man mit ihm anfangen?
(Liu Mengmei) Der Gelehrte setzt den Pinsel ein, um die Welt zu befrieden.
(Liu Mengmei) Kein Buch, kein Pinsel – taugt dieser Regenschirm etwas?
(Wirt) Was, wenn es regnet?
(Liu Mengmei) Morgen reise ich nicht weiter.
(Wirt) Wollt Ihr hier verhungern?
(Liu Mengmei lacht) Kennt Ihr den Beruhigungskommissar Du von Huaiyang?
(Wirt) Wer kennt ihn nicht! Morgen gibt es noch ein Friedensbankett.
(Liu Mengmei) Ich bin sein Schwiegersohn und komme, ihn zu besuchen.
(Wirt erschrickt) Zum Glück sagt Ihr das früh, Herr! Der Herr Du hat längst einen Anschlag erlassen.
(Liu Mengmei) Wo ist der Anschlag?
(Wirt) Ich werde ihn Euch zeigen. (Der Wirt bittet Liu Mengmei zu gehen) Lasst mich den Bündel und den Regenschirm tragen. (Sie gehen)
(Liu Mengmei) Wo ist der Anschlag?
(Wirt) Dort drüben!
(Liu Mengmei) Das ist eine Ermahnung an die Einwohner.
(Wirt) Eben. Seht nur!
Vorherige Melodie
„Müßiggang und Betrug sind verboten.“ Der Herr Du stammt aus Bazhou: „Von den drei Ba hierher gekommen, zehntausend Meilen die Heimat. Er lässt weder Neffen noch Söhne in sein Amt kommen, und niemals gab es freien Verkehr für Schwiegersöhne oder angeheiratete Verwandte.“ Dieser Satz gilt einzig Euch, Herr: „Sollte sich jemand als falscher Besucher ausgeben, so übergebt ihn der Ortsbehörde.“ Darunter steht von mir die Rede: „Wer ihn beherbergt, macht sich mitschuldig am Hauswirt. Daher muss dies mit Amtssiegel versehen werden. Rechts ausgegeben zur Kenntnis. Gegeben im 32. Jahr der Ära Jianyan, im 5. Monat, an einem bestimmten Tag.“ Seht, dahinter der große Namenszug des Du vom Beruhigungskommissariat. Darüber das Siegel: „Siegel des kaiserlich beauftragten Beruhigungskommissars für die Gegenden von Huai und Yang und zur Beaufsichtigung der Militärangelegenheiten, des Beruhigungskommissariats“, in leuchtendem Purpur. Herr, Herr, bleibt hier – ich, der Kleine, kehre zurück. „Jeder fege vor seiner eigenen Tür den Schnee, kümmere dich nicht um den Reif auf fremden Dächern.“ (Ab)
(Liu Mengmei weint) Meine Gattin, wie solltest du wissen, dass dein Gemahl hier so elend und ohne Ort zum Stehen ist! (Blickt in die Ferne) Ah, vor jenem Haus prangt ein großes goldenes Schriftzeichen – dort will ich einkehren. (Sieht) Vier Zeichen: „Tempel der Flusswäscherin“. Was soll das heißen, „Tempel der Flusswäscherin“? (Sieht) An der Mauer steht ein Gedicht: „Einst dachte der Weise an eine Mahlzeit, dies ist nun tausend Jahre her.“ Richtig – das ist die Wohltäterin des Marquis von Huaiyin aus der Vorzeit, Han Xin. Mir fällt ein: Dieser Han Xin war nur ein falscher König von Qi, und doch brachte ihm jemand eine Mahlzeit. Ich, Liu Mengmei, bin ein wahrer Gelehrter, und kann nicht einmal einen Becher kalten Wein bekommen! Dieser Flusswäscherin will ich tausendmal huldigen.
Nachtigall-Seidengewand-Robe (Er verbeugt sich)
Angelnd am Ende der Welt, der abgezehrte Prinz begegnete der Flussspülerin. Das Auge des Königs von Chu ist blind gegen diesen Herbstblick. Der Große Historiker rühmt sie, die Präfektur Huai'an opfert ihr – so wird eine Mahlzeit tausend Goldstücke wert. Seht, wie viele Frauen der Vorzeit scharfe Augen hatten: Der Herzog Wen von Jin bettelte um Speise, die Frau des Xi ehrte ihn; Wu Zixu bettelte am Zhao-Pass und traf die Seidenwäscherin. Ich klopfe dreitausendmal den Kopf. Die Nachtwache ertönt – ich schlafe eine Nacht im Korridor. Morgen früh warte ich, bis das Tor geöffnet wird. Ohne Wasser zum Waschen und Kämmen. (Sieht) Gut, es regnet.
Alte Geschichten kann man mit niemandem teilen. Han Yu
Nur die Flusswäscherin erkennt den Prinzen. Wang Zun
Am Tor des Feldherrnlagers verneigt sich der Gelehrte im zerrissenen Gewand. Liu Changqing
Lass nicht, dass Nässe die tränenvollen Spuren verwischt. Wei Xunmei
