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Buch von Shang

Pan Geng, Teil 1

Kapitel 18

Pan Geng verlegte zum fünften Mal die Hauptstadt. Er wollte Bo Yin regieren. Das Volk seufzte und grollte gegeneinander. Deshalb verfasste man die drei Kapitel des Pan Geng. (Dieser Satz fehlt im Originaltext.)

Pan Geng verlegte die Hauptstadt nach Yin. Das Volk gewöhnte sich nicht an den neuen Wohnort. Daher versammelte er zahlreiche vertraute Minister und sprach einen Eid: Unser Herrscher kam und ließ sich hier nieder. Er schätzt unser Volk und will nicht, dass wir völlig zugrunde gehen. Wenn wir einander nicht beistehen können, um zu überleben – selbst wenn wir durch Orakel prüfen, was könnte es dann nützen?

Die früheren Könige hatten Gesetze und Regeln; sie folgten ehrfürchtig und sorgsam dem Himmelsbefehl. Selbst so konnten sie nicht dauerhaft in Frieden bleiben, nicht lange in einer Stadt wohnen. Bis heute hat man bereits fünfmal die Hauptstadt verlegt. Wenn wir jetzt nicht dem Handeln der Alten folgen, so wissen wir nicht, ob der Himmel unser Schicksal beenden will – geschweige denn, dass wir sagen könnten, wir folgten den Werken der früheren Könige.

Wie ein umgestürzter Baum, der erneut zarte Sprossen treibt, so will der Himmel wohl in dieser neuen Stadt unser Schicksal fortsetzen, das große Erbe der früheren Könige wiederherstellen und fortführen und die vier Himmelsrichtungen befrieden.

Pan Geng belehrte das Volk. Beginnend bei den amtierenden hohen Beamten, ließ er die alten Gesetze befolgen und die Rechtsordnung geraderichten. Er sprach: Niemand wage es, die Ermahnungen der geringen Diener zu verbergen. Der König befahl, dass alle vor den Hof kommen.

Der König sprach so: Kommt, ihr alle! Ich verkünde euch meine Lehren. Ihr sollt eure selbstsüchtigen Herzen ablegen. Seid nicht hochmütig, ausschweifend und auf Bequemlichkeit bedacht.

Einst suchten auch unsere früheren Könige stets danach, alte Minister einzusetzen und gemeinsam die Staatsgeschäfte zu lenken. Der König erließ Regierungsbefehle und teilte sie ihnen mit; er ordnete die Regierung, ohne seine Absichten zu verbergen. Der König war darum äußerst respektvoll, es gab keine zügellosen Worte. Das Volk änderte sich dadurch von Grund auf. Jetzt aber schwatzt und lärmt ihr unaufhörlich, erhebt und glaubt gefährlichen und oberflächlichen Reden. Ich weiß nicht, worüber ihr streitet.

Nicht ich gebe von mir aus die Tugend auf, sondern ihr verbergt die Tugend und fürchtet mich Einzelnen nicht. Ich sehe es so klar wie ein Feuer, doch ich bin auch unbeholfen im Planen und habe so eure Zügellosigkeit verursacht.

Wie ein Netz am Grundtau hängt, geordnet und ohne Verwirrung; wie ein Bauer, der sein Feld bestellt, sich müht im Pflügen und dann Ernte erlangt –

wenn ihr eure selbstsüchtigen Herzen ablegen und dem Volk aufrichtige Wohltat erweisen könnt, bis hin zu Ehepartnern und Verwandten, dann erst wagt es, lauthals zu verkünden, ihr hättet angehäufte Tugend.

Wenn ihr euch nicht vor großem Unheil fürchtet, das fern und nah geschieht, und wie faule Bauern selbst der Bequemlichkeit frönt, nicht fleißig die Feldarbeit müht, die Äcker nicht bestellt, dann werdet ihr keine Hirse ernten.

Ihr verkündet dem Volk keine glückverheißenden Worte – das ist es, was euch selbst Unheil schafft. So bringt ihr Verderben, Unordnung, Verrat und Bosheit herbei und zieht damit selbst das Unglück auf euch. Da ihr bereits zuerst unter dem Volk Übles getan habt, müsst ihr nun das Leid ertragen. Wie könntet ihr es je bereuen? Seht doch selbst das geringe Volk: Es bedenkt noch mahnende Worte, auch wenn ihm beim Reden fehlerhafte Äußerungen entschlüpfen. Um wie viel mehr halte ich doch die Länge und Kürze eures Lebens in Händen! Warum sagt ihr es nicht mir, sondern wiegelt einander mit prahlerischen Reden auf? Ich fürchte, ihr werdet die Menge ins Verderben stürzen. Wie ein Feuer, das in der Wildnis brennt, dem man sich nicht nähern kann, das sich aber dennoch löschen lässt – so seid ihr es, die ihr selbst keine Ruhe findet, nicht dass ich einen Fehler begangen hätte.

Chi Ren hat gesagt: Beim Einsatz von Menschen suche man die alten Diener; bei Geräten suche man nicht die alten, sondern die neuen.

Einst teilten unsere früheren Könige und eure Großväter und Väter gemeinsam Ruhe und Mühsal. Wie wagte ich es, unangemessene Strafen anzuwenden? Von Generation zu Generation erwäge ich eure Verdienste. Ich verberge eure Vorzüge nicht. Wenn ich nun den früheren Königen ein großes Opfer darbringe, so werden eure Vorfahren gemeinsam die Opfergaben empfangen. Ob sie Segen oder Unheil senden – auch ich wage nicht, unangemessene Gnade walten zu lassen.

Ich verkünde euch die Schwierigkeit der Lage: Es ist wie beim Bogenschießen, wo man ein Ziel haben muss. Ihr sollt die Alten und Erfahrenen nicht gering schätzen, die Jungen und Schwachen nicht verachten. Ein jeder wohne auf Dauer in seiner Bleibe und strenge seine Kräfte an, um allein meinem Plan zu folgen.

Ob fern, ob nah – mit Strafen ahnde ich Verbrechen, mit Gnade zeichne ich gute Taten aus. Dass die Regierung des Staates gut ist, liegt an euch allen; dass die Regierung des Staates schlecht ist, bedeutet, dass ich allein in der Bestrafung versagt habe.

Ihr alle sollt einander dies mitteilen: Von heute an achte jeder ehrfürchtig auf seinen Dienst, ordne sein Amt und hüte seinen Mund. Die Strafe wird auf euch herabkommen, und ihr werdet es nicht bereuen können.