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Buch von Zhou

Der Große Eid, Teil 2

Kapitel 28

Am Tage Wuwu lagerte der König am nördlichen Ufer des Gelben Flusses. Die Fürsten aus allen Himmelsrichtungen versammelten sich vollzählig mit ihren Heeren. Der König musterte daraufhin die gesamte Streitmacht und sprach den Schwur.

Er sagte: „Ach! Ihr Scharen aus den westlichen Landen, hört alle auf meine Worte.

Ich habe gehört, dass ein tugendhafter Mensch Gutes tut und dabei meint, der Tag sei dafür noch zu kurz; ein boshafter Mensch tut Schlechtes und meint dabei ebenfalls, der Tag sei dafür noch zu kurz. Nun tut der König Shou von Shang mit aller Kraft Dinge, die gegen Gesetz und Maß verstoßen. Er verstößt und entfernt die alten, an Jahren und Tugend reichen Minister, er nähert sich gemeinen Verbrechern und verbündet sich mit ihnen. Er ergibt sich maßlosem Trunk und willkürlicher Grausamkeit. Seine untergebenen Beamten sind von ihm verdorben worden, sie rotten sich zu Cliquen zusammen, werden einander zu Feinden, reißen die Macht an sich und rotten sich gegenseitig aus. Die unschuldigen Menschen rufen klagend zum Himmel empor. Sein schmutziger Lebenswandel ist weithin bekannt und offenbar unter dem Himmel.

Der Himmel liebt das Volk dieser Welt; der Herrscher soll den Willen des Himmels achten. Einst vermochte Jie von Xia nicht, dem Willen des Himmels zu folgen, und verbreitete Unheil in den untergebenen Fürstenländern. Da gewährte der Himmel dem Chengtang Beistand und Auftrag und sandte die Weisung herab, das Mandat des Hauses Xia zu entziehen.

Die Verbrechen dieses Shou wiegen schwerer als die des Jie. Er hat die edelsten und besten Männer vertrieben und zugrunde gerichtet, er hat die ihm ratend und mahnend zur Seite stehenden Weisen grausam ermordet. Er behauptet, er selbst besitze das Mandat des Himmels; er behauptet, die Ehrfurcht vor den Geistern lohne nicht die Ausübung; er behauptet, die Opfer seien ohne Nutzen; er behauptet, die Ausübung von Gewalt bringe keinen Schaden. Sein warnendes Beispiel liegt nicht fern, es ist jener König Jie von Xia. Der Himmel will vielleicht durch mich das Volk regieren. Mein Traumgesicht stimmt mit meiner Orakelbefragung überein, und wiederholt haben sich glückverheißende Zeichen gezeigt: Der Feldzug gegen Shang muss gelingen.

Shou besitzt unzählige gewöhnliche Untertanen, doch sind sie ihm im Herzen und im Geist entfremdet. Ich besitze zehn ordnende Staatsmänner, die mit mir eines Herzens und eines Geistes sind. Mag er auch die nächsten Verwandten haben, so sind sie mir doch nicht gleich an gütigen und fähigen Menschen.

Das Sehen des Himmels geschieht durch unseres Volkes Sehen; das Hören des Himmels geschieht durch unseres Volkes Hören. Wenn das Volk Fehler begeht, so liegt die Verantwortung allein bei mir, dem Einen. Jetzt werde ich gewiss hingehen und ihn angreifen.

Unsere kriegerische Macht soll sich weithin entfalten, wir dringen ein in sein Gebiet und ergreifen jenen grausamen und gewalttätigen Tyrannen. Unser Strafzug soll daher in großem Maßstab durchgeführt werden; dies gereicht auch dem Werke Chengtangs zum Glanz.

Strengt euch an, ihr Männer! Niemand wage es, ohne Furcht und Sorgfalt zu sein. Haltet lieber daran fest, dass der Gegner uns nicht gewachsen sei. Das Volk ist jetzt von Furcht ergriffen, wenn sie uns huldigen und ihre Stirnen beugen, ist es, als brächen beim Einsturz eines Berges die Hörner der Tiere. Ach! Seid eines Herzens und eines Sinnes, errichtet und festigt euer Verdienst, nur so könnt ihr für ewige Zeiten Bestand haben.“