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Buch von Zhou

Keine Muße

Kapitel 43

Gong von Zhou verfasste die Schrift „Nicht der Muße frönen“. (Im Originaltext fehlt dieser Absatz.)

Gong von Zhou sprach: „Ach! Ein Edler, der auf seinem Platz steht, darf sich nicht der Muße hingeben.

Erst wenn er die Mühsal des Pflügens und Erntens kennt, kann er sich der Muße hingeben; dann wird er verstehen, worauf das kleine Volk sich stützt.

Sieh auf das kleine Volk: Seine Eltern mühen sich ab mit Pflügen und Ernten, doch ihr Sohn kennt die Mühsal des Pflügens und Erntens nicht; so gibt er sich der Muße und Zügellosigkeit hin, wird roh und unwissend, und das ist schon zu weit getrieben. Oder aber er verachtet seine Eltern und spricht: ‚Die Menschen von einst hatten keine Einsicht und kein Wissen.‘“

Gong von Zhou sprach: „Ach! Ich habe gehört: Einst war der Zhong Zong von Yin ehrfurchtsvoll und würdevoll, voller Achtsamkeit und Furcht; er band sich selbst gemäß dem Himmelsgebot, regierte das Volk mit Ehrerbietung und Furcht und wagte nicht, in Muße zu verfallen. Darum herrschte Zhong Zong fünfundsiebzig Jahre lang.

Dann kam der Gaozong von Yin: Er hatte einst in jungen Jahren draußen Mühsal erduldet und war mit dem kleinen Volk zusammen gewesen. Als er den Thron bestieg, unterstützte man ihn in der Trauerstille, und drei Jahre lang sprach er kein Wort. Obwohl er nicht sprach, war jedes Wort, sobald er es sprach, angemessen und recht; er wagte nicht, in Muße zu verfallen. Trefflich brachte er das Yin-Reich zur Ruhe, von den Großen bis zu den Kleinen gab es niemanden, der ihn hasste. Darum herrschte Gaozong neunundfünfzig Jahre lang.

Dann kam der Zu Jia von Yin: Er hätte eigentlich nicht König werden sollen, denn er hatte einst als gemeiner Mensch unter dem kleinen Volk gelebt. Als er den Thron bestieg, wusste er, worauf das kleine Volk sich stützt; er vermochte es zu schützen und dem ganzen Volk Wohltaten zu erweisen; er wagte nicht, Witwen und Witwer geringzuschätzen. Darum herrschte Zu Jia dreiunddreißig Jahre lang.

Seit jener Zeit waren die eingesetzten Könige von Geburt an der Muße verfallen; von Geburt an der Muße verfallen, kannten sie die Mühsal des Pflügens und Erntens nicht, hörten nichts von der Mühsal des kleinen Volkes und ergaben sich allein dem Genuss. Seit jener Zeit vermochte auch keiner mehr ein hohes Alter zu erreichen; mancher zehn Jahre, mancher sieben oder acht Jahre, mancher fünf oder sechs Jahre, mancher drei oder vier Jahre.

Gong von Zhou sprach: „Ach! Auch unser Zhou-König Tai Wang und König Ji Wang vermochten sich selbst zu bescheiden und Ehrfurcht zu wahren.

König Wen Wang trug schlichte Kleidung, nahte sich dem Werk des Friedens für das Volk und den Geschäften auf dem Feld.

Er war mild und gütig, würdevoll und ehrerbietig; er umsorgte und schützte das kleine Volk und erwies Gnade den Witwen und Waisen. Vom Morgen bis zum Nachmittag, wenn die Sonne sich neigte, hatte er keine Muße zum Essen, um die Zehntausend in Eintracht zu bringen.

König Wen Wang wagte nicht, sich der Jagd und dem Vergnügen hinzugeben, und nahm die Gaben der Vasallenstaaten nach rechtem Maß entgegen. König Wen Wang empfing den Himmelsauftrag in der Mitte seines Lebens, und er herrschte fünfzig Jahre lang.

Gong von Zhou sprach: „Ach! Von nun an sollten die nachfolgenden Könige sich nicht dem Schauen, der Muße, dem Vergnügen und der Jagd hingeben und doch die Gaben der Zehntausend nach rechtem Maß annehmen.

Sie sollen nicht in Eile sagen: ‚Heute wollen wir uns einen Augenblick dem Genuss hingeben.‘ Das ist nicht die Belehrung des Volkes, noch das, was der Himmel befürwortet. Ein solcher Mensch wird gewiss Fehler begehen. Sie sollen nicht sein wie der König Shou von Yin, der in Verblendung und Verwirrung dem Wein und dem lasterhaften Tun verfiel.

Gong von Zhou sprach: „Ach! Ich habe gehört: Die Menschen des Altertums ermahnten einander gegenseitig, schützten und erwiesen einander Wohltaten, belehrten einander, und niemand im Volk betrog oder heuchelte.

Wenn aber einer hier nicht gehorchte, so tadelten die Leute ihn; er aber verdrehte die rechten Strafgesetze der früheren Könige, von den kleinen bis zu den großen Dingen. Das Volk widersetzte sich ihm nicht nur im Herzen, sondern verfluchte ihn auch mit dem Munde.

Gong von Zhou sprach: „Ach! Von Zhong Zong von Yin über Gaozong und Zu Jia bis zu unserem König Wen Wang von Zhou – diese vier Männer verstanden es, die Menschen zur Klugheit zu führen.

Wenn jemand zu ihnen kam und sprach: ‚Das kleine Volk hasst dich und schmäht dich‘, so hüteten sie sich umso mehr, ihre Tugend zu wahren. Bei Verfehlungen sprachen sie: ‚Dies ist mein Fehler.‘ In der Tat, sie waren nicht nur so, dass sie nicht zürnten.

Wenn aber einer hier nicht gehorcht, so mag jemand kommen und heucheln und betrügen, indem er spricht: ‚Das kleine Volk hasst dich und schmäht dich‘, und er glaubt es. So aber denkt er nicht beständig an die Pflichten seines Herrschertums, weitet nicht sein Herz, bestraft Unschuldige willkürlich und tötet Schuldlose; so sammelt sich der Hass aller auf ihn.

Gong von Zhou sprach: „Ach! Die nachfolgenden Könige sollen dies als Warnung nehmen.“