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Buch der Lieder

Buch der Lieder

Das erste der Fünf Klassiker · Ursprung der chinesischen Dichtung

Das Buch der Lieder (Shijing) ist die älteste Gedichtsammlung Chinas und zählt zu den Fünf Klassikern des Konfuzianismus. Es umfasst 305 Gedichte aus der Zeit von der frühen Westlichen Zhou-Dynastie bis zur Mitte der Frühlings- und Herbstperiode und gliedert sich in drei Teile: Landeslieder (Feng), Hofgesänge (Ya) und Hymnen (Song). Es gilt nicht nur als Ursprung der chinesischen Dichtkunst, sondern auch als bedeutendes Dokument des antiken Zeremonialwesens, der Politik und des gesellschaftlichen Lebens. Konfuzius pries es mit den Worten ohne abwegige Gedanken und übte damit einen nachhaltigen Einfluss auf die spätere Lyrik und Literaturkritik aus.

Die Landeslieder sind überwiegend Volksweisen aus verschiedenen Regionen, die Liebe, Arbeit, Abschied und die Not des einfachen Volkes widerspiegeln. Die Hofgesänge unterteilen sich in Große Hofgesänge (Daya) und Kleine Hofgesänge (Xiaoya); sie bestehen vorwiegend aus höfischen Festliedern und politischen Anspielungen. Die Hymnen hingegen sind Gesänge für Ahnentempel und Opferrituale, die das Wirken der Vorfahren preisen. Die künstlerischen Mittel wie Darstellung (fu), Vergleich (bi) und assoziativer Auftakt (xing) – insbesondere die Tradition des bi xing – wurden zu grundlegenden Ausdrucksformen der chinesischen Lyrik. Berühmte Stücke wie Der Fischreiher, Das Schilfrohr, Die große Ratte und Der siebente Monat bestechen durch ihre elegante Sprache und tiefgründige Bildwelt und werden seit Generationen überliefert.

Das Buch der Lieder genoss in der Han-Dynastie innerhalb der klassischen Philologie höchstes Ansehen; die von Mao Heng und Mao Chang überlieferte Fassung, der Mao-Kommentar, fand die weiteste Verbreitung, und Zheng Xuan verfasste dazu eine einflussreiche Glosse. Gelehrte aller Epochen haben das Werk aus den Perspektiven der Philologie, Phonetik, Sachkunde und Geschichte erforscht und so die umfangreiche akademische Tradition der Shijing-Studien begründet. Zusammen mit den Elegien von Chu (Chuci) bildet das Buch der Lieder die beiden großen Quellen des chinesischen Realismus und der Romantik.

Als eines der musikalisch und lebensnahsten klassischen Werke der chinesischen Kultur bewahrt das Buch der Lieder die emotionale Struktur und die Schönheit der Sprache der frühen Gesellschaft. Wer es liest, gelangt an den Ursprung der chinesischen Dichtung und erfährt die aufrichtigen Äußerungen der Menschen der Antike zu Liebe, Arbeit, Gerechtigkeit und Schicksal.