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Landesweisen (Guofeng)

Der treulose Mann

Kapitel 58

Meng

Vorwort: Das Gedicht „Meng“ dient dazu, die damalige Zeit zu tadeln. Zur Zeit des Herzogs Xuan von Wei verfielen die Sitten und die Riten, ein ausschweifender Lebensstil breitete sich aus, und zwischen Männern und Frauen gab es keine Trennung mehr, sodass sie einander heimlich nachliefen und verführten. Als die Frauen dann alterten und ihre Schönheit verblasste, wurden sie voneinander getrennt und verstoßen. Manche gerieten dadurch in Not, bereuten es selbst und verloren ihren Ehepartner. Daher wurde dieser Vorfall aufgezeichnet, um die Menschen zu ermahnen. Es preist diejenigen, die sich bessern, und verurteilt das zügellose und ausschweifende Verhalten.

Jener Mann schien treuherzig,

Mit Tuch in der Hand kam er, um Seide zu tauschen.

Doch nicht wirklich zum Tauschen kam er,

Sondern um mit mir die Heirat zu besprechen.

Ich begleitete dich über den Qi-Fluss,

Bis nach Dunqiu.

Nicht ich zögerte die Hochzeit hinaus,

Sondern du hattest keinen guten Brautwerber geschickt.

Bitte sei nicht zornig,

Und setze den Herbst als Hochzeitstermin fest.

Ich stieg auf die verfallene Stadtmauer,

Um nach Fuguan Ausschau zu halten.

Sah ich Fuguan nicht,

Flossen meine Tränen unaufhörlich.

Erblickte ich endlich Fuguan,

Da lachte und redete ich wieder.

Du ließest die Schildkröte weissagen und die Schafgarbe befragen,

Die Orakelzeichen waren alle günstig.

Du kamst mit dem Wagen gefahren,

Und nahmst meine Mitgift mit.

Als der Maulbeerbaum noch nicht seine Blätter verlor,

Waren sie saftig und üppig.

Ach, du Turteltaube,

Friss nicht zu viele Maulbeeren!

Ach, du Mädchen,

Gib dich nicht allzu sehr der Liebe hin!

Ein Mann kann sich in der Liebe verlieren,

Und doch wieder davonkommen.

Ein Mädchen aber, das sich in der Liebe verliert,

Kann sich nicht mehr befreien.

Als der Maulbeerbaum seine Blätter verlor,

Wurden sie welk und fielen herab.

Seit ich in dein Haus heiratete,

Lebte ich Jahre in Armut und Not.

Der Qi-Fluss wogte und wallte,

Und netzte die Vorhänge des Wagens.

Die Frau hatte kein Verschulden,

Der Mann aber änderte seinen Sinn.

Des Mannes Herz hat kein Maß,

Er ist unbeständig und wankelmütig.

Lange Jahre war ich deine Frau,

Keine Mühe im Haushalt blieb ungetan.

Früh stand ich auf, spät ging ich schlafen,

Kein Tag verging anders.

Als dein Wunsch erfüllt war,

Wurdest du grob zu mir.

Meine Brüder wissen nichts von meiner Lage,

Und spotten meiner noch dazu.

Wenn ich still in mich gehe,

Kann ich nur einsam trauern.

Einst dachte ich, mit dir gemeinsam zu altern,

Doch nun macht mir dieses Altern nur Groll.

Der Qi-Fluss, so breit er ist, hat ein Ufer,

Der Sumpf, so weit er ist, hat ein Ende.

In der Jugend spielten wir zusammen,

Lachten und scherzten, heiter und friedlich.

Wie aufrichtig waren einst die Schwüre,

Dass du deinen Sinn ändern würdest, hätte ich nicht gedacht.

Da du nun deinen Eid brichst und nicht mehr an Früheres denkst,

Mag es so sein – genug damit!

„Meng“ hat sechs Strophen, jede Strophe zehn Verse.