Lied von Yan (Gao Shi: Lied von Yan, mit Vorwort)
Im 26. Jahr der Ära Kaiyuan kehrte ein Gast, der Feldherrn Zhang, dem kaiserlichen Zensor (auch als „Oberbefehlshaber“ bekannt), auf einem Feldzug jenseits der Pässe begleitet hatte, zurück. Er zeigte mir ein Gedicht mit dem Titel „Lied von Yan“. Von den Strapazen des Kriegsdienstes an der Grenze bewegt, verfasste ich dieses Gedicht als Antwort.
Im Nordosten (auch „Nordwesten“) der Han-Dynastie loderten die Signalfeuer auf; ein Han-General verließ die Heimat, um die Feinde zu vernichten. Ein Mann sollte von Natur aus über die Steppen jagen; der Himmelssohn erwies ihm besondere Gunst und Gnade. Gongs und Trommeln ertönen, das Heer zieht zum Yü-Pass, Banner schlängeln sich endlos am Jieshi-Gebirge entlang. Eilbefehle des Majors durchfliegen die endlose Wüste; das Jagdfeuer des Chanyu erleuchtet den Wolfenberg.
Die Berge und Flüsse erstrecken sich kahl bis ans Ende der Grenzmarken; die Reiter der Hu stürmen heran, Sturm und Regen gleich. Vor der Front ist der Soldaten Tod und Leben ungewiss; im Zelt des Feldherrn aber singen und tanzen noch die Schönen. Im tiefen Herbst verdorrt das Gras in der Wüste der Grenzmarken; unter der einsamen Sonne der Festung werden die Kämpfer immer weniger. Durch kaiserliche Gunst verachtet man oft den Feind; doch die Kräfte schwinden, die Belagerung der Pässe und Berge nicht zu lösen.
Lang ist die Mühsal des Kriegszugs in Eisenrüstung fern der Heimat; die Gattin daheim vergießt wohl Tränen, die wie Perlen rinnen. Die junge Frau südlich der Stadt hat ihr Herz in Trauer zerrissen; der Krieger nördlich von Ji schaut vergeblich zurück. Die Stürme der Grenze – wie könnte man sie überwinden? Die endlose Ödnis – was gibt es dort noch? Täglich (auch „die ganze Jahreszeit über“) ballt sich der mörderische Dunst zu Kriegswolken; in der kalten Nacht (auch „im kalten Wind“) erklingt die ganze Nacht die hölzerne Nachtwache. Seht einander an: Blutstropfen (auch „Schneeflocken“ oder „weißes Weiß“) rieseln von den weißen Klingen; wer für die Treue stirbt, hat sich je um Verdienste gekümmert? Seht ihr nicht die Bitternis des Kampfes auf dem Sandfeld? Noch heute gedenkt man des Generals Li.
