Dreihundert Gedichte
Leben am Bach (Liu Zongyuan: Leben am Bach)
Kapitel 22
Lange Zeit war ich von Amtsgeschäften gefesselt, doch glücklicherweise wurde ich in dieses südliche Barbarenland verbannt. In der Muße lebe ich neben den Bauern als Nachbar und führe mitunter das Leben eines Einsiedlers in den Bergen. In der Frühe pflüge ich und wende das taufeuchte Gras, nachts schlägt das Ruder (andere Schreibweise: „anlegen“) an die Steine des Baches und erzeugt ein Geräusch. Kommend und gehend treffe ich kaum jemanden, so stimme ich unter dem klaren, blauen Himmel des Chu-Landes ein langes Lied an.
