Dreihundert Gedichte
Das Gehöft am Wei-Fluss (Wang Wei: Das Gehöft am Wei-Fluss)
Kapitel 6
Die untergehende Sonne bescheint das Dorf, in den tiefen Gassen kehren die Rinder und Schafe heim.
Der alte Mann im Dorf denkt an den Hirtenjungen, lehnt auf seinen Stock gestützt am Holztor und wartet.
Der Fasan ruft, die Weizenspelzen treiben aus und blühen, die Seidenraupen ruhen, die Maulbeerblätter sind schon spärlich.
Ein Bauer kommt mit der Hacke auf der Schulter zurück, beim Begegnen verweilen sie in vertraulichen Gesprächen.
Beim Anblick dieser müßigen und friedlichen Szene ergreift mich Wehmut, und ich stimme das Lied „Shi Wei“ an.
