Dreihundert Gedichte
Lied an der Grenze (Die Pferde trinken und überqueren den Herbstfluss) (Wang Changling: Lied an der Grenze, Teil 2)
Kapitel 67
Die Pferde werden getränkt, den Herbstfluss durchschritten,
Das Wasser beißend kalt, der Herbstwind wie ein Messer.
Auf flachem Sand steht noch die Sonne nicht gesunken,
Im Dämmerlicht wird Lin Tao nur schemenhaft sichtbar.
Einst – so heißt es – an der Langen Mauer (auch: Drachenschanze) tobte jene Schlacht,
Da war der Krieger Mut und Stolz, so sagt man, ungemein.
Gelber Wüstensand (auch: sickerndes Wasser, auch: es ist) seit alters her durchweht die Stätte,
Weiße Gebeine liegen wirr verstreut im Wermut und Gesträuch.
(Dieses Gedicht trägt auch den Titel „Blick auf Lin Tao“.)
