Gesang auf Xi Shi (Wang Wei: Gesang auf Xi Shi)
Die strahlende Schönheit wird von aller Welt geschätzt – wie könnte Xi Shi für immer in niederem Stand verweilen? Am Morgen war sie noch am Yue-Flussufer eine Seidenwäscherin, am Abend schon zur Gemahlin im Wu-Königspalast erhoben. In ihrer Armut – war sie da etwa anders als die anderen? Erst im Glanz der Reichtums erkennt man, wie einzigartig sie ist. Man lässt sie mit wohlriechendem Puder bestreuen, selbst muss sie keine Seidengewänder mehr anrühren. Die Gunst des Herrschers macht sie noch anmutiger, seine Zuneigung hüllt sie in Gleichgültigkeit gegenüber Gut und Böse. Die einstigen Waschgefährtinnen von damals – keine von ihnen kann mit ihr im selben Wagen heimkehren. Sage es dem Mädchen aus dem Nachbarhaus: Was nützt es, blindlings die gerunzelte Braue nachzuahmen, um dieselbe Huld zu erlangen?
