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Dreihundert Gedichte

Die Ballade von Chang’an (Mein Haar bedeckte kaum die Stirn) (Li Bai, ‚Die Ballade von Chang’an‘)

Kapitel 84

Mein Haar bedeckte gerade erst die Stirn,

da pflückte ich vor der Tür Blumen zum Spielen.

Du kamst auf einem Bambuspferd herbeigerannt

und warfst grüne Pflaumen um den Brunnenrand.

Wir wohnten gemeinsam in Changganli,

von Kindheit an arglos und ohne jeden Argwohn.

Mit vierzehn Jahren nahm ich dich zum Mann,

aus Scham habe ich nie ein Lächeln gezeigt.

Stets senkte ich den Kopf zur dunklen Wand,

und riefst du mich tausendmal, wandte ich mich kein einziges Mal um.

Mit fünfzehn erst entspannte sich meine Stirn,

ich wünschte, wie Staub und Erde für immer mit dir vereint zu sein.

Stets trug ich Treue im Herzen wie Weisheng, der die Säule umklammerte,

wie hätte ich mich auf den Wartehügel begeben können?

Mit sechzehn zogst du in die Ferne,

hin zum Yanyu-Haufen der Qutang-Schlucht.

Im fünften Monat ist die Strömung reißend und unberührbar,

die Klagerufe der Affen an beiden Ufern durchdringen den Himmel.

Vor der Tür deine einstigen Fußspuren

sind alle mit Moos bedeckt.

Das Moos ist tief und nicht zu fegen,

die Blätter fallen wirr, der Herbstwind kommt zu früh.

Im achten Monat flattern Schmetterlinge herbei,

paarweise umschwirren sie das Gras im Westgarten.

Dieser Anblick schmerzt mein Herz,

ich sitze und gräme mich, meine Jugend schwindet dahin.

Wann wirst du aus Sanba zurückkehren?

Schick mir vorab einen Brief nach Hause.

Dich zu empfangen, fürchte ich keine weite Reise,

selbst bis zum Ort Changfengsha.