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Band 1, Erster Teil

Dritte Szene: Lärm um Ding

Kapitel 10

Dritte Szene: Der Aufruhr im Tempel

(Zweiter Chargenspieler und Clown treten als Tempelaufseher auf)

(Zweiter) Opfergeräte aus dem Familienbesitz, wir sind die Aufseher.

(Clown) Großvater.

(Zweiter) Für jeden Altar gibt es ein Inventarbuch der Opfergefäße.

(Clown) Nachzählen.

(Zweiter) Am ersten und fünfzehnten öffnen wir die Türen und zünden Kerzen an.

(Clown) Den Weg kehren.

(Zweiter) Kniend den Rektor empfangen, früh in die Behörde kommen.

(Clown) Nichts versäumen.

(Clown) Warum redest du nur so entwürdigendes Zeug?

(Zweiter) Wenn du es besser kannst, dann sprich du.

(Clown) Viermal im Jahr Getreide vom Schatzamt holen.

(Zweiter) Mit Reichtum prahlen.

(Clown) Die ganze Familie wohnt hinter roten Mauern und grünen Ziegeln.

(Zweiter) Eine Frau nehmen.

(Clown) Trockenes Brennholz nur mit einer Säge.

(Zweiter) Bäume stehlen.

(Clown) Das ganze Jahr über kein Fasten.

(Zweiter) Opferfleisch pökeln.

(Clown) Pfui! Deine Antworten taugen nichts, am Ende zeigst du doch dein wahres Gesicht.

(Sie lachen gemeinsam)

Wir sind die Tempelaufseher der Reichsakademie Nanjing. Nach sechs Monaten mühsamen Wartens ist heute wieder der Frühlings-Tag des Ding-Zyklus. Das Opferamt hat die Opfergaben bereits geliefert. Lasst mich sie aufstellen.

(Sie stellen Tische auf)

(Zweiter) Kastanien, rote Datteln, Wasserlilienkerne, Wassernüsse, Haselnüsse.

(Clown) Rind, Schaf, Schwein, Hase, Hirsch.

(Zweiter) Fisch, Sellerie, Senfkohl, Bambussprossen, Schnittlauch.

(Clown) Salz, Wein, Räucherwerk, Seide, Kerzen.

(Zweiter) Kein einziges Stück fehlt. Passt gut auf, dass die Zeremonienmeister nichts stibitzen und uns Unglück bringen.

(Dritter Chargenspieler, als alter Zeremonienmeister, tritt unauffällig auf)

(Clown) Pfui! Wenn ihr Aufseher nicht selbst stehlen würdet, reichte es. Aber ihr schiebt es auf uns.

(Zweiter, die Hände faltend) Verzeihung, Verzeihung! Ich meinte jene schamlosen Herren Gelehrten. Ihr, alter Herr, seid ein Ehrenmann, wie könntet ihr stehlen.

(Dritter) Genug der Nebensächlichkeiten. Der Himmel wird hell, es ist Zeit. Zündet überall die Kerzen und das Räucherwerk an.

(Clown) Jawohl.

(Sie gehen durcheinander ab)

Puderfalter

(Außendarsteller, mit Hut, Amtsrobe und Zeremonientafel, tritt als Rektor auf)

Wacholder und Zypressen hüllen den Rauch ein, auf beiden Stufen die roten Kerzen frisch geschnitten. Harfen und Gesang sind aufgestellt, in der Halle hängen die Palastinstrumente. Die Becher und Seidenstoffe werden gereicht, die Opfertiere und der Wein dargebracht, die duftenden Kräuter bereits geopfert.

(Schlussdarsteller, mit Hut, Amtsrobe und Zeremonientafel, tritt als Prorektor auf)

Die Reihen sind geordnet, ehrerbietig begleiten wir die Opferzeremonie im südlichen Pavillon.

(Außen) Ich bin der Rektor der Reichsakademie Nanjing.

(Schluss) Ich bin der Prorektor. Nun ist der Ding-Tag im Konfuziustempel. Der Sitte entsprechend muss die Opferzeremonie stattfinden.

(Sie stellen sich getrennt auf)

Vier-Gärten-Frühling

(Junger Darsteller in Gelehrtenkleidung, tritt als Wu Yingqi auf)

Die Trommeln am Pfeiler dröhnen, der Himmel wird hell. Die Schüler folgen einander vor dem Aprikosenpavillon.

(Vier Chargendarsteller treten als Studenten auf)

In Scharen drängen sich Riten und Musik um die Dreitausend, die zehntausend Fuß hohe Mauer ehrt die Heiligen Weisen.

(Zweiter Chargenspieler mit Vollbart, Hut und Amtsrobe, tritt als Ruan Dacheng auf)

Das schamvolle Antlitz gewaschen, mischt er sich unter die Opfergesellschaft.

(Junger) Ich, Wu Yingqi, habe mich mit Yang Weidou, Liu Bozong, Shen Kuntong und Shen Meisheng, den Herren der Gesellschaft, verabredet, gemeinsam an der Opferzeremonie teilzunehmen.

(Vier Chargen) Bruder Ciwei ist schon lange da. Lasst uns der Reihe nach Aufstellung nehmen.

(Zweiter, das Gesicht verbergend) Ich, Ruan Dacheng, halte mich müßig in Nanjing auf und komme, um das große Fest zu sehen.

(Er stellt sich in die vordere Reihe)

(Dritter tritt auf und singt die Zeremonie) Aufstellung nehmen. Die Reihen sind geschlossen. Verbeugung. Niederwerfung, erhebt euch. Niederwerfung, erhebt euch. Niederwerfung, erhebt euch.

(Alle verneigen sich viermal gemäß der Zeremonie)

Weinendes Antlitz

(Alle) Auf hundert Fuß hohen, smaragdgrünen Gipfeln, blicken wir empor zur kaiserlichen Inschrift auf goldener Tafel. Der reine Meister sitzt aufrecht, Yan und Zeng, die vier Weisen, thronen mit Kronen. Die Begrüßungsmusik für die Geister ertönt, am roten Vorplatz entfalten wir einhellig die Roben und Tafeln. Lesen wir die Schriften, schämen wir uns nicht vor der Akademie, in Ehrfurcht vor dem allgegenwärtigen Geist des Heiligen.

(Nach der Verbeugung stehen sie auf)

(Dritter singt) Die Seide verbrennen. Die Zeremonie ist beendet.

(Alle begrüßen sich mit Verbeugungen)

Vorhergehende Melodie

(Außen, Schluss) Nach Norden gerichtet, Schulter an Schulter mit den Ministern, gemeinsam vollziehen wir die ehrenvolle Zeremonie des Frühlings-Ding; eilends mit klirrenden Jadeanhängern, drehen sich die Reihen der Beamten wie Kraniche und Reiher.

(Junger usw.) Die Opferschalen und -teller reichend, sind die Schüler von Lu alle auserlesene Talente.

(Zweiter) Erfreut über den müßigen Posten in der verbleibenden Hauptstadt, beklage ich die Muße der verbannten berühmten Gelehrten.

(Außen und Schluss ab)

(Zweiter verneigt sich mit gefalteten Händen)

(Junger sieht erschrocken hin und fragt) Du bist Ruan, der Bart? Wie kommst du dazu, an der Opferzeremonie teilzunehmen? Du beleidigst den Heiligen Meister und besudelst die Gelehrsamkeit.

(Ruft) Hinaus! Sofort hinaus!

(Zweiter, wütend) Ich bin ein angesehener Doktor, ein berühmter Gelehrter. Welches Verbrechen habe ich begangen, dass man mir die Teilnahme an der Opferzeremonie verwehrt?

(Junger) Deine Verbrechen sind im ganzen Reich bekannt. Du hast dein Gesicht verloren und dein Gewissen erstickt, und wagst es noch, den Tempel zu betreten! Hat etwa die vor kurzem veröffentlichte Anklageschrift zur Verhinderung des Aufruhrs nicht deine Krankheit getroffen?

(Zweiter) Gerade um mein Herz und meine Absichten zu offenbaren, komme ich zur Opferzeremonie.

(Junger) Dein Herz und deine Absichten, lass mich sie für dich aussprechen:

Tausend Herbste

Ein Sohn des Wei-Clans, auch ein Sohn des Ke-Clans, überall das Wort „Sohn“ unvermeidlich. Gleichen Geistes mit Cui und Tian, gleichen Geistes mit Cui und Tian, hitzige Brüder, die um des Kotes Genuss und der Geschwüre Lecken wetteifern. In der Osthalle Pfeile abgeschossen, in der Westfabrik lange Fäden gezogen, wie sollte man der Leute Augen täuschen?

(Alle) Lacht über die schmelzenden Eisberge, die eisernen Säulen stürzen um.

(Zweiter) Ihr Herren nehmt meine bittere Not nicht zur Kenntnis und überschüttet mich mit Schmähungen. Woher wisst ihr, dass ich, Ruan Yuanhai, ein Schüler des Herrn Zhao Zhongyi war? Zur Zeit, als die Wei-Partei tyrannisch wütete, war ich in Trauer und trat nicht hervor. Wem habe ich je ein Leid zugefügt? Woher kommen all diese Reden?

Vorhergehende Melodie

Ein Unrecht wie fallender Reif, nicht wie ein Unrecht im schwarzen Becken, Stück für Stück aus dem Nichts erfunden und aufgebauscht. Ich kannte Zhongxian, ich kannte Zhongxian, um Zhou und Wei zu retten, nahm ich den guten Namen und die Würde, um mich bereitwillig erniedrigen zu lassen. Der Vorgänger Kang Duishan, um Li Kongtong zu retten, begab sich in die Fänge des Liu Jin. Meine zeitweilige Unterwerfung diente einzig den Herren der Osthalle. Wie könnt ihr mich dafür tadeln? Die „Rätsel der Frühlingslaterne“ hat jeder gesehen, die „Zehn Verwechslungen“ hat niemand richtiggestellt, alle beschuldigen mich.

(Zeigt auf sie) Ich hasse diese leichtfertigen Emporkömmlinge, die auch freche Reden von sich geben!

(Junger) Gut geschimpft, gut geschimpft!

(Alle) Ein Mensch wie du wagt es, im Konfuziustempel öffentlich zu schimpfen? Das ist ja die reinste Rebellion!

(Dritter schreit ebenfalls) Rebellion! Rebellion! Lasst mich, den alten Zeremonienmeister, diesen Parteigänger der Verräter schlagen!

(Er schlägt ihn)

(Junger) Schlagt ihm ins Maul, reißt ihm die Haare aus!

(Alle zerren an seinem Bart, zeigen auf ihn und schimpfen)

Umso besser

Verschmittene Eunuchen, Verschnittene Eunuchen, wie kannst du es wagen, den Konfuzius zu verehren! Schändliches und niederträchtiges Benehmen, besudelt die Akademie, beschämt die Reihen der Gelehrten. Schnell lasst uns die Trommel schlagen und ihn unter unseren Leuten vertreiben; verbannt ihn in die Wildnis, nicht in denselben Bezirk mit uns, werft ihn den Tigern und Wölfen vor, nur als müßiges Schwein oder Hund.

(Zweiter) Gut geschlagen! Gut geschlagen!

(Zeigt auf Dritten) Selbst du, alter Zeremonienmeister, schlägst mich nun!

(Dritter) Ich, der alte Zeremonienmeister, schlage dich erst recht für dein „Wissen und Harmonie“.

(Zweiter, seinen Bart betrachtend) Man hat mir den gesamten Bart ausgerissen! Wie soll ich mich da noch sehen lassen? Unerhört!

(Er läuft eilig davon)

Roter Stickereischuh

Schwer zu ertragen die Schläge auf die Hühnerbrust, Schläge, Schläge. Grundlos Arm gebrochen und Lenden gestürzt, Lenden gestürzt. Eilig fliehen, nicht verweilen.

(Er geht ab)

(Junger)(Alle) Scheidet das Falsche vom Rechten, unterscheidet die Verräter von den Tugendhaften, die Liste der Parteigänger ist hart wie Eisen.

Epilog

Einst war ihre Macht und ihr Übermut himmelerschütternd, heute ist ihre Flucht und ihr Elend bemitleidenswert. Die Gelehrtenmütze zerschlagen, daheim sollten sie Pinsel und Tusche verbrennen.

(Junger) Diese Tat heute rächt die Schmach der Osthalle und bringt der Akademie Nanjing Glanz. Welch erfrischende Sache! In Zukunft lasst uns alle Mühe geben und nicht mehr zulassen, dass solche Leute den Kopf erheben.

(Alle) Ja, ja!

(Alle) Eine erhabene gerechte Tat vor dem Heiligen Tor.

(Junger) Schwarz und Weiß, man muss um den ersten Zug streiten.

(Alle) Nur fürchte ich, dass Sieg und Niederlage ungewiss sind.

(Junger) Die Ordnung kommt von den Menschen, das Chaos vom Himmel.