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Band 1, Erster Teil

Sechste Szene: Im Duft schlafen

Kapitel 13

Sechste Szene: Duftender Schlaf

[Lin Jiang Xian] (Die kleine Schauspielerin betritt in starkem Make-up die Bühne) Kurzes Frühlingsgewand mit doppelt aufgerollten Ärmeln, die Zither stimmend inmitten der Blumen im verworrenen Pavillon. Heute werden die bestickten Vorhanghaken ganz gelöst, damit die goldenen Weidenzweige das Magnolienboot nicht verdecken.

Ich, Li Zhenli, bin nur wegen meiner Tochter Xiangjun, die das Alter der entblätterten Melone erreicht hat, und für die Kamm-Zeremonie (Anm.: die erste Kundenaufnahme einer Prostituierten) noch niemand gefunden hat, Tag und Nacht in Sorge. Dank Yang Longyou, der für unser Haus einen vornehmen Gelehrten aus angesehener Familie angeworben hat, eben jenen Hou Chaozong, der neulich beim Trinken zugegen war, dessen Familienvermögen und literarischer Ruhm gleichermaßen als die Ersten gelten. Heute ist der glückverheißende Tag des "Aufsteckens" (Anm.: der glückverheißende Tag der Kamm-Zeremonie). Ein großes Bankett wird ausgerichtet, viele Musikanten sind versammelt, die Gastkünstler sind alle gekommen, die Schwestern sind vollzählig, welch eine Mühe. (Rufend) Wo ist der Diener? (Ein als Diener verkleideter Schauspieler tritt fächelnd und langsam auf) Vor dem Bankett unterhaltsame Worte einfließen lassen, unter den Blumen Liebeslaute vernehmen. Mutter, wohin befiehlt ihr den Diener, Kissen und Decke zu bringen? (Die kleine Schauspielerin schimpft zornig) Pah! Heute ist der Aufsteck-Tag der Schwester Xiang, der vornehme Gast wird gleich kommen, und du träumst noch immer. Rolle schnell die Vorhänge auf, fege den Boden und richte die Tische und Stühle her. (Der Diener) Jawohl. (Die kleine Schauspielerin weist an, die Plätze zu ordnen)

[Yi Zhi Hua] (Der Hauptdarsteller tritt in neuer Kleidung auf) Die Pfirsichblüten im Garten sind rot wie Stickerei, prächtiger noch als der Wein der Wenjun; der Wandschirm entfaltet goldene Pfauen, umschließt die Frühlingsstunden. Die goldene Schale ist gespült, der duftende Räuchertier ist entzündet. Diese Schenkende am Ofen mit roten Ärmeln, wer ist die Sanfteste? Ziehe sie herbei, damit der Xiangru sie genieße.

Ich, der untergeordnete Beamte Yang Wencong, bin von Yuanhai (Anm.: Ruan Dacheng) beauftragt, die Geschenke zur Kamm-Zeremonie zu überbringen. (Rufend) Wo ist die Mutter Zhen? (Die kleine Schauspielerin begrüßt ihn) Vielen Dank für die Vermittlung (Anm.: die Heiratsvermittlung), das Freudenbankett ist bereits vollständig bereitet. (Fragend) Wie kommt es, dass der vornehme Herr noch nicht eingetroffen ist? (Der Hauptdarsteller) Er wird wohl gleich kommen. (Lachend) Ich, der untergeordnete Beamte, habe einige Kästchen und Behälter vorbereitet, um Xiangjuns Schmuck zu ergänzen. Lasst sie hereintragen! (Der Diener trägt Kästchen, Kopfschmuck und Kleidungsstücke auf) (Der Hauptdarsteller befiehlt) Tragt sie in die Brautkammer und richtet alles ordentlich her! (Der Diener gehorcht und geht ab) (Die kleine Schauspielerin bedankt sich erfreut) Wie könnt Ihr solche Ausgaben machen? Vielen Dank, Herr! (Der Hauptdarsteller zieht Silberstücke aus dem Ärmel) Hier sind noch dreißig Silbertael für das Bankett, übergebt sie der Küche; alle Speisen und Getränke sollen üppig sein. (Die kleine Schauspielerin) Das ist noch mehr, als ich verdienen kann. (Rufend) Xiangjun, komm schnell! (Die Schauspielerin tritt in prächtigem Make-up auf) (Die kleine Schauspielerin) Herr Yang hat viele Dinge geschenkt, tritt vor und dank ihm. (Die Schauspielerin dankt ihm mit einer Verbeugung) (Der Hauptdarsteller) Eine geringfügige Aufmerksamkeit, wie wagte ich Dank dafür zu empfangen? Bitte kehrt zurück, bitte kehrt zurück. (Die Schauspielerin geht ab) (Der Diener tritt hastig auf und meldet) Der neue vornehme Herr ist am Tor angekommen. (Der Student tritt in prächtiger Kleidung mit Gefolge auf) Obwohl kein Gast aus himmlischer Prüfungshalle, bin ich doch einer aus dem Mondpalast. (Der Hauptdarsteller und die kleine Schauspielerin empfangen ihn und begrüßen ihn) (Der Hauptdarsteller) Glückwunsch, Herr Vetter, dass Ihr eine Schöne aus Pingkang (Anm.: Bordell) erlangt habt; ich, Euer geringer Bruder, habe nichts, um mich zu ehren, habe nur notdürftig eine Aussteuer besorgt, ein grobes Mahl bereitet, um die Freuden einer Nacht zu unterstützen. (Der Student verneigt sich) Ich bin übermäßig mit Eurer Fürsorge bedacht, wie wagte ich dies zu verdienen? (Die kleine Schauspielerin) Bitte, setzt Euch, reicht den Tee. (Alle setzen sich) (Der Diener bringt Tee, sie trinken) (Der Hauptdarsteller) Ist das ganze Freudenbankett vollständig vorbereitet? (Die kleine Schauspielerin) Dank der Gnade des Herrn, alles ist vollkommen. (Der Hauptdarsteller verneigt sich vor dem Studenten) Heute ist der glückverheißende Tag, ich, der geringe Bruder, wage nicht, mich einzudrängen, ich nehme hiermit Abschied und komme morgen früh, um meine Glückwünsche darzubringen. (Der Student) Warum setzt Ihr Euch nicht zu uns? (Der Hauptdarsteller) Es ziemt sich nicht, es ziemt sich nicht. (Er verabschiedet sich und geht ab) (Der Diener) Bitte, neuer Herr, kleidet Euch um. (Der Student wechselt die Kleidung) (Die kleine Schauspielerin) Ich kann nicht länger Gesellschaft leisten, ich werde dem Herrn helfen, die Braut zu schmücken und den Hochzeitswein zu bereiten. (Sie verabschiedet sich und geht ab) (Der Nebendarsteller, der Außendarsteller und der Hauptdarsteller treten auf, drei Gastkünstler) Ein Leben voller Blumen und Mond, Zhang Sanying; fünf Worte der Töne und Klänge, Li Erhong. (Nebendarsteller) Ich, Ding Jizhi. (Außendarsteller) Ich, Shen Gongxian. (Hauptdarsteller) Ich, Zhang Yanzhu. (Nebendarsteller) Heute essen wir beim Hochzeitsbankett des Herrn Hou, also sind wir früh gekommen. (Hauptdarsteller) Ich frage mich, welche berühmten Sängerinnen (Anm.: Sängerinnen/Prostituierte) eingeladen sind, uns zu unterhalten. (Außendarsteller) Es heißt, es seien einige alte Hasen aus dem Alten Hof (Anm.: das Bordellviertel in Nanjing). (Hauptdarsteller) Die habe ich alle schon gekämmt. (Nebendarsteller) Wie viel Vermögen hast du, dass du so viele gekämmt hast? (Hauptdarsteller) Jeder hat seine Helfer. Seht ihr heute Herrn Hou, hat der auch nur einen Pfennig ausgegeben? (Außendarsteller) Redet nicht so viel, Herr Hou legt drinnen seine Kleidung zurecht, lasst uns gehen und uns verbeugen. (Alle verbeugen sich vor dem Studenten) (Alle) Glückwunsch, Glückwunsch! (Der Student) Heute lebe ich von Eurer Gunst. (Die kleine Schauspielerin, die alte Schauspielerin und die hässliche Schauspielerin treten auf, drei Prostituierte) Die Gefühle sind wie duftendes Gras, das den Himmel betrunken macht; der Körper gleicht Weidenkätzchen, den ganzen Tag geschäftig. (Sie begrüßen sich) (Hauptdarsteller) Ruft die Abteilung der Sängerinnen, lasst alle ihre Namen nennen. (Hässliche Schauspielerin) Bist du vom Hof der Musiklehrer, dass du mich meine Namen nennen heißt? (Der Student lacht) Ich wollte gerade nach Euren verehrten Namen fragen. (Alte Schauspielerin) Eure unwürdige Dienerin ist Bian Yujing. (Der Student) Wahrhaftig eine Fee der Jadekammer. (Kleine Schauspielerin) Eure unwürdige Dienerin ist Kou Baimen. (Der Student) Wahrhaftig die Weidenfarbe des Weißen Tores. (Hässliche Schauspielerin) Ich bin Zheng Tuoniang. (Der Student sinnt nach) Wahrhaftig überaus angemessen und richtig. (Hauptdarsteller) Nicht angemessen, nicht angemessen! (Außendarsteller) Wieso nicht angemessen? (Hauptdarsteller) Sie stiehlt gern Männer. (Hässliche Schauspielerin) Pah! Wenn ich keine Männer stähle, wie könntest du dann so fett werden? (Alle scherzen) (Alte Schauspielerin) Der vornehme Herr ist hier, bittet schnell Schwester Xiangjun herauskommen. (Kleine Schauspielerin und hässliche Schauspielerin führen Xiangjun auf) (Außendarsteller) Wir spielen zur Begrüßung auf. (Nebendarsteller, Hauptdarsteller und Außendarsteller spielen den Shifan (Anm.: eine Art Instrumentalensemble)) (Student und Schauspielerin begrüßen sich) (Hässliche Schauspielerin) Nach den Regeln unseres Hofes wird keine Hochzeitszeremonie abgehalten, lasst uns gleich den Hochzeitswein trinken. (Student und Schauspielerin setzen sich oben hin) (Nebendarsteller, Außendarsteller und Hauptdarsteller setzen sich links) (Kleine Schauspielerin, alte Schauspielerin und hässliche Schauspielerin setzen sich rechts) (Der Diener tritt mit einem Weinkrug auf) (Links wird Wein gereicht, rechts wird gespielt und gesungen)

[Liang Zhou Xu] (Student) Die Dichtung von Qi und Liang, die Blumen und Weiden von Chen und Sui, Tag für Tag locken sie die duftenden Gefühle hervor. In grünem Gewand aneinandergeschmiegt, diesmal bin ich wie Du Mu in Yangzhou. Ich sinne darauf, die Augenbrauen zu zeichnen, weise an, die Flöte zu blasen, von nun an halte ich den Frühling in Händen. Die Durstkrankheit des Gelehrten muss dringend geheilt werden, und die untergehende Sonne zögert, den Turm zu verlassen, kaum getrunken einen Becher Wein.

(Rechts wird Wein gereicht, links wird gespielt und gesungen)

[Vorherige Strophe] (Schauspielerin) Die Blüten erzittern auf den Türmen und Terrassen, der Wind schüttelt die Vorhänge, ich lehne an einem Helden von stattlicher Erscheinung. Unendliche Frühlingsgefühle, die goldene Haarnadel will das Haar kämmen. Müßige Blumen fügen Farbe hinzu, wildes Gras verströmt Duft, genug, um die Frau zu spielen. Heute Nacht ist der Lampenschirm rot durchscheinend, selbst der Gewohnte müsste erröten, die erste Erfahrung ist wirklich schwer zu vollenden.

(Nebendarsteller) Seht, wie die rote Sonne die Berge berührt, die Krähen die Bäume wählen. Bringt schnell das neue Paar ins Zimmer zurück! (Außendarsteller) Nur nicht so eilig. Herr Hou ist ein heutiger Dichtergenie, er hat eine unvergleichliche Schöne gekämmt. Zur Freude gibt es Wein, wie könnte es da zur Liebesbesiegelung kein Gedicht geben? (Hauptdarsteller) Das ist vernünftig geredet. Lass mich die Tusche reiben und das Papier bereitlegen, um auf den Pinselschwung zu warten. (Student) Kein Gedichtpapier nötig, ich habe einen Palastfächer bei mir; ich werde ihn Xiangjun beschriften und schenken, als ewiges Pfand unserer Verlobung. (Hässliche Schauspielerin) Vortrefflich, vortrefflich! Ich werde den Tuschestein halten. (Kleine Schauspielerin) Mit deinem Gesicht taugst du gerade dazu, die Stiefel auszuziehen. (Alte Schauspielerin) Dieser Tuschestein sollte wohl besser durch Xiangjun zur Geltung kommen. (Alle) Ja, ja! (Schauspielerin hält den Tuschestein, Student beschreibt den Fächer) (Alle lesen) Zwischen doppelten roten Türmen ein schräger Pfad, der edle Jüngling besteigt erstmals den Wagen von Fuping. Der Qing-Fluss ist voller Magnolienbäume, doch sie reichen nicht an die Pfirsich- und Pflaumenblüten im Frühlingswind. (Alle) Ein gutes Gedicht, ein gutes Gedicht! Xiangjun, nimm ihn entgegen. (Schauspielerin steckt den Fächer in den Ärmel) (Hässliche Schauspielerin) Wir sind wohl nicht einmal die Pfirsich- und Pflaumenblüten wert, aber wie komme ich dazu, eine Magnolie zu sein? (Hauptdarsteller) Der Magnolienbaum ist ein dürrer Baum, der den Frühling trifft. (Hässliche Schauspielerin) Nun trifft der dürre Baum den Frühling und hat auch schon Blumen vom Regen bekommen. (Der Diener tritt mit einem Gedichtzettel auf) Herr Yang hat ein Gedicht geschickt. (Student nimmt es und liest) Von Geburt an bezaubernd ist Li Xiang, in deinem Arm anmutig, im Ärmel verborgen; warum kommen die zwölf Feenmädchen vom Wushan-Berg im Traum nur, um den König von Chu zu sehen? (Student lacht) Dieser Alte ist voller Gefühle, er schickt ein Gedicht zur Brautwerbung, vortrefflich, ganz vortrefflich! (Hauptdarsteller) "In deinem Arm anmutig, im Ärmel verborgen", das beschreibt Xiangjuns schlanke Gestalt, sie ist wie ein duftender Fächer-Anhänger. (Hässliche Schauspielerin) Was ist schon sein duftender Fächer-Anhänger wert? Ein paar Kupfermünzen. Wie kann er sich mit meinem Bernstein-Katzen-Anhänger messen? (Alle lachen) (Nebendarsteller) Lasst uns alle aufspielen und das neue Paar ermuntern, noch ein paar Becher zu trinken. (Hässliche Schauspielerin) Ja, mit ein wenig Weinlaune geht man besser in die Brautkammer. (Links und rechts wird gespielt und geblasen, Student und Schauspielerin reichen sich gegenseitig den Wein)

[Jie Jie Gao] (Student und Schauspielerin) Der goldene Becher begleitet den Weinspielstab, unermüdlich wird zugesprochen, bis der Abend sinkt, der Jadehumpen fällt. Heimlich die Hände verschränkt, Kummer auf den Brauen, duftende, schlanke Haut. Ein Augenblick der Frühlingsnacht währt wie die Ewigkeit, wie kann man vor den Leuten den Hibiskusknopf lösen? Wir warten, bis die Lampe dunkel wird und das Schildpattbankett endet, die Stundenuhr im Palast die Lotoswasssuhr ausgetropft hat.

(Nebendarsteller) Hört, die zweite Nachtwache vom Wachturm. Die Zeit ist zu spät, hebt das Bankett auf. (Hauptdarsteller) So ein gutes Mahl, und es wird aufgehoben, bevor es aufgegessen ist. Ist das nicht schade? (Hässliche Schauspielerin) Ich habe noch nicht genug gegessen. Ihr alle, wartet noch ein Weilchen. (Alte Schauspielerin) Hör auf mit dem Unsinn. Spielt alle auf und geleitet das neue Paar ins Zimmer. (Alle erheben sich, blasen und spielen den Shifan, geleiten Student und Schauspielerin)

[Vorherige Strophe] (Chor) Flöten und Mundorgeln verlassen den bemalten Turm, klare Lieder ertönen, flackernde Lampen wie im Frühlingslicht. Die Grotte vom Himmelstisch, trifft auf Ruan und Liu, ein wahrhaft glückliches Paar. Schicht um Schicht die bestickten Vorhänge, vom Duft durchdrungen, die Leute neiden und runzeln die Stirn. Der trunkene Zustand stützt die Menschen, zu sehr der Liebesrausch, das Glück, die Blumen zu genießen, ist einem von Geburt beschieden.

(Der Diener hält die Lampe, Student und Schauspielerin gehen Hand in Hand ab) (Hauptdarsteller) Wir sollten uns auch alle paarweise zusammentun und schlafen gehen. (Hässliche Schauspielerin) Alter Zhang, gib dir keine vergeblichen Hoffnungen. Ich, Alter Tuo, verlange Bargeld. (Hauptdarsteller zählt zehn Kupfermünzen ab und zieht sie) (Hässliche Schauspielerin nimmt das Geld, zählt es nach, wechselt es gegen minderwertige Münzen, scherzt und geht ab)

【Schlusslied】(alle) Die Nebelmonde von Qinhuai, ewig gleich alt und neu,

Fettduft und Puderströme ziehen gen Osten, stets einerlei,

Nächtliche Liebeslust streut man nicht, sie bleibt dabei.

(Zweitrangiger Nebendarsteller) Am Fluss im Süden blühen die Blumen, Wasser fließt weit,

(Zweitrangige Schauspielerin) Wer nach Qinhuai kommt, vergräbt all seinen Kummer und Leid,

(Nebendarsteller) Ungeachtet der Kriegsflammen, die daheim tausend Meilen weit,

(Altrollen-Darstellerin) In der fünften Wache schmettert im Busen der Sang mit Freud.