Besser lesen auf dem Handy App Das Westzimmer: Volltextsuche, Lesezeichen, Vorlesen, Offline-Lesen
Thema
Schriftgröße 18
Erstes Buch: Zhang Junrui stört die Tempelzeremonie

Erstes Buch: Zhang Junrui stürmt den Tempel · Vierte Arie

Kapitel 5

Erstes Buch – Zhang Junrui stört die Andacht – Vierte Szene

(Der Mönch Jie führt den Novizen Cong auf und spricht:) Heute, am fünfzehnten Tag des zweiten Monats, wird die Andacht eröffnet. Ihr Mönche, lasst die Opfergeräte erklingen. Bittet die gnädige Frau und das Fräulein, den Weihrauch darzubringen. Bevor die gnädige Frau kommt, lasst zuerst den Herrn Zhang den Weihrauch darbringen. Sollte die gnädige Frau fragen, sagt, er sei mein Verwandter. (Der Jüngling tritt auf und spricht:) Heute ist der fünfzehnte Tag des zweiten Monats. Der Mönch hat mich gebeten, den Weihrauch darzubringen, ich muss hingehen. (Im Doppelton – Neuer Wasserbefehl:) Im Palast des Brahmanenkönigs hängt der Mond hoch, auf den blauen Glasziegeln wallt glückverheißender Rauch. Der Weihrauchqualm ballt sich wie Wolken, der Klang der Sutren gleicht Meereswogen. Die Bannerflattern schweben und wehen, alle Spender sind nun erschienen. (Haltender Posten – Trommel und goldene Schellen erklingen, wie Frühlingsdonner im zweiten Monat, der die Hallenecken erzittern lässt; Glockenschlag und Buddhanamen, wie halbtägiger Wind und Regen, die auf die Wipfel der Kiefern fallen. Die Adelsfamilie erlaubt dem alten Mönch kein Klopfen, außerhalb des Seidenfensters muss Rot die Kunde bringen. Vor Liebeskummer schielende Augen, wenn ich sie sehe, muss ich mich satt und voll daran weiden. (Der Jüngling sieht den Mönch Jie.) (Der Mönch Jie spricht:) Der Herr bringe zuerst den Weihrauch dar. Sollte die gnädige Frau fragen, sagt, Ihr seid ein Verwandter des alten Mönchs. (Der Jüngling bringt den Weihrauch dar.) (Betrunken im Ostwind:) Ich wünsche nur, dass die Lebenden langes Leben auf Erden haben, und die Toten im Himmel in Muße schweben. Für die Seelen der Urgroßväter, Großväter und Väter verehre ich die Drei Juwelen: Buddha, Dharma und Sangha. Ich verbrenne edlen Weihrauch und bete im Stillen: Möge Rot nur nicht Unheil stiften, die gnädige Frau sich nicht ärgern, die Hündin nicht böse sein! O Buddha, lass bald das heimliche Stelldichein gelingen. (Die gnädige Frau führt das Fräulein auf und spricht:) Der Älteste bittet zum Weihrauchopfer. Fräulein, wir gehen hin. (Der Jüngling erblickt sie und spricht zum Mönch Cong:) Deiner Aufrichtigkeit wegen ist eine Göttin herabgestiegen. (Mönch Cong spricht:) Dieser Gelehrte tut dies bereits zum zweiten Mal. (Der Jüngling singt:) (Wildgänse fallen nieder:) Ich dachte, diese Jade-Himmelsfee habe den azurnen Himmel verlassen, aber es ist meine Herzensdame, die das Seelenheil-Ritual vollzieht. Mein von Kummer und Krankheit geplagter Leib, wie kann er ihre Schönheit ertragen, die Städte und Reiche zu Fall bringt? (Siegesbefehl:) Wie Kirschen ihre roten Lippen schmückt, die zarte Nase an Jade lehnt, bleichweiß das Antlitz wie Birnenblüten, schlank und leicht die Weidentaille. Bezaubernd, das ganze Gesicht voller Anmut; rank und schlank, der ganze Leib voller Liebreiz. (Der Mönch Jie spricht:) Armer Mönch, ein Wort, wage ich es, der gnädigen Frau zu sagen? Der alte Mönch hat einen armen Verwandten, einen hochgelehrten Gelehrten. Nachdem seine Eltern gestorben sind, kann er nichts tun, um sich zu bedanken. Er sagte zu mir: „Ich bitte um eine Opfermahlzeit, um meinen Eltern im Jenseits zu gedenken.“ Armer Mönch, ich habe ihm zugesagt fürchtete, die gnädige Frau würde schelten. (Die gnädige Frau spricht:) Die Verwandten des Ältesten sind auch meine Verwandten. Bitte kommt und lasst Euch sehen. (Der Jüngling verbeugt sich vor der gnädigen Frau.) (Die Mönche sehen das Fräulein und machen Faxen.) (Der Jüngling singt:) (Wirtshausschildchen:) Der alte Meister, gar betagt, starrt auch auf dem Dharma-Thron gespannt hin; der Vorsänger der Mönche ist wahrlich dumm, er hält des Dharma-Weisen Kopf für eine goldene Glocke und schlägt darauf ein. (Süßwasserbefehl:) Alt und jung, bäurisch und fein, alles steht Kopf, wilder als zum Laternenfest. Die schöne Gestalt, der erwünschte Herzbube, bangt, dass man es merkt, und beim Anschauen stiehlt er sich Tränen im Blick. (Zimtzweig brechen:) Er lässt mich, den jungen Herrn, verwirrt und außer Fassung, das Herz juckt mir und ich kann mich nicht stillen. Ihr Weinen gleicht dem Singvogel im Wald, ihre Tränentropfen gleichen Tautropfen auf Blütenspitzen. Selbst der große Meister kann es nicht nachahmen, er verhüllt sein barmherziges Gesicht. Der Glockenschläger, der Novize, ist verdrossen, der Weihrauchspender, der Mönch, ist bekümmert. Kerzenschatten flackern im Wind, Weihrauchqualm wallt wie Wolken; gierig nach Yingying schauen, erlischt die Kerze, vergeht der Weihrauch. (Der Mönch Jie spricht:) Der Wind hat die Lampe ausgeblasen. (Der Jüngling spricht:) Der Jüngling zündet die Lampe an und bringt Weihrauch dar. (Das Fräulein spricht zu Rot:) Dieser Gelehrte hat die ganze Nacht geschäftig getan. (Blume auf Brokat:) Äußerlich elegant, jung an Jahren; innerlich klug, überragende Gelehrsamkeit der Welt; er ziert sich und tut tausendfach verstellt, kommt und geht und zeigt vor den Leuten seine Artigkeit. (Rot spricht:) Ich ahne, was jener Gelehrte… (Wiederholungsstrophe:) In der Dämmerung einmal, am Tag ein Schläfchen, vor dem Fenster jenes Getöse. Bis zum Abend, ins Bücherzelt will er zum Schlafen, tausendfaches Seufzen, wie soll er den Morgen erwarten. (Der Jüngling spricht:) Jenes Fräulein blickt gar sehr nach mir. (Grüne Jadeflöte:) Die Neigung steigt in die Brauen, das Herz weißt du; der Kummer keimt im Herzen, die Sehnsucht ahne ich. Welch Kummer! Laut und hell schlägt die Wolkenplatte. Der Novize heult wieder, der Novize pfeift wieder. Ihr entreißt mir nicht das, was mir begehrenswert! (Der Mönch Jie und die Mönche machen Faxen. Sie lassen die Opfergeräte erklingen. Der Mönch Jie schüttelt die Glocke und verliest das Opfergebet. Sie verbrennen Papiergeld.) (Der Mönch Jie spricht:) Es tagt. Bitte, gnädige Frau und Fräulein, kehrt in Eure Gemächer zurück. (Der Jüngling spricht:) Noch ein Weilchen wäre gut! Wo soll mich das hintreiben! (Mandarinenten-Schlussstrophe:) Mit Absicht ist schlimmer als ohne Absicht, der Vielgeliebte wird vom Lieblosen gequält. Die ganze Nacht geschäftig getan, der Mond versinkt, die Glocke schlägt, der Hahn kräht. Wahrlich, die Jadegestalt kehrt eilig heim, die gute Sache wird allzu früh beendet, die Andacht ist zu Ende, alle gehen auseinander. Heimlich geht jeder nach Haus, wirbelten bis zum Morgengrauen. (Alle ab.) (Seidenfaden-Schwanzstrophe:) Nur um dein mondverhüllendes, blumenschämendes Antlitz, wird es nicht ohne gänzliche Ausrottung abgehen.

Thema: Die alte Dame verschließt den Frühlingsgarten – Cui Yingying opfert nachts Weihrauch

Haupttitel: Die kleine Rot überbringt gute Kunde – Zhang Junrui stört die Andacht

Zweites Buch – Cui Yingying lauscht nachts der Zither