Kapitel 80: Das Mädchen nährt das Männliche und sucht die Paarung; der Affe des Herzens bewacht den Herrn und erkennt die bösen Geister.
Achtes Kapitel: Das Nüchtern-Mädchen nährt das Yang und sucht einen Gatten; der Affe des Herzens bewacht den Meister und erkennt das Böse
Als nun der König von Biqiu, seine Beamten und das Volk die vier Meister und Jünger aus der Stadt geleiteten, waren sie sieben Meilen weit gegangen und wollten noch immer nicht umkehren. Sanzang zwang sich, vom Wagen zu steigen, bestieg das Pferd, verabschiedete sich und ritt weiter. Die Begleiter schauten ihm nach, bis sie nichts mehr von ihm sahen, und kehrten dann zurück.
Die vier zogen eine geraume Weile weiter, bis der Winter vorüber und der Frühling zu Ende ging, ohne dass sie der wilden Blumen und der Bäume auf den Bergen sowie der üppigen Landschaften überdrüssig wurden. Vor ihnen tauchte wieder ein hohes, schroffes Gebirge auf. Sanzang erschrak und fragte: »Meine Jünger, hat der hohe Berg einen Weg oder nicht? Seid ja vorsichtig!«
Xingzhe lachte und sagte: »Meister, diese Worte gleichen nicht denen eines erfahrenen Reisenden, sondern eher denen eines vornehmen Herrn oder Prinzen, der wie ein Frosch im Brunnen den Himmel betrachtet. Seit alters heißt es: ›Der Berg versperrt den Weg nicht, der Weg erschließt den Berg von selbst.‹ Wie kann man da fragen, ob es einen Weg gibt oder nicht?«
Sanzang erwiderte: »Obwohl der Berg den Weg nicht versperrt, fürchte ich doch, dass an den gefährlichen Stellen Ungeheuer entstehen und in den dichten Wäldern Dämonen erscheinen mögen.«
Bajie sagte: »Sei unbesorgt, sei unbesorgt! Hier ist es nicht mehr weit zum Land der höchsten Glückseligkeit; es wird gewiss ruhig und ohne Zwischenfälle sein.«
Während die Meister und Jünger noch so sprachen, waren sie, ohne es zu merken, an den Fuß des Berges gelangt. Xingzhe zog seine goldumschlungene Eisenstange hervor, stieg auf eine Felsenklippe und rief: »Meister, hier führt der Weg um den Berg herum; er ist besonders gut zu begehen. Komm schnell, komm schnell!«
Der Ältere musste sich wohl oder übel beruhigen und trieb sein Pferd an. Shaseng sagte: »Zweiter Bruder, nimm du die Tragestange eine Weile auf die Schulter!« Bajie übernahm tatsächlich die Last, und Shaseng ergriff die Zügel. Der alte Meister saß fest im geschnitzten Sattel, und alle folgten Xingzhe auf die breite Straße über die Felsenklippe. Da sah man den Berg:
Nebel und Wolken umhüllten die Gipfel,
Bächlein plätscherten und quollen in den Schluchten.
Hundert Blüten dufteten den Weg entlang,
Myriaden Bäume standen dichtgedrängt.
Pflaumenblüten leuchteten, Pflaumenbäume waren weiß,
Weiden grün, Pfirsiche rot.
Der Kuckuck rief, da der Frühling zur Neige ging,
Die Purpurschwalben zwitscherten, die Frühlingszeit war vorüber.
Schroffe Felsen, schirmartige Kiefern.
Gewundene Bergpfade, ragend und zierlich.
Steile Klippen und Joche, dicht mit Flechten und Schlingpflanzen bewachsen.
Tausend Felsen wetteiferten an Schönheit wie aufgereihte Lanzen,
Zehntausend Schluchten wetteiferten im Strömen, die fernen Wellen tobten.
Der alte Meister betrachtete langsam die Berglandschaft, als er plötzlich Vogelgezwitscher hörte und wieder Heimweh verspürte. Er hielt das Pferd an und rief: »Meine Jünger!
Seit ich vom Himmelstisch den kaiserlichen Befehl empfing,
Unter dem goldenen Schirm den Reiseausweis erhielt,
Am fünfzehnten des Lichterfestes die östliche Heimat verließ,
Da schied ich für immer von Kaiser Tang und der Heimat.
Kaum trafen sich Drache und Tiger, Wind und Wolken,
Da zogen wir schon, Meister und Jünger, die widerspenstigen Pferde.
Durchwandert sind alle zwölf Gipfel des Zaubergebirges;
Wann, ach wann werde ich den heutigen Herrscher wiedersehen?«
Xingzhe sagte: »Meister, du hängst stets an Heimwehgedanken, das ist gar nicht wie ein Mönch. Sorge dich nicht und geh getrost weiter! Die Alten sagen: ›Wer im Leben nach Reichtum und Ehre strebt, muss den Tod nicht scheuen.‹«
Sanzang erwiderte: »Jünger, was du sagst, ist zwar vernünftig, aber ich weiß nicht, wo der Weg zum Westlichen Himmel noch ist.«
Bajie sagte: »Meister, mein Buddha, der Verleiher der drei Körbe, will die Sutren wohl nicht hergeben. Da er weiß, dass wir sie holen wollen, hat er sie sicher weggebracht; sonst könnten wir doch nicht immer noch nicht ankommen!«
Shaseng sagte: »Red keinen Unsinn! Folge nur dem älteren Bruder Sun. Wenn wir nur die Zeit ausharren, wird der Tag der Ankunft kommen.«
Während die Meister und Jünger noch plauderten, erblickten sie wieder einen großen, dunklen Kiefernwald. Tangseng erschrak und rief abermals: »Wukong, kaum sind wir an dem schroffen Gebirge vorbei, da stoßen wir schon wieder auf diesen tiefen, finsteren Kiefernwald! Seid ja vorsichtig!«
Xingzhe sagte: »Was fürchtest du dich?«
Sanzag sagte: »Was redest du da? ›Traue nicht der Geradheit, hüte dich vor der Bosheit!‹ Ich bin mit dir schon durch manchen Kiefernwald gezogen, aber keiner war so tief wie dieser hier. Sieh nur:
Dicht und fest, von Osten nach Westen,
In Reihen, von Norden nach Süden.
Dicht und fest, von Osten nach Westen, ragen sie in die Wolken,
In Reihen, von Norden nach Süden, dringen sie in den blauen Himmel.
Dickicht an Dickicht, Dornen ringsum,
Schlingpflanzen umwinden die Äste, oben und unten.
Ranken umschlingen Ginstergestrüpp, Ginstergestrüpp umschlingt Ranken.
Ranken umschlingen Ginstergestrüpp: Reisende von Ost und West haben Mühe zu gehen.
Ginstergestrüpp umschlingt Ranken: Kaufleute von Nord und Süd, wie sollen sie eindringen?
In diesem Walde wohnt man ein halbes Jahr und unterscheidet nicht Mond und Sonne;
Geht man einige Meilen, sieht man nicht die Sterne.
Sieh die tausendfache Pracht an den schattigen Orten,
Die Myriaden Blumen an den sonnigen Hängen!
Dort sind tausendjährige Wacholder, zehntausendjährige Scheinzypressen,
Winterharte Kiefern, Bergpfirsichfrüchte, wilde Pfingstrosen, Trockenlotosblumen,
Dicht gedrängt, in Haufen und Hügeln,
Ein wirres Durcheinander, das selbst die Götter nicht malen könnten.
Dazu hört man den Gesang hundert Vögel:
Der Papagei pfeift, der Kuckuck ruft;
Die Elster hüpft von Ast zu Ast, der Rabe füttert die Alten;
Der Goldgelbflügel tanzt, die Drossel stimmt ihre Weisen an;
Das Rebhuhn schreit, die Purpurschwalbe zwitschert;
Der Star plappert Menschen nach, der Girlitz liest auch Sutren.
Und dann sieht man den Tiger mit dem Schweif wedeln,
Den Leoparden die Zähne fletschen;
Der alte Fuchs gibt sich als feine Dame,
Der uralte Wolf heult, dass der Wald erbebt.
Selbst wenn der Himmelskönig mit dem Pagodenpalast hierherkäme,
So verlöre er, der doch Dämonen bezwingen kann, den Mut.«
Der große Heilige Sun aber fürchtete sich nicht im Geringsten. Mit seiner Eisenstange bahnte er einen breiten Weg und führte Tangseng direkt in den tiefen Wald hinein. Sorglos und gemächlich zogen sie einen halben Tag lang, ohne einen Ausweg aus dem Walde zu finden. Tangseng rief: »Jünger, auf dem ganzen Weg nach Westen haben wir unzählige Wälder und gefährliche Berge gesehen; zum Glück ist dieser hier friedlich und die Gegend ruhig. In diesem Walde gibt es wunderbare Blumen und seltene Kräuter, die das Herz erfreuen. Ich möchte mich hier ein wenig setzen. Erstens, um das Pferd ausruhen zu lassen, zweitens bin ich hungrig. Geh und erbettele mir etwas zu essen!«
Xingzhe sagte: »Meister, steig ab! Alter Sun geht Almosen holen und kommt gleich wieder.«
Der Ältere stieg denn auch ab. Bajie band das Pferd an einen Baum. Shaseng stellte das Gepäck ab, holte die Almosenschale hervor und reichte sie Xingzhe. Xingzhe sagte: »Meister, setz dich ruhig hin, fürchte dich nicht! Ich gehe und komme gleich wieder.«
Sanzang setzte sich unter den Schatten einer Kiefer, während Bajie und Shaseng Blumen und Früchte suchten und sich vergnügten.
Der große Heilige aber ließ sich auf seiner Wolke in die Lüfte steigen. Mitten in der Luft hielt er seinen Wolkenglanz an, drehte sich um und schaute zurück. Da sah er, wie aus dem Kiefernwald glückverheißende Wolken und segensreiche Dünste aufstiegen. Plötzlich rief er unwillkürlich: »Vortrefflich! Vortrefflich!«
Warum, fragt ihr, rief er »Vortrefflich«? Er pries nämlich Tangseng, der die Wiedergeburt des Goldglanz-Älteren war und ein guter Mensch aus zehn Wiedergeburten. Darum schwebte solcher Glanz über seinem Haupte. »Wenn ich, alter Sun, vor fünfhundert Jahren, als ich den Himmel in Aufruhr versetzte, über die Meere und die Enden der Welt schweifte, alle Dämonen um mich versammelte und mich selbst zum Großen Heiligen, dem Himmelsgleichen, ernannte, Drachen bändigte und Tiger bezwang und meinen Namen aus dem Todesregister tilgte – damals trug ich einen dreizackigen Goldkronreif, ein goldenes Panzerhemd, in der Hand die goldumschlungene Eisenstange, an den Füßen Wolkenschreit-Schuhe. Unter meinem Befehl standen siebenundvierzigtausend Dämonen, die mich alle ›Großvater, den großen Heiligen‹ nannten. Ich war wirklich ein ganzer Kerl. Jetzt aber, nachdem ich die Himmelsstrafe überstanden habe, muss ich mich klein machen und dienen und bin dein Jünger geworden. Da des Meisters Haupt von Glückwolken und Segensdünsten umgeben ist, wird er, wenn er geradewegs nach Osten zurückkehrt, gewiss Vorteil haben, und auch ich, alter Sun, werde sicherlich ein gutes Ergebnis erlangen.«
Während er so bei sich selbst dachte und überlegte, sah er plötzlich im Süden des Waldes einen schwarzen Dunst, der brodelnd emporstieg. Der große Heilige erschrak sehr und sagte: »In dem schwarzen Dunst muss ein böser Geist stecken. Meine Bajie und Shaseng können doch keinen schwarzen Dunst ausstoßen.«
Der große Heilige schwebte in der Luft und konnte nicht recht erkennen, was es war.
Sanzag aber saß im Walde, erleuchtete seinen Geist und rezitierte das Herz-Sutra. Da hörte er plötzlich eine klägliche Stimme: »Rette mich!«
Sanzang erschrak sehr und sagte: »Wohl, wohl! In einem so tiefen Walde, wer mag da rufen? Es ist wohl ein Wolf, ein Tiger oder ein Panther, der einen erschreckt hat. Ich will einmal nachsehen.«
Der Ältere erhob sich, schritt um tausendjährige Zypressen herum, ging an zehntausendjährigen Scheinzypressen vorbei, klammerte sich an Schlingpflanzen und Ginstergestrüpp und näherte sich dem Ort. Da sah er an einem großen Baume eine Frau angebunden. Der Oberkörper war mit Schlingpflanzen an den Baum gefesselt, der Unterkörper in der Erde vergraben. Der Ältere blieb stehen und fragte sie: »Edle Jungfrau, was ist dir zugestoßen, dass du hier angebunden bist?«
Ach! Dieses Ding war offenbar ein Dämon, aber der Ältere mit seinen fleischlichen Augen konnte ihn nicht erkennen. Als der Dämon ihn kommen und fragen sah, strömten seine Tränen wie eine Quelle. Seht nur, wie ihr pfirsichblütenartiges Antlitz Tränen vergoss, mit einer Schönheit, die Fische versinken und Gänse niedersinken ließ! Ihre sternengleichen Augen waren voller Trauer, mit einer Anmut, die den Mond verhüllte und die Blumen beschämte. Der Ältere wagte sich nicht näher heran und fragte wieder: »Edle Jungfrau, welches Verbrechen hast du begangen? Sage es mir, damit ich dich befreien kann.«
Der Dämon antwortete mit schmeichelnden Worten und falscher Freundlichkeit, eilig: »Meister! Ich wohne im Lande der Armen, etwa siebzig Meilen von hier entfernt. Meine Eltern leben noch und sind sehr fromm; ihr ganzes Leben lang waren sie freundlich zu Verwandten und Freunden. Zur Zeit des Gräberfestes luden sie alle Verwandten und die ganze Familie, Alt und Jung, ein, die Gräber zu besuchen. Ein Zug von Sänften und Pferden erreichte die wilde Ebene. Als wir vor den Gräbern die Opfergaben aufgestellt und die Papieropfer verbrannt hatten, hörten wir plötzlich Gongs und Trommeln, und eine Bande von Räubern stürzte hervor, mit Messern und Knüppeln, schreiend und angreifend. Uns verging Hören und Sehen. Meine Eltern und die Verwandten, die Pferde und Sänften hatten, retteten sich jeder, so gut er konnte. Ich aber war jung und konnte nicht laufen; ich fiel vor Schreck zu Boden und wurde von der Räuberbande in die Berge verschleppt. Der Anführer wollte mich zur Frau, der zweite Anführer zur Gattin, der dritte und vierte begehrten alle meine Schönheit; sieben- bis achtzig Familien stritten sich um mich, keiner gab dem anderen nach. Darum banden sie mich mitten im Walde fest, und die ganze Bande zerstreute sich. Nun bin ich schon fünf Tage und fünf Nächte hier; mein Leben neigt sich dem Ende zu, bald werde ich sterben. Ich weiß nicht, in welcher meiner früheren Existenzen ich solche Verdienste erworben habe, dass ich heute, o Meister, dich hier treffe. Habe Erbarmen und rette mein Leben! Im Jenseits werde ich deine Güte nie vergessen.«
Nach diesen Worten strömten ihre Tränen wie Regen.
Tang Sanzang war tatsächlich weichherzig, konnte die Tränen nicht zurückhalten und rief mit erstickter Stimme: „Jünger.“ Zhu Bajie und Sha Wujing suchten gerade im Wald nach Blumen und Früchten, als sie plötzlich das klägliche Rufen ihres Meisters hörten. Der Tölpel sagte: „Sha Heshang, der Meister hat hier Verwandte gefunden.“ Sha Wujing lachte und sagte: „Zweiter Bruder, was für ein Unsinn! Wir sind so lange unterwegs und haben nicht einmal einen anständigen Menschen getroffen; woher sollten da Verwandte kommen?“ Bajie sagte: „Wenn es keine Verwandten wären, warum sollte der Meister dann mit jemandem weinen? Lass uns hingehen und nachsehen.“ Sha Wujing kehrte wirklich um, nahm das Pferd und die Lasten, ging hin und rief: „Meister, was ist passiert?“ Tang Sanzang zeigte mit dem Finger auf den Baum und rief: „Bajie, binde diese edle Dame los und rette ihr Leben.“ Der Tölpel machte sich ohne zu überlegen ans Lösen der Seile.
Der Große Heilige aber, der in der Luft schwebte, sah, dass das schwarze Qi noch dichter geworden war und das heilige Licht vollständig verdeckte. Er sagte: „Nicht gut, nicht gut! Das schwarze Qi verhüllt das heilige Licht – könnte es sein, dass ein Dämon meinen Meister bedroht? Das Betteln um Almosen ist nebensächlich; zuerst will ich nach meinem Meister sehen.“ Also kehrte er auf seiner Wolke um, landete im Wald und sah, wie Bajie wahllos an den Seilen zerrte. Sun Wukong trat vor, packte ihn am Ohr und warf ihn mit einem Plumps zu Boden. Der Tölpel blickte auf, stand auf und sagte: „Der Meister befahl mir, zu retten; warum wirfst du mich mit deiner Stärke zu Boden?“ Sun Wukong lachte und sagte: „Bruder, lass sie los. Sie ist ein Dämon, der uns mit einer List täuschen will.“ Tang Sanzang rief streng: „Du frecher Affe, schon wieder Unsinn! Wie kannst du bei einer solchen Frau sofort erkennen, dass sie ein Dämon ist?“ Sun Wukong sagte: „Meister, du weißt es nicht: Das sind alles Tricks, die ich selbst schon angewendet habe – Methoden, um Menschenfleisch zu bekommen. Wie könntest du das erkennen?“ Bajie schmollte: „Meister, glaub nicht dem Pferdewächter, der dich anlügt. Diese Frau gehört hierher. Wir kommen von weit her aus dem Osten, haben nichts mit ihr zu schaffen, keine Verwandtschaft – wie kann sie ein Dämon sein? Er will nur, dass wir sie zurücklassen und weitergehen, während er Purzelbäume schlägt, mit seiner Zauberkunst zurückkehrt und mit ihr allerlei Schabernack treibt, direkt in ihr Haus einheiratet.“ Sun Wukong rief: „Dummkopf, red keinen Unsinn! Ich, der alte Sun, bin seit jeher auf dem Weg nach Westen; wo hätte ich jemals nachlässig sein können? Wie du, dieser schwerfällige, lasterhafte, vergessliche Narr, der Gut und Böse nicht unterscheidet, dich für andere als Schwiegersohn anbieten lässt und dich an einen Baum binden lässt!“ Tang Sanzang sagte: „Genug, genug. Bajie, dein älterer Bruder hat meist recht. Wenn er das sagt, dann lass sie in Ruhe und wir gehen.“ Sun Wukong freute sich: „Gut, der Meister ist ein Mann mit Bestimmung. Bitte steig auf das Pferd; außerhalb des Kiefernwaldes gibt es Leute, bei denen wir um Almosen für dich bitten können.“ Die vier zogen tatsächlich weiter und ließen den Dämon zurück.
Der Dämon aber, der an den Baum gefesselt war, knirschte mit den Zähnen und sagte: „Seit Jahren höre ich, dass Sun Wukong überragende Fähigkeiten hat; heute habe ich ihn gesehen und er ist wirklich seinem Ruf gerecht geworden. Tang Sanzang ist von Kindheit an enthaltsam und hat sein ursprüngliches Yang noch nicht verloren. Ich wollte ihn fangen, um mit ihm zu verschmelzen und den Rang eines Taiyi-Goldunsterblichen zu erlangen. Aber dieser Affe hat meine Zauberkunst durchschaut und ihn weggeführt. Hätte man die Seile gelöst und mich freigelassen, hätte ich ihn leicht fangen können – dann wäre er mein gewesen! Jetzt hat er ihn mit einem Haufen Unsinn mitgenommen – all meine Mühe umsonst! Lass mich noch zweimal rufen und sehen, was passiert.“ Der Dämon bewegte die Seile nicht, sondern ließ einige freundliche Worte, mit dem Wind getragen, leise in Tang Sanzangs Ohren wehen. Was rief sie? Sie rief: „Meister, du lässt das Leben eines Menschen ungerettet, wie kannst du mit schlechtem Gewissen nach Buddha-Schriften streben und sie holen?“
Tang Sanzang hörte auf dem Pferd diesen Ruf, hielt an und rief: „Wukong, geh und rette die Frau da unten.“ Sun Wukong sagte: „Meister, du gehst deinen Weg, warum denkst du schon wieder an sie?“ Tang Sanzang sagte: „Sie ruft schon wieder.“ Sun Wukong fragte: „Bajie, hast du es gehört?“ Bajie sagte: „Meine Ohren sind zu groß, sie haben es verdeckt, ich habe nichts gehört.“ Er fragte weiter: „Sha Wujing, hast du es gehört?“ Sha Wujing sagte: „Ich ging mit der Last voraus und habe nicht darauf geachtet, also auch nichts gehört.“ Sun Wukong sagte: „Auch ich, der alte Sun, habe nichts gehört. Meister, was ruft sie, dass nur du es hörst?“ Tang Sanzang sagte: „Sie ruft mit Recht. Sie sagt: ‚Das Leben eines Lebenden lässt du ungerettet, wie kannst du mit schlechtem Gewissen nach Buddha-Schriften streben?‘ ‚Einem Menschen das Leben zu retten, ist besser als eine siebenstöckige Pagode zu bauen.‘ Geh schnell und rette sie; das ist mehr wert, als Schriften zu holen und Buddha zu verehren.“ Sun Wukong lachte und sagte: „Meister, wenn dein gutmütiges Herz überhandnimmt, gibt es kein Heilmittel mehr. Denk daran: Du bist aus dem Osten aufgebrochen, hast auf dem Weg nach Westen viele Berge überquert und viele Dämonen getroffen, die dich oft in ihre Höhlen schleppten. Ich, der alte Sun, kam, um dich zu retten, schwang meine Eisenstange und erschlug Tausende und Abertausende. Heute zögerst du, das Leben eines einzigen Dämons zu retten, und willst sie befreien?“ Tang Sanzang sagte: „Jünger, die Alten sagten: ‚Tu keine gute Tat, weil sie klein ist; tu keine böse Tat, weil sie gering ist.‘ Geh und rette sie.“ Sun Wukong sagte: „Meister, wenn du das so willst, dann ist diese Last zu schwer für mich, den alten Sun, zu tragen. Wenn du sie retten willst, werde ich nicht weiter abraten: Wenn ich dir ein paar Worte sage, wirst du wieder wütend. Tu, was du willst.“ Tang Sanzang sagte: „Affenkopf, red nicht so viel. Setz dich hin, ich werde mit Bajie gehen, um sie zu retten.“
Tang Sanzang kehrte zum Wald zurück und befahl Bajie, die obere Hälfte der Seile zu lösen und mit dem Harken die untere Hälfte des Körpers freizulegen. Der Dämon zog seine Schuhe an, band seinen Rock fest und folgte Tang Sanzang fröhlich aus dem Kiefernwald. Als sie Sun Wukong sahen, lachte dieser nur kalt. Tang Sanzang schimpfte: „Frecher Affenkopf, was lachst du da?“ Sun Wukong sagte: „Ich lache darüber, dass du im Glück einen guten Freund triffst, im Unglück eine schöne Frau.“ Tang Sanzang schimpfte weiter: „Frecher Affe, Unsinn! Ich bin von Geburt an Mönch und jetzt auf Befehl des Kaisers auf dem Weg nach Westen, um aufrichtig Buddha zu verehren und Schriften zu holen. Ich bin kein Mensch, der nach Reichtum und Ruhm strebt; was soll da das Unglück?“ Sun Wukong lachte und sagte: „Meister, du bist zwar von Kindheit an Mönch, aber du verstehst nur das Lesen von Sutras und das Beten; du kennst die Gesetze nicht. Diese Frau ist jung und hübsch; du und ich, wir sind Mönche, wenn wir mit ihr gehen und auf böse Menschen treffen, die uns fangen und vor die Behörden bringen, dann wird uns, egal ob es um das Holen von Schriften oder Buddha-Verehrung geht, Ehebruch vorgeworfen. Selbst wenn nichts passiert, wird man uns der Entführung beschuldigen: Dir, Meister, wird die Priesterlizenz entzogen, du wirst halb tot geprügelt; Bajie wird zur Verbannung verurteilt; Sha Wujing ebenfalls zur Deportation; ich, der alte Sun, komme auch nicht ungeschoren davon; selbst wenn ich redegewandt bin, wie soll ich mich verteidigen? Ich werde wegen unangemessenen Verhaltens bestraft.“ Tang Sanzang rief: „Hör auf mit dem Unsinn! Glaubst du, dass ich, wenn ich ihr Leben rette, irgendwelche Konsequenzen tragen muss? Wenn wir sie mitnehmen, dann trage ich die Verantwortung für alles.“ Sun Wukong sagte: „Meister, du sagst zwar, du trägst die Verantwortung, aber du weißt nicht, dass du sie nicht rettest, sondern ihr schadest.“ Tang Sanzang sagte: „Ich rette sie aus dem Wald und gebe ihr das Leben; wie könnte das ein Schaden sein?“ Sun Wukong sagte: „Als sie im Wald gefesselt war, hätte sie vielleicht drei oder fünf Tage, zehn Tage oder einen halben Monat ohne Nahrung verhungern können, aber sie hätte ihren Körper ganz behalten. Jetzt, wo du sie herausbringst, reitest du auf einem schnellen Pferd, das dahinfliegt; wir können dir nur folgen; die Frau aber hat kleine Füße, das Gehen fällt ihr schwer – wie soll sie mithalten? Wenn wir sie zurücklassen und sie auf Wölfe, Tiger, Schlangen oder Leoparden trifft, die sie mit einem Bissen verschlingen – wäre das nicht ihr Tod, den du verursacht hast?“
Tang Sanzang sagte: „Genau, das hast du gut bedacht. Wie sollen wir es anstellen?“ Der Affenkönig lachte und sagte: „Heb sie herauf und reite mit dir zusammen auf dem Pferd.“ Tang Sanzang überlegte und sagte: „Wie könnte ich mit ihr zusammen auf einem Pferd reiten?“ – „Wie soll sie dann gehen?“ Tang Sanzang sagte: „Lass Bajie sie tragen.“ Der Affenkönig lachte und sagte: „Der Dummkopf hat Glück.“ Bajie sagte: „Auf einer weiten Reise ist selbst eine leichte Last schwer. Mich jemanden tragen zu lassen, was für ein Glück soll das sein?“ Der Affenkönig sagte: „Dein Maul ist lang, wenn du sie trägst, drehst du den Kopf um und flüsterst ihr heimliche Liebesworte zu – wäre das nicht bequem?“ Als Bajie dies hörte, schlug er sich auf die Brust und sprang auf und ab: „Nein, nein. Wenn der Meister mich ein paar Schläge geben will, ertrage ich lieber den Schmerz. Sie zu tragen, wäre niemals rein und klar. Der ältere Bruder verleumdet die Leute ein Leben lang. Ich trage sie nicht.“ Tang Sanzang sagte: „Nun gut, nun gut. Ich kann auch noch ein paar Schritte gehen. Lass mich absteigen, und wir gehen langsam zusammen. Lass Bajie das leere Pferd führen.“ Der Affenkönig lachte laut: „Der Dummkopf hat tatsächlich ein Geschäft gemacht. Der Meister kümmert sich darum, dass du das Pferd führst.“ Tang Sanzang sagte: „Dieser Affenkopf redet wieder Unsinn. Die Alten sagten: ‚Ein Pferd reist tausend Meilen, aber ohne Menschen kann es nicht von selbst gehen.‘ Wenn ich langsam unterwegs bin, würdest du mich etwa zurücklassen? Wenn ich langsam bin, seid ihr auch langsam. Gemeinsam mit dieser edlen Dame gehen wir den Berg hinunter, oder bis zu einem Ort mit einem Kloster oder Tempel, wo Menschen wohnen. Dort lassen wir sie zurück, dann haben wir sie immerhin gerettet.“ Der Affenkönig sagte: „Der Meister spricht vernünftig. Bitte geh schnell voran.“
Tang Sanzang hob seinen Gewandsaum und ging voran, Sha Seng trug die Lasten, Bajie führte das leere Pferd und führte die Frau, der Affenkönig hielt die Eisenstange, und die Gruppe zog weiter. Sie waren noch keine zwanzig oder dreißig Li gegangen, als der Abend hereinbrach, und sie sahen wieder ein Gebäude mit Türmen und Hallen. Tang Sanzang sagte: „Jünger, dort muss ein Kloster oder Tempel sein. Hier können wir übernachten und morgen früh weiterreisen.“ Der Affenkönig sagte: „Der Meister hat recht. Gehen wir alle schneller.“ Bald waren sie am Tor angekommen. Er befahl: „Steht ein Stück weit weg. Ich gehe zuerst, um nach einer Unterkunft zu fragen. Wenn es einen geeigneten Platz gibt, werde ich euch rufen.“ Alle standen im Schatten der Weiden, nur der Affenkönig hielt die Eisenstange und beaufsichtigte die Frau.
Der Ältere schritt näher und sah, dass das Tor schief und windschief war, zerfallen und verstreut. Als er die Tür aufstieß und hineinsah, konnte er nicht umhin, sich im Herzen zu betrüben: Der lange Gang war still, das alte Kloster öde; Moos bedeckte den ganzen Hof, Unkraut wuchs auf allen Wegen; nur Glühwürmchen leuchteten wie fliegende Lampen, und man hörte nur Froschgequake, das die Nachtwache ersetzte. Der Ältere vergoss plötzlich Tränen. Wahrlich:
Die Hallen verfielen und stürzten ein, die Gänge waren einsam und zerfallen. Zerbrochene Ziegel und zerhauene Steine lagen in einem Dutzend Haufen, alles schiefe Balken und gebrochene Säulen. Vorn und hinten wuchs überall grünes Gras, Staub bedeckte den verfaulten Räucherküchen. Der Glockenturm war eingestürzt, die Trommel hatte kein Fell mehr, die gläserne Räucherlampe war zerbrochen. Die goldene Gestalt des Buddha hatte ihre Farbe verloren, die Arhats lagen kreuz und quer. Der Avalokiteshvara war durch den Regen beschädigt und zu Schlamm geworden, der Weidenkrug und die Reinigungsflasche lagen auf dem Boden. Tagsüber gab es keine Mönche, nachts hausten nur Füchse. Man hörte nur den Wind heulen wie Donner, es waren Verstecke für Tiger und Leoparden. Die Mauern ringsum waren alle eingestürzt, es gab auch keine Türflügel zum Schließen.
Es gab ein Gedicht als Beleg. Das Gedicht sagt:
Das alte Kloster war viele Jahre nicht repariert worden, armselig und verfallen, noch schlimmer als zuvor.
Der heftige Wind riss die Gesichter der Klosterwächter, der strömende Regen zerstörte die Köpfe der Buddha-Statuen.
Die Vajra-Krieger fielen und wurden vom Regen durchnässt, die Erdgottheiten hatten kein Haus und blieben nachts draußen.
Es gab noch zwei beklagenswerte Dinge: Die kupferne Glocke lag auf dem Boden, ohne dass ein Glockenturm sie hielt.
Tang Sanzang fasste sich ein Herz und trat durch das zweite Tor. Er sah, dass der Glocken- und der Trommelturm beide eingestürzt waren. Nur eine kupferne Glocke lag auf dem Boden, die obere Hälfte war weiß wie Schnee, die untere Hälfte war blau wie Indigo. Das kam daher, dass sie im Laufe der Jahre und Tage oben vom Regen weiß gebleicht worden war, und unten war das Kupfer durch die Erde grün angelaufen. Tang Sanzang berührte die Glocke mit der Hand und rief laut: „Glocke, ach Glocke, du hast einst hoch am Turm gehangen und gebrüllt, du hast einst in der Ferne über dem bunten Balken geklungen. Du hast einst beim Hahnenschrei den Morgen verkündet, du hast einst am Abend die Dämmerung begrüßt. Ich weiß nicht, wohin der Mönch gegangen ist, der dich goss, und wo der Handwerker ist, der dich schmiedete. Ich denke, ihre beiden Seelen sind ins Totenreich gegangen, du hast deine Spur verloren, und er ist ohne Klang.“ Der Ältere rief laut und voller Bewunderung, und ohne es zu wissen, weckte er jemanden im Kloster. Drinnen war ein Tempeldiener, der die Räucherstäbchen versorgte. Als er die Stimme hörte, stand er auf, hob einen zerbrochenen Ziegel auf und schlug damit gegen die Glocke. Die Glocke erklang mit einem lauten „Dang“. Der Ältere erschrak so sehr, dass er hinfiel. Er mühte sich aufzustehen und wollte gehen, aber er stolperte über eine Baumwurzel und fiel mit einem „Puff“ wieder hin. Der Ältere lag auf dem Boden und rief wieder: „Glocke, ach Glocke, ich, der arme Mönch, beklagte dich gerade, da ertönte plötzlich ein Klingklang. Ich denke, auf dem Weg nach Westen kommt niemand vorbei, und mit den Jahren bist du zum Geist geworden.“ Der Tempeldiener eilte herbei, fasste ihn und sagte: „Herr, steht bitte auf. Es hat nichts mit der Glocke zu tun, die zum Geist geworden ist. Eben habe ich die Glocke zum Erklingen gebracht.“ Tang Sanzang hob den Kopf, sah, dass der Mann hässlich und schwarz war, und sagte: „Bist du etwa ein böser Geist oder Unhold? Ich bin kein gewöhnlicher Mensch. Ich komme aus der großen Tang-Dynastie. Ich habe Jünger, die Drachen bezwingen und Tiger bändigen können. Wenn du auf sie triffst, ist dein Leben nicht sicher.“ Der Tempeldiener kniete nieder und sagte: „Herr, fürchtet euch nicht. Ich bin kein böser Geist. Ich bin der Tempeldiener dieses Klosters, der die Räucherstäbchen versorgt. Eben hörte ich die guten Worte des Herrn voller Bewunderung und wollte schon herauskommen, um ihn zu empfangen; aber ich fürchtete, es sei ein böser Geist, der an die Tür klopft. Darum hob ich einen zerbrochenen Ziegel auf und schlug die Glocke an, um mich zu beruhigen, bevor ich herauszukommen wagte. Herr, steht bitte auf.“ Da erst beruhigte sich Tang Sanzang und sagte: „Vorsteher, du hast mich fast zu Tode erschreckt. Führe mich hinein.“ Der Tempeldiener führte Tang Sanzang, und als sie bis zum dritten Tor sahen, war es ganz anders als draußen. Man sah:
Aus grünen Ziegeln war eine bunte Wolkenmauer gemauert, aus grünen Dachziegeln eine gläserne Halle gedeckt. Der Heilige war mit Gold geschmückt, die Stufen aus weißem Jade. Die große Halle strahlte grünes Licht aus, der Vairochana-Pavillon ließ scharfen Glanz erstrahlen. Die Manjushri-Halle war mit bunten Wolken verziert, die Sutrenhalle war mit Blumen und Jadeintarsien geschmückt. Auf der Spitze des dreifachen Daches war eine spitze Vase, im Pavillon der fünf Glückseligkeiten war ein flacher bestickter Baldachin. Tausend Bambussträucher wiegten sich an der Meditationsliege, zehntausende grüne Kiefern spiegelten sich am Buddha-Tor. Der azurne Wolkenpalast strahlte goldenes Licht aus, im purpurnen Nebel schwebten glückverheißende Düfte. Am Morgen wehte der Duft über die vier Felder in die Ferne, am Abend hörte man das dumpfe Schlagen der Trommel auf dem hohen Berg. Es gab sicher welche, die am Morgen die zerfetzte Robe flickten, und wie sollte es nicht solche geben, die beim Mond die Reste der Sutren lasen? Man sah auch auf der halben Wand das Licht einer Lampe im hinteren Hof, und eine Rauchwolke von Räucherstäbchen zog durch den mittleren Hof.
Als Tang Sanzang dies sah, wagte er nicht hineinzugehen. Er rief: „Tempeldiener, vorne in deinem Kloster ist alles sehr verfallen, aber hinten ist es so ordentlich. Warum?“ Der Tempeldiener lächelte und sagte: „Herr, in diesen Bergen gibt es viele böse Geister und Räuber. Bei schönem Wetter rauben sie entlang der Berge, bei trübem Wetter kommen sie ins Kloster, um sich zu verstecken, stoßen die Buddhastatuen um, um sie als Sitz zu benutzen, und tragen das Holz weg, um Feuer zu machen. Die Mönche dieses Klosters sind schwach und wagen nicht, mit ihnen zu streiten. Darum haben sie diese vorderen verfallenen Häuser den Räubern zum Ausruhen überlassen, haben von neuen Spendern Geld gesammelt und dieses hintere Kloster gebaut. Das Reine und das Trübe sind getrennt, das sind die Dinge im Westen.“ Tang Sanzang sagte: „Ach, so ist das also.“ Während sie weitergingen, sahen sie auf dem Klostertor fünf große Schriftzeichen: „Wald des Klosters der Meeresberuhigung“. Er trat gerade über die Schwelle, als plötzlich ein Mönch daherkam. Schau, wie er aussah:
Auf dem Kopf trug er eine Mütze aus Flauschseide mit einer linken Nadel, an den Ohren hingen ein Paar kupferne Ringe.
Er trug ein Kleid aus Wollstoff, und seine weißen Augen glänzten wie Silber.
In der Hand schwenkte er eine Trommel, und er murmelte Sutren in fremder Sprache, die man nicht verstand.
Tang Sanzang erkannte ihn nicht; es war ein Lama-Mönch vom Weg nach Westen. Der Lama-Mönch kam aus der Tür, sah Tang Sanzangs klare Augenbrauen und schöne Augen, seine breite Stirn und den flachen Scheitel, seine Ohren, die die Schultern berührten, seine Hände, die über die Knie reichten – er sah aus wie ein herabgestiegener Arhat, äußerst elegant. Er trat auf ihn zu, zog ihn an sich, lächelte über das ganze Gesicht, drückte ihm die Hand, kniff ihn in die Nase und zog ihn an den Ohren, um seine Vertrautheit zu zeigen. Er führte ihn in die Abtshalle, und nachdem sie die Begrüßungsriten vollzogen hatten, fragte er: „Lehrmeister, woher kommt Ihr?“ Tang Sanzang sagte: „Ich bin ein Schüler, der auf Befehl des Kaisers der großen Tang-Dynastie im Osten ausgesandt wurde, um im Westen im Himmelreich Indien im großen Donnerhall-Kloster Buddha zu verehren und die Sutren zu holen. Eben war ich an Eurem kostbaren Ort angekommen, als es Abend wurde, und ich habe mich extra zu Eurem ehrwürdigen Kloster begeben, um für eine Nacht um Herberge zu bitten. Morgen früh will ich weiterreisen. Ich hoffe, Ihr könnt mir ein wenig Gastfreundschaft gewähren.“ Der Mönch lachte und sagte: „Vergebung, Vergebung. Wir sind nicht aus gutem Herzen Mönche geworden, sondern weil unsere Eltern uns geboren haben und unser Schicksal unter dem Unglücksstern stand, und man uns zu Hause nicht behalten konnte, da schnitten wir uns von der Welt ab und wurden Mönche. Da wir nun Buddhisten sind, sprecht bitte keine leeren Worte.“ Tang Sanzang sagte: „Ich spreche die Wahrheit.“ Der Mönch sagte: „Wie viele Wegstrecken sind es vom Osten zum Westen? Auf dem Weg gibt es Berge, in den Bergen Höhlen, in den Höhlen Geister und Ungeheuer. Ich denke, Ihr seid allein und zart und gebrechlich. Wie könntet Ihr wie ein Sutrenholer aussehen?“ Tang Sanzang sagte: „Vorsteher, Ihr habt recht. Wie könnte ich, ein armer Mönch, allein hierhergekommen sein? Ich habe drei Jünger, die vor den Bergen den Weg öffnen und über das Wasser Brücken bauen, um mich zu schützen. Darum konnte ich zu Eurem ehrwürdigen Kloster gelangen.“ Der Mönch sagte: „Wo sind die drei hohen Jünger?“ Tang Sanzang sagte: „Sie warten jetzt draußen am Klostertor.“ Der Mönch erschrak und sagte: „Meister, Ihr wisst nicht, dass es hier Tiger, Wölfe, böse Räuber und Geister gibt, die Menschen verletzen. Bei Tag wage ich mich nicht weit hinaus, und vor Einbruch der Nacht schließe ich die Türen. Warum lasst Ihr jetzt noch Leute draußen?“ Er rief: „Jünger, geht schnell und ladet sie herein.“
Zwei kleine Lamas liefen hinaus, erblickten den Wanderer und fielen zu Boden vor Schreck; dann erblickten sie Bajie und fielen erneut zu Boden. Sie rappelten sich auf und rannten eilig zurück, riefen: „Meister, welch ein Missgeschick! Von Euren Schülern ist nichts zu sehen, nur drei oder vier Ungeheuer stehen am Tor.“ Der Tang-Mönch fragte: „Wie sehen sie aus?“ Die kleinen Mönche sprachen: „Einer hat einen Donnergott-Mund, einer einen Stampf-Mund, einer ein grünes Gesicht mit hervortretenden Zähnen. Daneben steht eine Frau, die mit Öl im Haar und Puder im Gesicht geschmückt ist.“ Der Tang-Mönch lächelte und sprach: „Ihr kennt sie nicht. Die drei Hässlichen sind meine Schüler. Jene Frau ist die, die ich aus dem Kiefernwald gerettet habe.“ Die Lamas sprachen: „Ach, Meister! Ein so stattlicher Lehrer, wie kann er nur so hässliche Schüler haben?“ Der Tang-Mönch sprach: „Sie sind zwar hässlich, aber dennoch nützlich. Bitte sie schnell herein; wenn es noch länger dauert, wird der mit dem Donnergott-Mund Unheil anrichten – er wurde nicht von menschlichen Eltern geboren, und er wird hereinschlagen.“
Der kleine Mönch rannte eilig hinaus, fiel zitternd und bebend auf die Knie und sprach: „Ihr Herren, der Tang-Herr bittet Euch herein.“ Bajie lachte und sprach: „Bruder, er bittet uns herein, aber warum zittert er so sehr?“ Der Wanderer sprach: „Weil er sich vor unserer Hässlichkeit fürchtet.“ Bajie sprach: „Das ist doch Unsinn. So sind wir nun einmal geboren; wer will schon hässlich sein?“ Der Wanderer sprach: „Dann verberge ein wenig die Hässlichkeit.“ Der Tölpel steckte tatsächlich sein Maul in den Busen, senkte den Kopf und führte das Pferd; Shaseng trug die Last; der Wanderer ging hinten mit dem Stock und beaufsichtigte die Frau; so schritt die Schar hinein. Sie durchquerten die verfallenen Hallen, gingen durch das dritte Tor, banden das Pferd an, stellten die Last ab. Sie traten in die Abtswohnung, begrüßten den Lama-Mönch und nahmen ihre Plätze ein. Jener Mönch ging hinein und holte siebzig oder achtzig kleine Lamas hervor; nachdem die Begrüßung vollzogen war, bereiteten sie ein vegetarisches Mahl zu und bewirteten sie. Wahrlich:
Gute Werke anzuhäufen erfordert ein Herz voll Barmherzigkeit;
Wenn der Buddha-Dharma blüht, preisen die Mönche einander.
Doch wie sie das Kloster verlassen werden, ist noch unbekannt;
Wir warten auf die nächste Runde für die Auflösung.
