Aufzeichnungen der Zhou III
Beginnend im Jahr Xinchou, endend im Jahr Guihai, insgesamt 23 Jahre.
Erstes Jahr des Königs Shenjing (Xinchou, 320 v. Chr.)
1. Der Staat Wei senkte erneut seinen Adelstitel und nannte sich Fürst.
2. König Wei von Qi starb. Sein Sohn, König Xuan, Tian Pijiang, bestieg den Thron.
Zweites Jahr des Königs Shenjing (Renyin, 319 v. Chr.)
1. Der Staat Qin griff den Staat Wei an und eroberte das Gebiet Yan.
2. König Hui von Wei starb. Sein Sohn, König Xiang, bestieg den Thron. Menzius hatte eine Audienz bei König Xiang von Wei. Als er herauskam, sagte er zu anderen: „Wenn man ihn von weitem betrachtet, sieht er nicht wie ein Herrscher aus; nähert man sich ihm, erblickt man nichts Ehrfurchtgebietendes. Plötzlich fragte er mich: ‚Wie kann die Welt zur Ruhe kommen?‘ Ich antwortete: ‚Wenn die Welt vereint ist, wird sie zur Ruhe kommen.‘ ‚Wer kann die Welt vereinen?‘ Ich antwortete: ‚Ein Herrscher, der keine Freude am Töten hat, kann die Welt vereinen.‘ ‚Wer wird ihm folgen?‘ Ich antwortete: ‚Niemand in der Welt wird ihm nicht folgen. Kennt der König die Setzlinge? Wenn im siebten oder achten Monat Dürre herrscht, welken die Setzlinge. Plötzlich ziehen dunkle Wolken auf und es regnet in Strömen, dann sprießen die Setzlinge kräftig. So, wer könnte das aufhalten?‘“
Drittes Jahr des Königs Shenjing (Guimao, 318 v. Chr.)
1. Die Staaten Chu, Zhao, Wei, Han und Yan verbündeten sich, um Qin anzugreifen, und marschierten gegen den Hangu-Pass. Die Qin-Truppen rückten aus, um sie zu bekämpfen, und die Armeen der fünf verbündeten Staaten wurden alle geschlagen und flohen.
2. Der Staat Song begann, sich König zu nennen.
Viertes Jahr des Königs Shenjing (Jiachen, 317 v. Chr.)
1. Qin besiegte die Han-Armee bei Xiuyu, enthauptete 80.000 Mann und nahm bei Zhuoze die Han-Generäle Kuai und Shencha gefangen. Die Fürsten der verschiedenen Staaten waren entsetzt und verängstigt.
2. Ein hoher Beamter von Qi wetteiferte mit Su Qin um die Gunst des Herrschers, ließ Su Qin ermorden und tötete ihn.
3. Zhang Yi redete auf König Xiang von Wei ein: „Das Gebiet von Wei ist nicht einmal tausend Li groß, die Soldatenzahl übersteigt nicht 300.000. Das Land ist ringsum flach, ohne die Abschirmung großer Berge und Ströme. Die Grenzen grenzen an Chu, Han, Qi und Zhao. Die Soldaten, die die Grenzwachtürme und Festungen bewachen, sind nicht weniger als 100.000 Mann. Das Terrain von Wei ist von Natur aus ein Schlachtfeld. Die Fürsten haben die Vertikale Allianz beschlossen, am Huan-Fluss einen Bund geschlossen und sich als Brüder verbündet, um sich gegenseitig zu festigen. Heutzutage töten sich leibliche Brüder derselben Eltern dennoch gegenseitig um des Besitzes willen. Und Ihr wollt Euch auf die hinterlassenen Pläne des unbeständigen Su Qin verlassen? Dass dies nicht gelingen kann, ist offensichtlich. Wenn der König nicht Qin dient, wird Qin Truppen aussenden, um das Gebiet jenseits des Gelben Flusses anzugreifen, Juan, Yan und Suanzao zu besetzen, Wei zu bedrängen und Yangjin zu erobern. Dann kann Zhao nicht nach Süden ziehen. Wenn Zhao nicht nach Süden ziehen kann, kann Wei nicht nach Norden ziehen. Wenn Wei nicht nach Norden ziehen kann, ist der Weg der Vertikalen Allianz unterbrochen. Ist der Weg der Vertikalen Allianz unterbrochen, dann ist es unmöglich, dass das Land des Königs nicht in Gefahr gerät. Daher hoffe ich, dass der König seine Pläne sorgfältig prüft. Erlaubt mir, mein Amt niederzulegen und fortzugehen.“ Der König von Wei brach daraufhin den Vertrag der Vertikalen Allianz und bat durch Zhang Yi um Frieden mit Qin. Zhang Yi kehrte nach Qin zurück und wurde erneut Kanzler von Qin.
Fünftes Jahr des Königs Shenjing (Yisi, 316 v. Chr.)
1. Die Staaten Ba und Shu griffen einander an und baten beide Qin um Hilfe. König Hui von Qin wollte Shu angreifen, hielt den Weg jedoch für zu steil und zu eng, um ihn zu erreichen, und fürchtete zudem einen Einfall von Han. Er zögerte. Sima Cuo bat darum, Shu angreifen zu dürfen. Zhang Yi sagte: „Es ist besser, Han anzugreifen.“ König Hui von Qin sagte: „Ich bitte um Eure Begründung.“ Zhang Yi sagte: „Nähert Euch Wei an, behandelt Chu gut, entsendet Truppen nach Sanchuan, erobert Xincheng und Yiyang, rückt bis zu den Vororten des Östlichen und Westlichen Zhou vor, besetzt die Neun Dreifüße, ergreift die Landkarten und die Bevölkerungsregister, haltet den Himmelssohn als Geisel und gebietet der Welt. Niemand in der Welt wird es wagen, nicht zu gehorchen. Das ist das Werk eines Kaisers. Ich habe gehört: Um Ruhm wetteifert man am Hof, um Gewinn auf dem Markt. Heute sind Sanchuan und die Zhou-Höfe der Hof und der Markt der Welt. Doch der König wetteifert nicht um sie, sondern um das Land der Rong- und Di-Völker. Das ist zu weit vom Werk eines Kaisers entfernt!“ Sima Cuo sagte: „Nein. Ich habe gehört: Wer sein Land reich machen will, muss sein Gebiet vergrößern. Wer seine Armee stark machen will, muss sein Volk reich machen. Wer König werden will, muss weithin Tugend verbreiten. Sind diese drei Bedingungen erfüllt, folgt das Königtum von selbst. Heute ist das Land des Königs klein und das Volk arm. Daher hoffe ich, mit dem Leichten zu beginnen. Shu ist ein abgelegener Staat im Westen, ein Anführer der Rong- und Di-Völker. Im Inneren herrscht eine Verwirrung wie unter Jie und Zhou von Xia und Shang. Mit der Armee von Qin dagegen vorzugehen, ist, wie wenn man einen Wolf auf eine Schafherde hetzt. Sein Land zu gewinnen, reicht aus, um das Gebiet zu erweitern; seine Reichtümer zu erbeuten, reicht aus, um das Volk reich zu machen. Man rüstet die Truppen, ohne das Volk zu schädigen, und es unterwirft sich bereits. Einen Staat zu erobern, ohne dass die Welt uns der Grausamkeit bezichtigt; den gesamten Gewinn der vier Himmelsrichtungen einzustreichen, ohne dass die Welt uns der Gier bezichtigt. So erlangen wir mit einem Schlag Ruhm und tatsächlichen Nutzen und haben zugleich den Ruf, Tyrannei zu unterdrücken und Unordnung zu beenden. Wenn wir nun Han angreifen und den Himmelssohn als Geisel nehmen, ist das ein übler Ruf. Und es ist nicht sicher, ob es vorteilhaft ist. Zudem laden wir den Ruf der Ungerechtigkeit auf uns, um etwas anzugreifen, das die Welt nicht angreifen will. Das ist gefährlich! Erlaubt mir, den Grund dafür darzulegen. Der Zhou-Hof ist der Ahnherr der Fürsten der Welt. Qi ist der verbündete Staat von Han. Der Zhou-Hof weiß, dass er die Neun Dreifüße verlieren wird; Han weiß, dass es Sanchuan verlieren wird. Beide werden gemeinsam Pläne schmieden, sich auf Qi und Zhao stützen und um eine Aussöhnung mit Chu und Wei bitten. Wenn der Zhou-Hof die Neun Dreifüße an Chu gibt und Han sein Land an Wei, kann der König es nicht verhindern. Das ist es, was ich als gefährlich bezeichne. Es ist sicherer, Shu anzugreifen.“ König Hui von Qin nahm den Plan von Sima Cuo an und entsandte Truppen, um Shu anzugreifen. Im zehnten Monat wurde Shu bereits erobert. Man setzte den König von Shu zum Fürsten herab und entsandte Chen Zhuang als Kanzler von Shu. Nachdem Shu sich Qin unterworfen hatte, wurde Qin dadurch noch mächtiger, reicher und blickte auf die anderen Fürsten herab.
2. Nach dem Tod von Su Qin wurden auch seine jüngeren Brüder Su Dai und Su Li durch ihre Redekunst in den verschiedenen Staaten einflussreich. Der Kanzler von Yan, Zi Zhi, verschwägerte sich mit Su Qin und wollte die Macht in Yan an sich reißen. Nachdem Su Dai eine Gesandtschaft nach Qi unternommen hatte und zurückgekehrt war, fragte ihn der König von Yan, Ji Kuai: „Kann der König von Qi die Vorherrschaft erlangen?“ Su Dai antwortete: „Nein.“ Der König von Yan sagte: „Aus welchem Grund?“ Er antwortete: „Weil er seinen eigenen Ministern nicht vertraut.“ Daraufhin übertrug der König von Yan die Regierungsgeschäfte ausschließlich Zi Zhi. Lu Maoshou sagte zum König von Yan: „Die Leute preisen Yao als weise, weil er die Welt einem anderen überlassen konnte. Heute überlässt der König das Reich Zi Zhi. Damit erlangt der König denselben Ruhm wie Yao.“ Der König von Yan übergab daraufhin das Reich Zi Zhi anvertrauend, und Zis Macht wurde überragend groß. Wieder ein anderer sagte: „Yu empfahl Yi, ließ aber die Anhänger von Qi Ämter bekleiden. Als er alt wurde und glaubte, dass Qi unfähig sei, die Welt zu regieren, übergab er die Welt Yi. Qi griff mit seinen Anhängern Yi an, eroberte die Welt, und die Leute sagen, Yu habe die Welt nur dem Namen nach Yi übergeben, in Wirklichkeit aber Qi die Möglichkeit gegeben, sie selbst zu erobern. Heute sagt der König, er übergebe das Reich Zi Zhi, aber die Beamten sind alle Leute des Kronprinzen. Das heißt, dem Namen nach übergebt Ihr es Zi Zhi, in Wirklichkeit aber hat der Kronprinz die Macht.“ Der König von Yan zog daraufhin die Amtssiegel ein und übergab die Ernennung aller Beamten mit einem Gehalt von 300 Shi Getreide oder mehr Zi Zhi. Zi Zhi saß nach Süden gewandt auf dem Thron und übte die königliche Macht aus. Ji Kuai war alt geworden, kümmerte sich nicht mehr um die Staatsgeschäfte, sondern wurde stattdessen ein Untertan. Alle wichtigen Staatsangelegenheiten wurden von Zi Zhi entschieden.
Sechstes Jahr des Königs Shenjing (Bingwu, 315 v. Chr.)
1. König Shenjing starb. Sein Sohn, König Nan, Ji Yan, bestieg den Thron.
Erstes Jahr des Königs Nan (Dingwei, 314 v. Chr.)
1. Die Qin-Truppen fielen in Yiqu ein und eroberten 25 Städte.
2. Die Wei-Truppen fielen von Qin ab. Die Qin-Truppen griffen Wei an, eroberten Quwo und trieben die dortigen Bewohner zurück nach Wei. Sie besiegten Han erneut bei Anmen. Der Kronprinz von Han, Cang, begab sich als Geisel nach Qin, um Frieden zu erbitten.
3. Zi Zhi, der in Yan drei Jahre lang als König regiert hatte, stürzte das Land in großes Chaos. Der General Shibei und Kronprinz Ji Ping planten, Zi Zhi anzugreifen. Der König von Qi sandte jemanden, um dem Kronprinzen von Yan mitzuteilen: „Ich habe gehört, der Kronprinz wird die Rangordnung zwischen Herrscher und Minister wiederherstellen und die Stellung von Vater und Sohn klären. Mein Staat ist zwar klein, aber ich werde vollständig den Befehlen des Kronprinzen folgen.“ Daraufhin sammelte der Kronprinz seine Anhänger und versammelte das Volk. Er schickte Shibei, um Zi Zhi anzugreifen, aber er konnte keinen Sieg erringen. Shibei wandte sich gegen den Kronprinzen und griff ihn an. Beide Seiten kämpften mehrere Monate lang, Zehntausende starben, und das Volk war verängstigt. Der König von Qi befahl Zhangzi, die Truppen der fünf Hauptstädte zu führen und sich auf die Bevölkerung der nördlichen Grenzgebiete zu stützen, um Yan anzugreifen. Die Soldaten von Yan kämpften nicht, die Stadttore wurden nicht geschlossen. Die Qi-Truppen ergriffen Zi Zhi und hackten ihn zu Hackfleisch. Daraufhin töteten sie den König von Yan, Ji Kuai.
Der Qi-König fragte Menzius: „Einige raten mir, das Land Yan nicht anzugreifen, andere raten mir, es anzugreifen. Mit einem Staat, der zehntausend Streitwagen besitzt, einen anderen ebenso mächtigen Staat anzugreifen und ihn in fünfzig Tagen zu erobern – das liegt nicht in menschlicher Kraft. Wenn ich es nicht erobere, wird sicher ein Unheil vom Himmel herabkommen. Wie steht es mit einer Eroberung?“ Menzius antwortete: „Wenn die Bevölkerung von Yan bei einer Eroberung erfreut ist, dann erobere es. So hat es einst einer getan, nämlich König Wu von Zhou. Wenn die Bevölkerung von Yan bei einer Eroberung nicht erfreut ist, dann erobere es nicht. So hat es einst einer getan, nämlich König Wen von Zhou. Als ein Staat mit zehntausend Streitwagen einen anderen ebenso mächtigen Staat angriff, kamen die Menschen mit Bambuskörben voller Speisen und Krügen voller Wein, um die Armee des Königs zu empfangen. Hätten sie dabei eine andere Absicht gehabt? Sie wollten dem Elend von Wasser und Feuer entfliehen. Wenn das Wasser noch tiefer und das Feuer noch heißer wird, dann werden die Menschen sich einem anderen zuwenden.“
Die Lehnsfürsten berieten über die Rettung von Yan. Der Qi-König fragte Menzius: „Viele Lehnsfürsten planen, mich anzugreifen. Was soll ich tun?“ Menzius antwortete: „Ich habe gehört, dass einer, der sich auf einem Gebiet von nur siebzig Li im Quadrat auf die humane Herrschaft stützte, die Welt beherrschte – das war Tang von Shang. Ich habe nie gehört, dass einer, der tausend Li im Quadrat besaß, sich vor anderen fürchtete. Im Buch der Urkunden heißt es: ‚Wir warten auf unseren Herrscher; kommt unser Herrscher, dann werden wir erlöst.‘ Nun misshandelte Yan sein Volk. Der König zog aus, um es zu bestrafen. Das Volk glaubte, der König werde es aus dem Elend von Wasser und Feuer retten, und brachte daher in Bambuskörben Speisen und in Krügen Wein, um die Armee des Königs zu empfangen. Wenn Ihr aber ihre Väter und älteren Brüder tötet, ihre Söhne und jüngeren Brüder gefangen nehmt, ihre Ahnentempel zerstört und ihre kostbaren Geräte fortschafft – wie könnte das recht sein? Die Welt fürchtete ohnehin schon die Macht von Qi. Wenn Ihr nun das Gebiet vergrößert, ohne humane Herrschaft zu üben, dann ruft Ihr damit selbst die Armeen der Welt gegen Euch herbei. Der König möge schnell einen Befehl erlassen, die gefangenen Alten und Kinder freizulassen, den Abtransport der kostbaren Geräte einzustellen, mit der Bevölkerung von Yan zu beraten, einen Herrscher für sie einzusetzen und dann abzuziehen. Dann wäre es noch möglich, den Angriff der Lehnsfürsten zu verhindern.“ Der Qi-König befolgte dies nicht.
Bald darauf rebellierte die Bevölkerung von Yan. Der Qi-König sagte: „Ich schäme mich sehr vor Menzius.“ Chen Jia sagte: „Der König braucht sich nicht zu sorgen.“ Daraufhin ging er zu Menzius und fragte: „Was für ein Mensch war der Herzog von Zhou?“ Menzius sagte: „Ein Weiser des Altertums.“ Chen Jia sagte: „Der Herzog von Zhou schickte Guan Shu, um das alte Gebiet der Shang zu beaufsichtigen. Guan Shu aber führte die Bevölkerung der Shang zum Aufstand. Wusste der Herzog von Zhou, dass er rebellieren würde, als er ihn hinschickte?“ Menzius sagte: „Er wusste es nicht.“ Chen Jia sagte: „Dann haben also auch Weise Fehler?“ Menzius sagte: „Der Herzog von Zhou war der jüngere Bruder, Guan Shu der ältere Bruder. War der Fehler des Herzogs von Zhou nicht auch verständlich? Überdies: Die Edlen des Altertums korrigierten ihre Fehler; die Edlen von heute lassen ihre Fehler einfach geschehen. Die Edlen des Altertums: Ihre Fehler waren wie Sonnen- und Mondfinsternisse – das Volk konnte sie alle sehen. Wenn sie sie korrigierten, blickte das Volk zu ihnen auf. Die Edlen von heute: Sie lassen die Fehler nicht nur geschehen, sondern suchen auch noch Ausreden dafür!“
König Nan von Zhou, zweites Jahr (Wu-Shen, 313 v. Chr.)
1. Der Rechte Unterführer Ying Ji von Qin griff Zhao an. Er eroberte die Stadt Lin und nahm den Zhao-General Zhuang Bao gefangen.
Der König von Qin wollte Qi angreifen, fürchtete aber, dass Qi und Chu ein vertikales Bündnis geschlossen hatten. Daher schickte er Zhang Yi nach Chu, um König Huai von Chu zu überreden: „Wenn der König wahrhaftig auf meinen Vorschlag hört, das Bündnis mit Qi abbricht und die Grenzpässe schließt, bin ich bereit, das Gebiet von Shangyu mit sechshundert Li zu übergeben und Töchter aus Qin zu Nebenfrauen des Königs zu machen. Qin und Chu werden einander Töchter zur Heirat geben und nehmen und für immer Bruderstaaten sein.“ König Huai von Chu freute sich sehr und stimmte zu. Alle Beamten kamen, um zu gratulieren, nur Chen Zhen trauerte. Der König von Chu wurde zornig und sagte: „Ohne einen einzigen Soldaten oder ein Pferd auszusenden, erhalte ich sechshundert Li Land. Warum trauerst du?“ Chen Zhen antwortete: „So ist es nicht. Nach meiner Ansicht kann das Gebiet von Shangyu nicht erlangt werden, und Qi und Qin werden sich stattdessen verbünden. Sobald Qi und Qin sich verbünden, wird das Unheil gewiss kommen!“ Der König von Chu sagte: „Gibt es eine Erklärung dafür?“ Chen Zhen antwortete: „Der Grund, warum Qin Chu schätzt, ist, dass Chu Qi zum Verbündeten hat. Wenn Ihr nun die Grenzpässe schließt und das Bündnis mit Qi abbricht, dann ist Chu isoliert. Warum sollte Qin ein isoliertes Land begehren und ihm umsonst das Gebiet von Shangyu mit sechshundert Li geben? Wenn Zhang Yi nach Qin zurückkehrt, wird er den König gewiss betrügen. So habt Ihr im Norden die Beziehungen zu Qi abgebrochen und im Westen Unheil von Qin heraufbeschworen. Die Armeen beider Staaten werden gewiss gemeinsam kommen. Ich rate dem König: Verbündet Euch heimlich mit Qi, tut aber nur so, als ob Ihr die Beziehungen abbrecht, und schickt einen Mann mit Zhang Yi. Wenn man uns das Land wirklich gibt, dann brecht erst die Beziehungen zu Qi ab; das ist noch nicht zu spät.“ Der König von Chu sagte: „Ich wünsche, dass Herr Chen den Mund hält und nichts mehr sagt, und wartet, bis ich das Land erhalte!“ Daraufhin übergab er Zhang Yi das Siegel des Kanzlers und beschenkte ihn reichlich. Dann schloss er die Grenzpässe, brach das Bündnis mit Qi ab und schickte einen General mit Zhang Yi nach Qin.
Zhang Yi tat so, als sei er von seinem Wagen gefallen, und erschien drei Monate lang nicht am Hof. Als der König von Chu dies hörte, sagte er: „Glaubt Zhang Yi, dass ich die Beziehungen zu Qi nicht gründlich genug abgebrochen habe?“ Daraufhin schickte er den tapferen Song Yi, der unter dem Vorwand eines Siegels von Song nach Norden reiste, um den König von Qi zu beschimpfen. Der König von Qi wurde sehr zornig, demütigte sich, um Qin zu dienen, und so verbündeten sich Qi und Qin. Erst jetzt erschien Zhang Yi wieder am Hof, empfing den Gesandten von Chu und sagte: „Warum gehst du nicht, um das Land in Empfang zu nehmen? Von dem und dem Ort bis zu dem und dem Ort sind es sechs Li.“ Der Gesandte wurde sehr zornig, kehrte zurück und berichtete dem König von Chu. Der König von Chu wurde sehr zornig und wollte Truppen gegen Qin schicken. Chen Zhen sagte: „Darf ich jetzt reden? Es ist besser, Qin nicht anzugreifen, sondern stattdessen Qin eine große Stadt zu schenken, mit Qin zusammen Truppen gegen Qi zu schicken. So verlieren wir zwar Land an Qin, können es aber von Qi wieder einholen. Jetzt habt Ihr die Beziehungen zu Qi abgebrochen und tadelt dann noch den Betrug von Qin. Damit bringt Ihr Qin und Qi dazu, sich zu verbünden, und ruft die Armeen der Welt herbei. Der Staat wird gewiss schwer getroffen werden!“ Der König von Chu hörte nicht auf ihn, sondern schickte Qu Gai mit einer Armee, um Qin anzugreifen. Qin seinerseits schickte ebenfalls Truppen unter dem Shu-Zhang Zhang.
König Nan von Zhou, drittes Jahr (Ji-You, 312 v. Chr.)
1. Im Frühjahr trafen die Armeen von Qin und Chu bei Danyang aufeinander. Die Chu-Armee erlitt eine schwere Niederlage; achtzigtausend gepanzerte Soldaten wurden enthauptet, Qu Gai sowie über siebzig Lehnsfürsten und Träger des Gui-Siegels wurden gefangen genommen. Daraufhin eroberte Qin die Kommandantur Hanzhong. Der König von Chu mobilisierte die gesamte Armee seines Landes und griff Qin erneut an. Bei Lantian kam es zur Schlacht, und die Chu-Armee wurde erneut schwer geschlagen. Han und Wei hörten von der Notlage von Chu und fielen von Süden her in Chu ein, bis sie nach Deng vorstießen. Als die Leute von Chu dies hörten, führten sie ihre Truppen zurück, traten zwei Städte ab und baten Qin um Frieden.
2. Die Bevölkerung von Yan setzte gemeinsam den Thronfolger Ping ein; dies war König Zhao von Yan. König Zhao von Yan bestieg den Thron, nachdem Yan zerschlagen worden war. Er trauerte um die Toten, tröstete die Waisen, teilte Freud und Leid mit dem Volk, demütigte sich und warb mit reichen Geschenken um weise Männer. Er sagte zu Guo Wei: „Qi hat die inneren Unruhen unseres Landes ausgenutzt, um Yan anzugreifen und zu zerschlagen. Ich weiß sehr wohl, dass Yan schwach und seine Kräfte unzureichend sind, um Rache zu nehmen. Doch wenn ich wirklich einen weisen Mann fände, der mit mir zusammen den Staat regiert, um die Schmach meines verstorbenen Vaters zu tilgen, das wäre mein Wunsch. Für wen hält der Herr mich geeignet? Ich bin bereit, ihm persönlich zu dienen!“ Guo Wei sagte: „Es gab einmal einen Herrscher im Altertum, der einen Diener mit tausend Goldstücken losschickte, um ein tausend Li schnelles Pferd zu suchen. Das Pferd war bereits tot; der Diener kaufte den Kopf des Pferdes für fünfhundert Goldstücke. Der Herrscher wurde sehr zornig. Der Diener sagte: ‚Für ein totes Pferd wird noch so viel gezahlt, um wie viel mehr für ein lebendes? Tausend-Li-Pferde werden jetzt kommen.‘ Innerhalb eines Jahres kamen drei solche Pferde. Wenn der König jetzt wirklich weise Männer anziehen will, so beginne mit mir. Um wie viel mehr werden dann Männer, die noch tüchtiger sind als ich, es für zu weit halten, tausend Li zu reisen, und nicht kommen?“ Daraufhin ließ König Zhao von Yan für Guo Wei einen neuen Palast bauen und diente ihm wie einem Lehrer. Daraufhin wetteiferten die weisen Männer, nach Yan zu kommen. Yue Yi kam aus Wei, Ju Xin aus Zhao. König Zhao von Yan ernannte Yue Yi zum Unterführer und übergab ihm die Staatsgeschäfte.
3. König Xuan Hui von Han starb; sein Sohn, König Xiang Wang Cang, bestieg den Thron.
König Nan von Zhou, viertes Jahr (Geng-Xu, 311 v. Chr.)
1. Der Kanzler von Shu tötete den Markgrafen von Shu.
2 König Hui von Qin sandte einen Boten zu König Huai von Chu und bat darum, das Gebiet außerhalb von Wuguan gegen die Region Qianzhong einzutauschen. Der König von Chu sagte: „Ich möchte kein Land tauschen, ich wünsche, Zhang Yi zu erhalten, und dann werde ich die Region Qianzhong übergeben.“ Als Zhang Yi davon hörte, bat er, nach Qin reisen zu dürfen. König Hui von Qin sagte: „Chu will dich in Stücke reißen, wie kannst du da gehen?“ Zhang Yi antwortete: „Qin ist stark, Chu ist schwach. Solange Eure Majestät da ist, sollte Chu es nicht wagen, mir etwas anzutun. Zudem habe ich gute Beziehungen zu Jin Shang, dem Günstling des Königs von Chu, und Jin Shang kann der Lieblingskonkubine Zheng Xiu dienen. Was Zheng Xiu sagt, hört der König von Chu stets an.“ Daraufhin reiste er nach Chu. Der König von Chu ließ Zhang Yi einkerkern und bereitete seine Hinrichtung vor. Jin Shang sagte zu Zheng Xiu: „Der König von Qin liebt Zhang Yi sehr und ist bereit, ihn mit den sechs Distrikten von Shangyong und schönen Frauen auszulösen. Der König von Chu schätzt das Land und respektiert Qin; die schönen Frauen aus Qin werden sicherlich Gunst erlangen, und dann werdet Ihr, meine Dame, vernachlässigt werden.“ Daraufhin weinte Zheng Xiu Tag und Nacht vor dem König von Chu und sagte: „Jeder Minister dient seinem eigenen Herrn. Wenn man Zhang Yi jetzt tötet, wird Qin sicherlich in Zorn geraten. Ich bitte darum, dass wir, Mutter und Sohn, gemeinsam nach Jiangnan ziehen dürfen, um nicht wie Fisch und Fleisch von Qin zerstückelt zu werden!“ Der König von Chu begnadigte daraufhin Zhang Yi und behandelte ihn mit großem Respekt. Zhang Yi nutzte die Gelegenheit, um den König von Chu zu überreden: „Diejenigen, die die Vertikale Allianz befürworten, gleichen jemandem, der eine Schafherde gegen einen wilden Tiger treibt – es ist offensichtlich, dass sie nicht siegen können. Wenn Eure Majestät Qin nicht dient, wird Qin Han unter Druck setzen und Wei antreiben, um Chu anzugreifen; dann ist Chu in Gefahr. Qin hat im Westen Ba und Shu, baut Schiffe und lagert Getreide, fährt den Min-Fluss hinab, legt täglich über fünfhundert Li zurück und erreicht in weniger als zehn Tagen Hanguan. Sobald Hanguan in Gefahr ist, müssen alle Städte von der Grenze an ostwärts verteidigt werden, und Qianzhong und Wu werden nicht mehr Eurer Majestät gehören. Wenn Qin Truppen von Wuguan aus sendet, wird der Norden Chus von der Verbindung abgeschnitten. Ein Angriff der Qin-Armee auf Chu bringt Gefahr innerhalb von drei Monaten, während Chu auf Hilfe von den anderen Staaten ein halbes Jahr warten muss. Sich auf die Hilfe schwacher Staaten zu verlassen und die Gefahr durch das mächtige Qin zu vergessen – das ist der Grund, warum ich für Eure Majestät fürchte. Wenn Eure Majestät wirklich meinem Rat folgt, bitte ich darum, dass Qin und Chu für immer Bruderstaaten werden und einander nicht mehr angreifen.“ Der König von Chu hatte Zhang Yi bereits erhalten und zögerte, Qianzhong herauszugeben, also willigte er in Zhang Yis Vorschlag ein.
Zhang Yi reiste daraufhin nach Han und überredete den König von Han: „Das Land von Han ist gefährlich, das Volk lebt in den Bergen, die Erzeugnisse sind nicht mehr als Bohnen und Weizen, der Staat hat keine Getreidevorräte für zwei Jahre, und die vorhandenen Soldaten übersteigen nicht zweihunderttausend. Qin jedoch hat über eine Million gepanzerte Soldaten. Die Soldaten der Staaten östlich des Xiao-Gebirges kämpfen in Rüstungen und Helmen, während die Männer von Qin die Rüstungen ablegen und barbrüstig auf den Feind zustürmen, in der linken Hand Köpfe tragend und mit der rechten Gefangene packend. Mit Soldaten, so tapfer wie Meng Ben oder Wu Huo, gegen schwache Staaten zu kämpfen, die sich nicht unterwerfen, ist wie das Aufhängen einer Last von tausend Jun an einem Vogelei – es gibt keine Möglichkeit des Überlebens. Wenn Eure Majestät Qin nicht dient, wird Qin Truppen entsenden, um Yiyang zu besetzen und Chenggao zu blockieren; dann wird Euer Land zerteilt werden. Die Paläste von Hongtai und die Gärten von Sanglin werden nicht mehr Eurer Majestät gehören. In Eurem eigenen Interesse wäre es besser, Qin zu dienen und Chu anzugreifen; so könnt Ihr die Gefahr abwälzen und Qin erfreuen – es gibt keine vorteilhaftere Berechnung.“ Der König von Han willigte ein.
Zhang Yi kehrte zurück und berichtete; König Hui von Qin verlieh ihm sechs Städte und den Titel Wuxin-Jun. Dann sandte er ihn nach Osten, um den König von Qi zu überreden: „Diejenigen, die die Vertikale Allianz befürworten, werden Eurer Majestät sicherlich sagen: ‚Qi wird von den Drei Jin als Schild gedeckt, das Land ist weit, die Bevölkerung zahlreich, die Armee stark, die Soldaten tapfer; selbst wenn es hundert Qin gäbe, könnten sie Qi nichts anhaben.‘ Eure Majestät hält dies für richtig, bedenkt aber nicht die tatsächliche Lage. Jetzt haben Qin und Chu einander Frauen und Töchter gegeben und sind Bruderstaaten geworden; Han hat Yiyang übergeben; Wei hat das Gebiet außerhalb des Gelben Flusses übergeben; der König von Zhao ist zum Hofdienst erschienen und hat Hejian abgetreten, um Qin zu dienen. Wenn Eure Majestät Qin nicht dient, wird Qin Han und Wei antreiben, um den Süden von Qi anzugreifen, die gesamte Armee von Zhao mobilisieren, den Qing-Fluss überqueren und direkt auf Boguan zielen; dann werden Linzi und Jimo nicht mehr Eurer Majestät gehören! Sobald der Staat angegriffen wird, selbst wenn Ihr Qin dienen wollt, wird es unmöglich sein!“ Der König von Qi willigte ein.
Zhang Yi verließ Qi und reiste nach Westen, um den König von Zhao zu überreden: „Eure Majestät führte die Staaten unter dem Himmel an, um Qin auszuschließen; die Qin-Armee wagte es fünfzehn Jahre lang nicht, das Hangu-Pass zu verlassen. Eure Majestät Macht erstreckte sich östlich des Xiao-Gebirges; unser Staat war in großer Furcht, wir verbesserten Rüstungen, schärften Waffen, mühten uns mit dem Ackerbau, lagerten Getreide, lebten in Sorge und Furcht und wagten keine voreiligen Handlungen, nur weil Eure Majestät die Absicht hatte, uns zu bestrafen. Jetzt hat Qin mit Eurer Majestät Macht bereits Ba und Shu erobert, Hanzhong verschlungen, die Zwei Zhou umzingelt und die Furt von Baima besetzt. Obwohl Qin abgelegen ist, ist unser Groll und Zorn schon lange angestaut. Jetzt hat Qin eine ermüdete Armee in Mianchi stationiert und bereitet sich vor, den Gelben Fluss zu überqueren, den Zhang-Fluss zu überschreiten, Fanwu zu besetzen und sich bei Handan zu versammeln, in der Hoffnung, an einem Jiazi-Tag die Entscheidungsschlacht mit der Zhao-Armee zu führen, nach dem Vorbild von König Wu von Zhou, der gegen Zhou zog. Ich sende diesen Boten, um Eure Majestät im Voraus zu unterrichten. Jetzt sind Chu und Qin Bruderstaaten; Han und Wei bezeichnen sich selbst als östliche Vasallen; Qi hat das Land der Fische und des Salzes übergeben; das ist, als hätte man die rechte Schulter von Zhao abgeschnitten. Mit abgeschnittener rechter Schulter zu kämpfen, Verbündete verloren zu haben und isoliert zu sein – ist es möglich, nicht in Gefahr zu geraten? Jetzt sendet Qin drei Generäle aus: Eine Armee blockiert den Wu-Weg und benachrichtigt Qi, seine Truppen über den Qing-Fluss zu schicken und sich östlich von Handan zu lagern; eine Armee lagert in Chenggao und treibt die Truppen von Han und Wei an, sich außerhalb des Gelben Flusses zu postieren; eine Armee lagert in Mianchi; es ist vereinbart, dass vier Staaten gemeinsam Zhao angreifen; sobald Zhao sich unterwirft, wird sein Land sicherlich unter den vier Staaten aufgeteilt. Ich denke im Geheimen für Eure Majestät: Es wäre besser, eine persönliche Vereinbarung mit dem König von Qin zu treffen, mündlich Freundschaft zu schließen und für immer Bruderstaaten zu werden.“ Der König von Zhao willigte ein.
Zhang Yi reiste daraufhin nach Norden nach Yan und überredete den König von Yan: „Jetzt ist der König von Zhao zum Hofdienst erschienen und hat Hejian abgetreten, um Qin zu dienen. Wenn Eure Majestät Qin nicht dient, wird Qin Truppen von Yunzhong und Jiuyuan senden und Zhao antreiben, Yan anzugreifen; dann werden der Yi-Fluss und die Große Mauer nicht mehr Eurer Majestät gehören. Zudem sind Qi und Zhao für Qin wie Kommandanturen; sie wagen es nicht, willkürlich Truppen zu entsenden, um andere Staaten anzugreifen. Wenn Eure Majestät jetzt Qin dient, könnt Ihr für immer die Gefahr von Qi und Zhao vermeiden.“ Der König von Yan bat darum, die fünf Städte am Ende des Changshan-Gebirges als Tribut zu übergeben.
Zhang Yi kehrte zurück, um Bericht zu erstatten, aber bevor er Xianyang erreichte, starb König Hui von Qin, und sein Sohn, König Wu von Qin, bestieg den Thron. König Wu von Qin mochte Zhang Yi bereits als Kronprinz nicht; nach seiner Thronbesteigung verleumdeten viele Minister Zhang Yi. Als die Fürsten der verschiedenen Staaten hörten, dass es Spannungen zwischen Zhang Yi und dem König von Qin gab, brachen sie alle die Vertikale Allianz ab und führten die Horizontale Allianz wieder ein.
Im fünften Jahr des Königs Nan (Xinhai, 310 v. Chr.)
Zhang Yi riet dem König von Qin: „Ich denke für Eure Majestät: Wenn im Osten Unruhen ausbrechen, könnt Ihr noch mehr Land erobern. Ich habe gehört, der König von Qi hasst mich zutiefst; wo immer ich mich aufhalte, wird Qi gewiss angreifen. Ich bitte darum, dass mein unwürdiges Selbst nach Wei gehen darf; dann wird Qi Wei angreifen. Qi und Wei werden in einen Krieg verwickelt sein, aus dem sie nicht entkommen können, und Eure Majestät kann diese Gelegenheit nutzen, um Han anzugreifen, in die Drei-Flüsse-Region einzudringen, den König von Zhou gefangen zu nehmen und die Karten und Haushaltsregister des Reiches in die Hand zu bekommen – das ist der Weg zur Kaiserherrschaft.“ Der König von Qin willigte ein. Der König von Qi griff tatsächlich Wei an, und der König von Wei geriet in große Furcht. Zhang Yi sagte: „Eure Majestät braucht sich keine Sorgen zu machen. Lasst mich den Rückzug Qis bewirken.“ Daraufhin schickte er einen seiner Gäste nach Chu und ließ durch einen Gesandten Chus dem König von Qi ausrichten: „Eure Majestät handelt wirklich übermäßig hart gegen Zhang Yi wegen seiner Zeit in Qin!“ Der König von Qi fragte: „Warum sagt Ihr das?“ Der Gesandte Chus antwortete: „Zhang Yi verließ Qin nur, weil er dies mit dem König von Qin abgesprochen hatte, um Qi und Wei gegeneinander kämpfen zu lassen, während Qin die Drei-Flüsse-Region erobert. Nun greift Eure Majestät tatsächlich Wei an – damit schwächt Ihr Euer eigenes Land im Inneren, greift im Äußeren Euren Verbündeten an und verschafft Zhang Yi noch Vertrauen beim König von Qin.“ Der König von Qi zog daraufhin seine Truppen zurück und kehrte heim. Zhang Yi diente ein Jahr lang als Kanzler von Wei. Im Sommer, im fünften Monat, starb Zhang Yi.
Zhang Yi und Su Qin hatten beide mit den Strategien der Vertikalen und Horizontalen Allianzen bei den Fürsten geworben und Reichtum und Ehren erlangt; die ganze Welt beneidete sie und eiferte ihnen nach. Auch ein Mann aus Wei namens Gongsun Yan, genannt Xishou, erlangte durch seine Redekunst und Argumentation Berühmtheit. Die übrigen wie Su Dai, Su Li, Zhou Zui und Lou Huan – eine unzählige Menge – verbreiteten sich über das ganze Reich und wetteiferten in spitzfindigen Täuschungen und Betrügereien; man konnte sie nicht zählen. Zhang Yi, Su Qin und Gongsun Yan waren die berühmtesten unter ihnen.
Das Werk „Mengzi“ kommentiert: Jemand fragte: „Sind Zhang Yi und Gongsun Yan nicht wahre große Männer? Wenn sie zürnen, fürchten die Fürsten; wenn sie sich ruhig verhalten, ist die Welt friedlich.“ Mengzi sagte: „Wie könnten das große Männer sein? Der Edle stellt sich auf den höchsten und rechten Platz in der Welt und geht den hellsten und rechten Weg der Welt. Wenn er seine Ziele erreicht, folgt er dem Weg mit dem Volk; wenn nicht, bewahrt er allein seine Grundsätze. Reichtum und Ehre können ihn nicht ausschweifend machen, Armut und Niedrigkeit können ihn nicht ändern, Macht und Gewalt können ihn nicht beugen – das erst heißt ein großer Mann.“
Yang Xiong schrieb im „Fayan“: Jemand fragte: „Zhang Yi und Su Qin lernten die Kunst des Guiguzi und wandten die Lehren von Vertikalen und Horizontalen an, wodurch die Staaten in der Mitte jeweils zehn Jahre lang befriedet wurden – ist das so?“ Antwort: „Sie waren betrügerische Menschen. Der Heilige verabscheute sie.“ Frage: „Wenn man die Bücher des Konfuzius liest, aber die Taten von Zhang Yi und Su Qin tut – wie ist das?“ Antwort: „Das ist, als ob ein Phönix riefe, aber das Gefieder eines Raubvogels trüge – äußerst unpassend!“ Frage: „Tat Zigong nicht Ähnliches?“ Antwort: „Zigong schämte sich, dass die Welt in Unordnung war und nicht gerettet werden konnte. Zhang Yi und Su Qin schämten sich, wenn sie durch ihre Reden keinen Reichtum und keine Ehren erlangten.“ Jemand sagte: „Zhang Yi und Su Qin hatten wohl Talent; ihr Tun war nicht ohne jede Vernunft, oder?“ Antwort: „Im Altertum fiel es sogar dem Kaiser Yao schwer, Menschen einzusetzen; Talent allein genügt nicht. Talent, Talent – es ist nicht das, was wir Leute damit meinen.“
2 Der König von Qin schickte Gan Mao, um den Kanzler von Shu, Chen Zhuang, zu töten.
3 Der König von Qin und der König von Wei trafen sich in Linjin.
4 Der König von Zhao Wuling heiratete Wu Guangs Tochter Mengyao, liebte sie sehr und erhob sie zur Huihou. Sie gebar den Sohn Zhao He.
6. Jahr des Königs Nan von Zhou (Renzi-Jahr, 309 v. Chr.)
1 Qin begann, den Posten des Kanzlers einzurichten und ernannte Chu Lizi zum rechten Kanzler.
7. Jahr des Königs Nan von Zhou (Guichou-Jahr, 308 v. Chr.)
1 Qin und Wei trafen sich in Ying.
2 Der König von Qin schickte Gan Mao, um Wei für einen gemeinsamen Angriff auf Han zu gewinnen, und ließ Xiang Shou als Stellvertreter mitreisen. Als Gan Mao in Wei ankam, schickte er Xiang Shou zurück und sagte zum König von Qin: „Wei hat meinem Vorschlag zugestimmt, aber ich hoffe, Eure Majestät greift Han nicht an!“ Der König von Qin empfing Gan Mao in Xirang und fragte ihn nach dem Grund. Gan Mao antwortete: „Yiyang ist zwar nur eine große Kreisstadt, aber es entspricht in Wahrheit einer Kommandantur. Nun müsst Ihr mehrere gefährliche Pässe überqueren und tausend Li marschieren, um es anzugreifen – das ist äußerst schwierig. In Lu gab es einen Mann, der denselben Namen wie Zeng Shen trug und einen Mord beging. Jemand berichtete dies Zeng Shens Mutter; sie blieb ruhig und webte weiter. Erst als ein Dritter kam und es ihr sagte, warf sie das Weberschiffchen weg, sprang vom Webstuhl und floh über die Mauer. Meine Tugend reicht nicht an die von Zeng Shen heran, und Euer Vertrauen in mich ist geringer als das von Zeng Shens Mutter in ihren Sohn. Die Zahl derer, die mich verdächtigen, wird mehr als drei sein, und ich fürchte, Ihr werdet wie jene Mutter das Weberschiffchen wegwerfen. Als Herzog Wen von Wei Yue Yang als Feldherrn gegen Zhongshan schickte, brauchte er drei Jahre, um es zu erobern. Nach der Rückkehr belohnte er ihn und zeigte ihm eine Kiste voller Schmähbriefe gegen Yue Yang. Yue Yang verneigte sich zweimal und sprach: ‚Das ist nicht mein Verdienst, sondern die Kraft Eurer Hoheit.‘ Nun bin ich ein Gastminister in Qin. Wenn Chu Lizi und Gongsun Shi in der Sache von Han Verleumdungen vorbringen, werdet Ihr ihnen gewiss glauben; dann hättet Ihr den König von Wei betrogen, und ich würde den Hass von Gong Zhongxi auf mich ziehen.“ Der König von Qin sagte: „Ich werde nicht auf sie hören. Lass mich einen Eid mit dir schwören.“ Daraufhin schlossen sie in Xirang einen Bund. Im Herbst führten Gan Mao und Chang Feng die Armee zum Angriff auf Yiyang.
8. Jahr des Königs Nan von Zhou (Jiayin-Jahr, 307 v. Chr.)
1 Gan Mao griff Yiyang an, konnte es aber in fünf Monaten nicht erobern. Chu Lizi und Gongsun Shi stritten tatsächlich darüber. Der König von Qin berief Gan Mao ein und wollte die Truppen zurückziehen. Gan Mao sagte: „Der Bund von Xirang besteht noch.“ Der König von Qin sagte: „Es verhält sich tatsächlich so.“ Daraufhin zog er alle verfügbaren Truppen zusammen, um Gan Mao zu unterstützen. Sie enthaupteten 60.000 Mann und eroberten schließlich Yiyang. Gong Zhongxi von Han kam nach Qin, um um Verzeihung zu bitten und um Frieden zu ersuchen.
2 Der König von Qin liebte Kraftspiele. Die starken Männer Ren Bi, Wu Huo und Meng Shuo erhielten hohe Ämter. Im Herbst, im achten Monat, versuchten der König von Qin und Meng Shuo, einen Kessel zu stemmen; der König überanstrengte sich, seine Adern rissen, und er starb. Meng Shuo wurde mit seiner ganzen Sippe hingerichtet. Der König von Qin hatte keine Söhne. Sein Halbbruder Ying Ji war Geisel in Yan. Die Leute von Qin holten ihn zurück und setzten ihn als Herrscher ein – das war König Zhaoxiang von Qin. Die Mutter von König Zhaoxiang war Mi Bazi, eine Frau aus Chu, die spätere Kaiserinwitwe Xuan.
3. Der König Wuling von Zhao eroberte im Norden das Gebiet des Zhongshan-Staates und erreichte die Stadt Fangzi. Daraufhin begab er sich nach Dai, drang im Norden bis Wujiong vor, erreichte im Westen den Gelben Fluss und bestieg den Gipfel des Huanghua-Berges. Er beriet sich mit Fei Yi darüber, das Volk zu lehren, die Kleidung der Hu (Barbaren) zu tragen und Bogenschießen vom Pferd zu lernen, und sagte: „Was der Tor verlacht, das erkennt der Weise klar. Selbst wenn mich alle Menschen unter dem Himmel auslachen, das Land der Hu und den Staat Zhongshan – ich werde sie unbedingt in Besitz nehmen!“ Daraufhin kleidete er sich in Hu-Kleidung. Die Leute im Staat waren sehr unwillig; der Fürstensohn Cheng gab vor, krank zu sein, und erschien nicht zur Audienz. Der König von Zhao schickte jemanden zu ihm und ließ ihm sagen: „Im Hause gehorcht man den Eltern, im Staat gehorcht man dem Herrscher. Nun habe ich ein Edikt erlassen, die Kleidung zu wechseln, doch Ihr, Oheim, tragt sie nicht – ich fürchte, die Leute im Reich werden über mich reden. Einen Staat zu regieren hat seine feste Regel: Den Nutzen für das Volk zur Grundlage zu machen; die Politik zu führen hat sein Prinzip: Befehle zu erlassen und Verbote durchzusetzen ist das Wichtigste. Die Tugend zu veredeln beginnt man bei den Niedrigen, doch den Befehl durchzusetzen beginnt man bei den Vornehmen, um Vertrauen zu schaffen. Daher hoffe ich, mich auf die Rechtschaffenheit Eurer Gnaden, des Oheims, zu stützen, um das Werk der Hu-Kleidung und des Reitens und Bogenschießens zu vollenden.“ Der Fürstensohn Cheng verneigte sich zweimal und ließ sich mit der Stirn auf die Hände nieder, indem er sagte: „Ich habe gehört, die Mittelebene (Zhongyuan) ist der Ort, wo die heiligen Weisen die Erziehung und Belehrung ausüben, wo die Riten und die Musik angewendet werden, ein Vorbild, das die fernen Länder besuchen und betrachten, und das die wilden Stämme der Yi und Man nachahmen lernen. Nun aber verwirft Eure Majestät dies und kleidet sich in die Kleidung der fernen Hu, ändert die Überlieferungen des Altertums, handelt gegen den Willen des Volkes – ich hoffe, Eure Majestät möge dies reiflich erwägen!“ Der Gesandte kehrte zurück und berichtete. Der König von Zhao begab sich persönlich zu ihm und sagte: „Unser Staat hat im Osten Qi und Zhongshan, im Norden Yan und die Donghu, im Westen Loufan, die Grenzen von Qin und Han. Ohne die Ausrüstung des Reitens und Bogenschießens – womit sollen wir uns verteidigen? Einst stützte sich Zhongshan auf die starken Truppen Qis, überfiel und bedrängte unser Land, raubte unser Volk, leitete Wasser und belagerte die Stadt Hao; wenn nicht der Schutz der Altäre des Landes und der Götter gewesen wäre, wäre Hao beinahe verloren gewesen. Der verstorbene Fürst empfand dies als tiefe Schande. Darum ändere ich die Kleidung und lerne Reiten und Bogenschießen, um mich gegen die Gefahren an den vier Grenzen zu wappnen und die Rache für den Überfall von Zhongshan zu vollziehen. Ihr aber, Oheim, haltet an den Sitten der Mittelebene fest, verabscheut den Ruf der Kleideränderung und vergesst die Schande von Hao – das ist nicht das, was ich erhoffte.“ Der Fürstensohn Cheng gehorchte dem Befehl. Daraufhin schenkte ihm der König von Zhao Hu-Kleidung, und am nächsten Tag trug er sie zur Audienz. Von da an erließ der König von Zhao den Befehl, Hu-Kleidung zu tragen, und warb Leute an, die Reiten und Bogenschießen lernten.
(Im neunten Jahr des Königs Nan von Zhou [Jahreszeichen Yimao, 306 v. Chr.])
1. Der König Zhaoxiang von Qin schickte Xiang Shou, um Yiyang zu befrieden, und sandte ferner Shuzi und Gan Mao, um Wei anzugreifen. Gan Mao redete auf den König von Qin ein und gab Wusui an Han zurück. Xiang Shou und Gongsun Shi stritten dagegen, konnten es aber nicht verhindern; daher hassten sie Gan Mao und verleumdeten ihn. Gan Mao fürchtete sich sehr, stellte den Angriff auf Puban von Wei ein und floh. Shuzi schloss Frieden mit Wei und zog daraufhin ab. Gan Mao floh nach Qi.
2. Der König Wuling von Zhao eroberte das Gebiet von Zhongshan und erreichte Ningjia; im Westen eroberte er das Gebiet der Hu und erreichte Yuzhong. Der König der Linhu schenkte Pferde. Nach seiner Rückkehr sandte der König von Zhao Lou Huan nach Qin, Chou Yi nach Han, Wang Ben nach Chu, Fu Ding nach Wei und Zhao Jue nach Qi. Der Dai-Kanzler Zhao Gu kümmerte sich um die Angelegenheiten der Hu und zog Truppen der Hu ein.
1. Der König Huai von Chu schloss mit dem König von Qi und dem König von Han einen Vertrag über die Vereinigte Vertikale (Hezong).
(Im zehnten Jahr des Königs Nan von Zhou [Jahreszeichen Bingchen, 305 v. Chr.])
1. Ein Komet erschien.
2. Der König Wuling von Zhao griff Zhongshan an, eroberte Danqiu, Shuangyang und Hongzhi-Sai, ferner eroberte er die Städte Hao, Shiyi, Fenglong und Dongyuan. Zhongshan bot vier Städte zur Kapitulation an und bat um Frieden.
3. Der jüngere Halbbruder der Königinwitwe Xuan von Qin väterlicherseits hieß der Marquis Rang, Wei Ran; ihr vollbürtiger jüngerer Bruder hieß der Fürst von Huayang, Mi Rong. Der jüngere Vollbruder des Königs Zhaoxiang von Qin hieß der Fürst von Gaoling und der Fürst von Jingyang. Wei Ran war der Tüchtigste; seit den Zeiten des Königs Hui und des Königs Wu von Qin bekleidete er Ämter und leitete die Regierung. Als König Wu von Qin starb, stritten seine jüngeren Brüder um die Nachfolge; nur Wei Ran war fähig, den König Zhaoxiang von Qin einzusetzen. Nach dessen Thronbesteigung ernannte er Wei Ran zum General und ließ ihn Xianyang bewachen. In diesem Jahr planten der Shangshu Ying Zhuang sowie die hohen Beamten und Prinzen einen Aufstand; Wei Ran ließ sie hinrichten. Auch die Königinwitwe Huiwen starb eines unnatürlichen Todes; die Königinwitwe Wuwu wurde aus Qin vertrieben und kehrte nach Wei zurück. Diejenigen jüngeren Brüder des Königs Zhaoxiang von Qin, die ihm nicht wohlgesonnen waren, ließ Wei Ran alle beseitigen. Der König Zhaoxiang von Qin war noch jung; die Königinwitwe Xuan leitete persönlich die Staatsgeschäfte und betraute Wei Ran mit der Führung der Regierung; seine Macht erschütterte ganz Qin.
(Im elften Jahr des Königs Nan von Zhou [Jahreszeichen Dingsi, 304 v. Chr.])
1. Der König Zhaoxiang von Qin und der König Huai von Chu trafen sich zu einer Zusammenkunft in Huangji. Qin gab das Gebiet von Shangyong an Chu zurück.
(Im zwölften Jahr des Königs Nan von Zhou [Jahreszeichen Wuwu, 303 v. Chr.])
1. Ein Komet erschien.
2. Qin eroberte Puban, Jinyang und Fengling von Wei sowie Wusui von Han.
3. Qi, Han und Wei, weil Chu den Bund der Vereinigten Vertikale gebrochen hatte, vereinigten ihre Truppen und griffen Chu an. Der König Huai von Chu sandte seinen Kronprinzen Xiong Heng als Geisel nach Qin und bat um Hilfe. Der Gastminister Tong von Qin führte Truppen zur Rettung Chus; die drei Staaten Qi, Han und Wei zogen daraufhin ab.
4. Der Herzog Ping von Lu starb; ihm folgte sein Sohn, der Herzog Min von Lu, Jia, auf den Thron.
(Im dreizehnten Jahr des Königs Nan von Zhou [Jahreszeichen Jiwei, 302 v. Chr.])
1. Der König Zhaoxiang von Qin, der König Xiang von Wei und der Kronprinz Han Ying von Han trafen sich in Linjin; der Kronprinz von Han kehrte nach seinem Aufenthalt in Xianyang in sein Land zurück. Qin gab Puban an Wei zurück.
2. Ein hoher Beamter von Qin geriet mit dem Kronprinzen von Chu in einen Streit; der Kronprinz von Chu tötete ihn und floh nach Chu zurück.
(Im vierzehnten Jahr des Königs Nan von Zhou [Jahreszeichen Gengshen, 301 v. Chr.])
1. Eine totale Sonnenfinsternis ereignete sich.
2. Die Qin eroberten die Stadt Rang von Han. Der Kommandant von Shu, Ning Hui, rebellierte gegen Qin; Sima Cuo von Qin zog aus und tötete ihn.
3. Der Shangshu Huan von Qin vereinigte die Truppen von Han, Wei und Qi und griff Chu an; er besiegte die Chu-Armee bei Chongqiu, tötete den Chu-General Tang Mo und besetzte daraufhin Chongqiu.
4. Der König von Zhao griff Zhongshan an; der Herrscher von Zhongshan floh nach Qi.
5. Der König Xuan von Qi starb; ihm folgte sein Sohn, der König Min von Qi, Tian Di, auf den Thron.
(Im fünfzehnten Jahr des Königs Nan von Zhou [Jahreszeichen Xinyou, 300 v. Chr.])
1. Der Qin-Prinz, der Fürst von Jingyang, ging als Geisel nach Qi.
2. Der Qin-Prinz, der Fürst von Huayang, griff Chu an, besiegte die Chu-Armee schwer, enthauptete 30.000 Mann, tötete den Chu-General Jing Que und eroberte die Stadt Xiangcheng von Chu. Der König von Chu fürchtete sich und sandte seinen Kronprinzen als Geisel nach Qi, um Frieden zu erbitten.
3. Der Qin-Minister Shuzi Ji starb; man ernannte den Zhao-Mann Lou Huan zum Kanzler.
4. Der König Wuling von Zhao liebte seinen jüngeren Sohn Zhao He und wollte ihn noch zu seinen Lebzeiten zum Herrscher einsetzen.
(Im sechzehnten Jahr des Königs Nan von Zhou [Jahreszeichen Renxu, 299 v. Chr.])
1. Im Sommer, am fünften Tag des fünften Monats, hielt der König Wuling von Zhao im Ostpalast eine große Audienz ab und übergab die Königswürde an Zhao He. Nachdem Zhao He die Zeremonie der Ahnenverehrung im Tempel vollzogen hatte, trat er heraus und hörte die Staatsgeschäfte an; die hohen Beamten wurden alle seine Untertanen. Fei Yi wurde Kanzler und zugleich Lehrer des Königs von Zhao. Der König Wuling von Zhao nannte sich selbst „Zhu Fu“ (Vater des Herrschers). Zhu Fu wollte, dass sein Sohn den Staat regierte, kleidete sich selbst in Hu-Kleidung, führte die hohen Beamten und Adligen an und eroberte im Nordwesten das Gebiet der Hu. Er beabsichtigte, von Yunzhong und Jiuyuan aus nach Süden vorzustoßen und Xianyang zu überfallen. Daher verkleidete er sich als Gesandter, begab sich nach Qin, um auf diese Weise das Gelände Qins und die Persönlichkeit des Königs von Qin zu erkunden. Der König von Qin bemerkte es nicht; später wunderte er sich, dass die Gestalt jenes Mannes sehr stattlich war und nicht die Haltung eines Untertanen hatte. Er schickte Leute, ihn zu verfolgen, aber Zhu Fu hatte bereits die Pässe verlassen. Nach genauer Nachforschung erfuhr man, dass es Zhu Fu gewesen war. Die Qin-Leute waren sehr bestürzt.
2. Der König von Qi und der König von Wei trafen sich in Han.
3 Die Qin-Truppen griffen Chu an und eroberten acht Städte. Der König von Qin sandte dem König von Chu einen Brief, in dem er sagte: „Einst schloss ich mit dem Großen König einen brüderlichen Bund, wir verbündeten uns in Huangji, der Kronprinz kam als Geisel nach Qin, und beide Seiten waren in bester Harmonie. Der Kronprinz beleidigte und tötete einen meiner hohen Minister und floh, ohne sich zu entschuldigen. Ich konnte meinen Zorn in der Tat nicht zügeln und sandte Truppen, um in Eure Grenzregion einzufallen. Nun habe ich gehört, dass der Große König den Kronprinzen als Geisel nach Qi geschickt hat, um um Frieden zu bitten. Ich und Chu grenzen aneinander, wir haben Ehen geschlossen und pflegen freundschaftliche Beziehungen. Wenn nun Qin und Chu nicht in Eintracht sind, können wir die Fürsten nicht befehligen. Ich wünsche, mich mit dem Großen König in Wuguan zu treffen, von Angesicht zu Angesicht eine Abmachung zu treffen, nach dem Bündnis zu gehen – das ist mein Wunsch!“ Der König von Chu war darüber sehr besorgt. Er wollte gehen, fürchtete aber, betrogen zu werden; er wollte nicht gehen, fürchtete aber, dass Qin noch wütender würde. Zhao Sui sagte: „Geht nicht! Entsendet einfach Truppen und verstärkt die Verteidigung! Qin ist ein Land von Tigern und Wölfen, es hegt den Wunsch, die Fürsten zu verschlingen. Es ist nicht vertrauenswürdig!“ Der Sohn von König Huai, Zilan, redete dem König von Chu zu, zu gehen, und so begab sich der König von Chu nach Qin. Der König von Qin befahl einem General, sich als König von Qin auszugeben, und ließ in Wuguan Truppen in einen Hinterhalt legen. Kaum war der König von Chu angekommen, schloss man den Pass und nahm ihn gefangen. Man brachte ihn gemeinsam nach Westen, nach Xianyang, wo er im Zhangtai-Palast dem König von Qin huldigte, wie es die Zeremonie für einen Vasallen vorschrieb. Man erpresste ihn, die Kommandanturen Wu und Qianzhong abzutreten. Der König von Chu wollte zuerst das Bündnis schließen, der König von Qin wollte zuerst das Land erhalten. Der König von Chu sagte zornig: „Qin hat mich betrogen und zwingt mich mit Gewalt, Land abzutreten!“ Daraufhin willigte er nicht mehr ein, und die Qin-Leute hielten ihn fest. Die hohen Minister von Chu waren sehr besorgt und berieten miteinander, indem sie sagten: „Unser Fürst kann aus Qin nicht zurückkehren, wird gezwungen, Land abzutreten, und der Kronprinz ist als Geisel in Qi. Wenn Qi und Qin gemeinsame Sache machen, dann wird Chu untergehen.“ Sie wollten einen Prinzen, der noch im Lande war, zum König einsetzen. Zhao Sui sagte: „Der Fürst und der Kronprinz sind beide bei den Fürsten gefangen. Nun noch gegen den Befehl des Fürsten zu handeln und einen seiner Nebensöhne einzusetzen, ist nicht angemessen!“ Daraufhin gaben sie vor, der König von Chu sei gestorben, und sandten eine Trauerbotschaft nach Qi. König Min von Qi berief seine Minister ein, um zu beraten. Jemand sagte: „Es ist besser, den Kronprinzen festzuhalten, um von Chu das Land nördlich des Huai-Flusses zu fordern.“ Der Kanzler von Qi sagte: „Nein. Wenn Yingdu einen neuen König einsetzt, dann halten wir einen leeren Geisel in den Händen und üben eine ungerechte Tat gegenüber der Welt aus.“ Jener Mann sagte: „Das ist nicht richtig. Wenn Yingdu einen neuen König einsetzt, dann nutzen wir die Gelegenheit, um mit diesem neuen König ein Geschäft zu machen, indem wir sagen: ‚Gib mir das östliche Grenzland, und ich werde für dich den Kronprinzen töten. Andernfalls werde ich gemeinsam mit Qin, Han und Wei ihn als König einsetzen.‘“ Der König von Qi befolgte schließlich den Plan des Kanzlers und schickte den Kronprinzen von Chu zurück. Die Chu-Leute setzten ihn als König ein.
4 Der König von Qin hörte, dass der Fürst von Mengchang weise und fähig sei, und sandte den Fürsten von Jingyang als Geisel nach Qi, um den Fürsten von Mengchang einzuladen. Der Fürst von Mengchang kam nach Qin, und der König von Qin ernannte ihn zum Kanzler.
17. Jahr des Königs Nan von Zhou (Gui Hai, 298 v. Chr.)
1 Jemand sagte zum König von Qin: „Der Fürst von Mengchang dient als Kanzler von Qin; er wird zuerst an Qi denken und dann an Qin. Qin ist wahrscheinlich in Gefahr!“ Der König von Qin ernannte daraufhin Lou Huan zum Kanzler, ließ den Fürsten von Mengchang einkerkern und wollte ihn töten. Der Fürst von Mengchang schickte jemanden, um bei einer Lieblingskonkubine des Königs von Qin um Befreiung zu bitten. Die Konkubine sagte: „Ich wünsche, Ihren Fuchsweißpelzmantel zu erhalten.“ Der Fürst von Mengchang besaß einen Fuchsweißpelzmantel, den er bereits dem König von Qin geschenkt hatte, und konnte die Bitte der Konkubine nicht erfüllen. Unter seinen Gästen gab es einen, der sich auf Diebstahl verstand wie ein Hund. Er drang in die Schatzkammer von Qin ein, stahl den Fuchsweißpelzmantel und schenkte ihn der Konkubine. Die Konkubine sprach daraufhin für den Fürsten von Mengchang beim König von Qin Fürbitte, und der König ließ ihn gehen. Der König von Qin bereute es später und schickte Leute, ihn zu verfolgen. Der Fürst von Mengchang erreichte den Hangu-Pass. Die Passordnung besagte: Nur wenn die Hähne krähten, wurde den Reisenden Durchlass gewährt. Zu dieser Zeit war es noch früh, und die Verfolger würden bald eintreffen. Unter den Gästen gab es einen, der sich darauf verstand, wie ein Hahn zu krähen. Die wilden Hähne, die sein Krähen hörten, stimmten mit ein. So gelang es dem Fürsten von Mengchang zu entkommen und in sein Land zurückzukehren.
2 Die Chu-Leute teilten Qin mit: „Dank der Segnungen der Altäre und Ahnengeister hat Chu nun einen neuen König!“ Der König von Qin wurde sehr zornig, sandte Truppen aus, um durch Wuguan Chu anzugreifen, enthauptete 50.000 Mann und eroberte 16 Städte.
3 Der König von Zhao ernannte seinen jüngeren Bruder Zhao Sheng zum Fürsten von Pingyuan. Der Fürst von Pingyuan liebte Gelehrte und beherbergte oft mehrere tausend Gäste in seinem Haus. Es gab einen Mann namens Gongsun Long, der sich auf die Disputation über „hart-weiß und gleich-verschieden“ verstand. Der Fürst von Pingyuan behandelte ihn als Gast. Kong Chuan kam von Lu nach Zhao und disputierte mit Gongsun Long über „Zangs drei Ohren“. Gongsun Long analysierte sehr scharfsinnig. Kong Chuan antwortete nicht, verabschiedete sich bald und ging hinaus. Am nächsten Tag suchte er erneut den Fürsten von Pingyuan auf. Der Fürst von Pingyuan sagte: „Gestern waren die Worte von Gongsun Long in der Tat sehr wortgewandt. Was hält der Meister davon?“ Kong Chuan antwortete: „Ja. Er hat es fast dahin gebracht, dass Zangs drei Ohren als wahr gelten. Dennoch ist es in Wirklichkeit schwer zu begründen! Ich möchte Sie noch einmal fragen: Heutzutage ist es schwierig, drei Ohren zu behaupten, und es ist tatsächlich falsch; es ist leicht, zwei Ohren zu behaupten, und es ist tatsächlich richtig. Ich weiß nicht, ob Sie der leichten und richtigen Behauptung folgen oder der schwierigen und falschen?“ Der Fürst von Pingyuan konnte nicht antworten. Am nächsten Tag sagte der Fürst von Pingyuan zu Gongsun Long: „Sie sollten nicht mehr mit Kongzi Gao disputieren! Dieser Mann übertrifft die Worte durch die Vernunft, Sie übertreffen die Vernunft durch die Worte. Wenn die Worte die Vernunft übertreffen, wird man am Ende scheitern müssen.“
Zou Yan aus Qi kam durch Zhao, und der Fürst von Pingyuan ließ ihn mit Gongsun Long über die Behauptung disputieren, dass ein weißes Pferd kein Pferd sei. Zou Yan sagte: „Nein. Was man Disputation nennt, dient dazu, verschiedene Kategorien zu unterscheiden, so dass sie einander nicht behindern, und verschiedene Standpunkte anzuordnen, so dass sie einander nicht verwirren. Man legt seine Gedanken dar, erklärt die Absicht, gibt an, worauf man sich bezieht, so dass alle es verstehen können, anstatt sich darauf zu konzentrieren, einander zu verwirren. Daher verliert der Sieger nicht das, woran er festhält, und der Unterlegene erhält das, was er anstrebt. Nur so kann eine Disputation stattfinden. Was aber das gegenseitige Stützen mit weitschweifigen Formulierungen, das gegenseitige Angreifen mit geschmückten Worten, das gegenseitige Ablenken mit geschickten Gleichnissen, das Verleiten anderer, so dass sie den eigenen Kern nicht erfassen können, betrifft – all dies schadet dem großen Prinzip. Jenes Gezänk, bei dem man um die Wette redet und erst aufhört, wenn man den letzten Rest ausgetragen hat, kann nicht anders, als dem Edlen zu schaden. Ich tue so etwas nicht.“ Alle Anwesenden fanden seine Worte gut. Gongsun Long wurde von da an zurückgesetzt.
Schlussvermerk der Redaktion
